Weihnachtszeit ist Goldzeit

US-Gold Gurus wie Jim Rickards melden sich wieder und erwarten einen Unzenpreis von USD 10.000. Bleiben wir realistisch und betrachten die Fakten. Das Gold notierte bei USD 1.299.50 pro Unze (+ USD 7,70 Tagesgewinn) für Februar Comex Gold Kontrakte.

In den vergangenen Tagen hat sich der Goldpreis wie erwartet erholt. Das starke Momentum ergab sich durch die physische Nachfrage nach Gold. Gleich aus mehreren Gründen wird wieder in Gold investiert:

1) Erwartete Entscheide US-Notenbank können kippen – grössere Kursbewegungen des Goldes wären die Konsequenz

Am 13. Dezember findet das FOMC-Meeting statt, also die Konferenz an der die künftige Währungs- und Zinspolitik bestimmt wird. Alle Märkte, inkl. die Futures preisen eine weitere Zinserhöhung ein. In Erwartung dieser Entscheidung stieg der USD sowie die Marktzinsen, während die Anleihen nachgaben und das Gold seitwärts bis leicht höher notierte. Was jedoch, wenn keine Zinserhöhung beschlossen wird? Die beiden wichtigsten Prioritäten der US-Notenbank sind die Bildung neuer Arbeitsplätze und die Stabilität der Preise.

Jobszahlen zeigen ein eher negatives / neutrales Bild

Im Oktober schuf die Wirtschaft 261.000 Jobs. Analysiert man diese Zahl fällt sie ernüchternd aus: Die meisten dieser Stellen rühren daher, dass viele Arbeitnehmer, welche ihre Jobs durch die Hurrikans Irma und Harvey verloren hatten, ihre Arbeit wieder aufnehmen konnten. Ein Beispiel: Im September verloren 102.000 Arbeitnehmer ihre Stellen im Sektor Freizeit und Tourismus. Im Oktober wurden in dieser Branche wieder 106.000 Jobs geschaffen. Im konjunkturell wichtigen Einzelhandel sieht es düster aus. Seit März 2017 werden im Detailhandel Stellen abgebaut (8.300 im Oktober alleine). Erstaunlicherweise kamen 5.700 neue Jobs im Grosshandel dazu.

Gefahr von Disinflation

In den USA herrscht mit einer Beschäftigungsrate von 4,1 Prozent fast Vollbeschäftigung. Es werden jedoch wenig neue Stellen geschaffen. Um ihr Wachstum aufrecht zu erhalten, benötigt die Wirtschaft jedoch monatlich rund 150.000 neu geschaffene Jobs. Die Inflation von 2,04 Prozent bewegt sich beim Zielwert des Fed von 2,0 Prozent. Für das Jahr 2018 erwarten die Analysten ein CPI von ca. 2,3 Prozent. Bei einer Zinserhöhung des Fed würde das CPI diese Zielgrösse überschreiten. Somit erscheint es möglich, dass das Fed – entgegen den Erwartungen des Marktes – keine Zinserhöhung beschliessen könnte. In diesem Falle würde der USD nachgeben, das Gold steigen, die Anleihen steigen, die Zinsen fallen und die Aktienpreise mit grosser Wahrscheinlichkeit steigen.

2) Russland baut seine Gold-Reserven weiter markant auf

Dem Land fliessen erhebliche Devisen aufgrund steigender Erdölerträge zu. Russland möchte sich jedoch gegenüber möglicher Kursschwankungen des USD absichern, werden doch seine Ölexporte – mit Ausnahme derer nach China – in USD notiert und eingenommen. Zudem stocken die Russen ihre physischen Goldbestände seit 2005 auf. In den vergangenen 10 Jahren erhöhte die Russische Zentralbank (CBR) ihre Goldreserven um mehr als 1.250 Tonnen. Sowohl 2015 und 2016 alleine kamen je 200 Tonnen dazu. Für 2017 ist dieselbe Menge geplant. Das Land tritt nicht nur als Käufer, sondern auch als Produzent auf (Produktion in 2017 rund 300 Tonnen, bei steigender Tendenz).

3) Der Goldhandel berichtet von substanzieller physischer Nachfrage durch Investoren

In Zeiten von Börsenhöchstständen sucht sich das Kapital neue Investitionsmöglichkeiten. Unsicherheiten über die mögliche weitere Entwicklung der Aktienmärkte und der Zinsfront sind klassische Argumente für “neutrale, substanzielle Werte”, wie das Gold. Die soeben erfolgte “Gold und Silber Konferenz 2017 in San Francisco vom 20./21 November 2017, ein Grossevent der Goldindustrie machte bei Grossinvestoren kräftig Stimmung für das Metall. Kurz: Diese potente PR-Plattform gab dem Thema “Gold” zusätzlichen Auftrieb.

4) Mögliche Kursentwicklung des Goldes im Dezember

Ich habe die Entwicklung des Goldpreises der Monate Dezember und Januar seit 2000 auf Gesetzmässigkeiten untersucht. Es gibt tatsächlich eine gewisse, wenn auch geringe Häufigkeit ähnlicher Kursfolgen. Leider kann keine verlässliche Gesetzmässigkeit erkannt werden. Trotzdem scheint die Chance auf höhere Goldpreise im Dezember gegeben zu sein.

Kursverlauf des Goldes (in USD / Unzen) im Dezember sowie dem folgenden Januar der Jahr 2000 bis 2016

JahrDezember-
Performance
Januar-
Performance
(Folgejahr)
2000+
2001+
2002+
2003+
2004+
2005++
2006++
2007++
2008++
2009
2010+
2011+
2012
2013+
2014++
2015++
2016+

Seit 2000 stieg die Unze Gold in USD im Dezember 12 Mal. Der Preis gab im gleichen Monat nur 5 Mal nach. Im Januar zeigte das Bild einer beinahe ausgeglichene Bilanz: 9 Anstiege standen 8 Rückgänge gegenüber. Zumeist bei Jahresbeginn traten fast ausnahmslos schwächere Kurse auf, bedingt durch Gewinnrealisationen. Aus steuertechnischen Gründen werden diese oft im Januar getätigt.

Text: Radovan Milanovic

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