Weshalb Privatanleger erneuerbare Energien nicht institutionellen Investoren überlassen sollten

Investitionen in erneuerbare Energien werden für institutionelle Investoren wie Energieversorger, Projektierer, Fonds und Banken immer attraktiver. Allein der Allianz-Konzern hat über 4 Milliarden Euro in alternative Energien investiert. Zugleich ist noch immer keine Abkehr von der Niedrigzinsphase in Sicht. Der Markt ist hoch liquide. Entsprechend schnell werden neue Projekte vom Markt hinweggefegt.

Ein Blick in die globale Ausbau-Dynamik der erneuerbaren Energien ist aufschlussreich:  Nach Abzug ausrangierter Anlagen steigt der globale Netto-Zubau seit Jahren. Allein im Jahr 2016 wurden global rund 165.000 MW zusätzliche Kapazität aufgebaut. Die Investitionskosten fallen, während die Zubaumenge steigt. Erneuerbare Energien lagen bereits 2016 im Kostenwettbewerb innerhalb der Kosten-Bandbreite fossiler Energien. Windenergie an Land, Wasserkraft, Biomasse und Geothermie gehören sogar im Vergleich zu fossilen Wettbewerbern zu den besonders kostengünstigen Energiequellen.

Der Ausbau im deutschen Markt wird durch politische Restriktionen begrenzt. Wenige Projekte treffen auf immer mehr Investoren und Privatanleger. Unter den Anlegern ist das Vertrauen in die politischen Rahmenbedingungen der Bundesrepublik Deutschland besonders hoch. Die staatlich garantierte Einspeisevergütung macht die Einnahmen aus dem Betrieb der Anlagen planbar. Die Projektierung hingegen wird immer komplizierter und kostenaufwändiger. Die jährlichen Investitionen in erneuerbare Energien liegen in Deutschland seit 2013 vergleichsweise stabil auf einem Niveau zwischen 14 und 16 Milliarden Euro.

Wie können Anleger in erneuerbare Energien investieren?

Im Wesentlichen kann in den Betrieb und in die Herstellung der Anlagen investiert werden. Möglich sind unterschiedliche Formen der Direktbeteiligung, Themenfonds oder der Kauf von Aktien.

Mit “New Energy”-Themenfonds ist eine breite Streuung auf Hersteller und Betreiber möglich. Da sie börsentäglich handelbar sind, ist das angelegte Geld bei Bedarf schnell verfügbar. Langfristig bieten sie häufig gute Erträge, unterliegen jedoch den Schwankungen der Börse. Einige Fonds fokussieren sich durch zusätzliche ethische Ausschlusskriterien. Beispielsweise mit einem monatlichen Sparplan kann über eine Depotbank kontinuierlich in einen oder mehrere Fonds eingezahlt werden.

Direktbeteiligungen im Bereich erneuerbarer Energien beziehen sich meist direkt auf den Betrieb von Windrädern und Photovoltaikanlagen. Sie sind unabhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung an Börsen. Jedoch wird das angelegte Kapital meist über mehrere Jahre gebunden und es besteht das unternehmerische Risiko des Totalausfalls. Die Mindestanlagesumme liegt in der Regel in fünfstelliger Größenordnung.

Crowdfunding erlaubt eine kleine Stückelung

Eine kleinere Stückelung und damit erleichterte Streuung von Direktbeteiligungen wird durch Crowdinvesting-Plattformen wie WIWIN ermöglicht. Dort kann je nach Anlageprodukt beispielsweise ab 100 Euro in einen Windpark oder ab 500 € in den Betrieb einer Photovoltaik-Anlage investiert werden.

Ein liberaler Markt ist theoretisch für möglichst viele Akteure offen. In Deutschlands Energiewirtschaft jedoch besteht eine Tendenz hin zur Marktkonzentration. Entsprechend wird es für Anleger und kleine sowie mittelständische Unternehmen immer schwieriger, sich an den Chancen der Energiewende zu beteiligen. Die Anschubfinanzierung für den heutigen globalen Erfolg erneuerbarer Energien hingegen wurde auf die Bürger umgelegt.

Autor: Stefanie Roßel
Bild: pixabay, Creator:

 

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