Versandapotheke Zur Rose – ein Jahr nach dem IPO

In Deutschland buhlen ca. 3600 Versandapotheken um 31 Mio. Kunden

Im Oktober 2017 veröffentlichte die Stiftung Warentest die Ergebnisse einer Untersuchung der 18 umsatzstärksten  Versandapotheken Deutschlands, bei der 7 mit der Note “mangelhaft” eingestuft wurden. Beim hart umkämpften Geschäft, bei dem hohe Margen locken, konnten die geprüften Online Händler hinsichtlich der Beratung wie der Neben- und Wechselwirkungen der angebotenen Medikamente  – wie in der Apothekenbetriebsordnung vorgeschrieben – nicht überzeugen. Im Kampf um die Kunden gewähren auch “Vor Ort Apotheken” Rabatte bei rezeptfreien Medikamenten. Bei verschreibungspflichtigen Medikamenten profitieren beide Vertriebsformen aufgrund der Preisbindung von hohen Margen. Entsprechend hoch sind die Kosten im Kampf um Marktanteile in diesem Bereich.

Der Bundesverband deutscher Versandapotheken (BDDVA) mit umfangreicher Branchen-Statistik

  • 3.600 Versandapotheken, wovon 150 mit “ernstzunehmendem” Versandhandel
  • Online Kunden 2016: 31 Mio. Kunden (55 Prozent aller Internetbenutzer)
  • DocMorris, apotal.de, Shop Apotheke, apo-discounter.de, medikamente-per-klick.de, medpex Apotheke, Sanicare… buhlen neben “zur Rose” um online Kunden
  • Hohe Kundenzufriedenheit mit 1,78 bestätigt sich durch Folgekäufe
  • Rezeptpflichtige Medikamente 2017: Rund 50 Prozent der Käufe insgesamt (online und vor Ort) generierten den grössten Umsatzanteil (EUR 46,827 Mio.)

E-Rezept bereits in 17 Ländern Europas

Bereits vor 10 Jahren haben die Versandapotheken an der Entwicklung des E-Rezepts – auch mit dem Fraunhofer Institut gearbeitet. Ziel ist es, die Verordnungen des Arztes als elektronisches Rezept auf die Gesundheitskarte zu speichern. Mit dieser könnte der Kunde in seiner Apotheke sein Medikament erhalten. Auch die Online Apotheken könnten auf diese papierlose Weise die Bestellung entgegen nehmen und ausführen. Der Weg zu rentablen Versandapotheken ist somit gegeben, wären da nicht die hohen Kosten im Umfeld des Geschäftes.

“Zur Rose” im Haifischbecken – trotz gutem Umsatzwachstum im 1. Semester 2018 immer noch im Verlustbereich

Das Unternehmen berichtete von einem Umsatzwachstums von 38 Prozent auf EUR 291,2 Mio. in Deutschland und in der Schweiz um 9,5 Prozent auf CHF 262,1 (EUR 230,0 Mio.). Zur Rose konnte den Gesamtumsatz um knapp 30 Prozent auf CHF 602,7 Mio. (EUR 533,0 Mio.) steigern. Expansion hat jedoch seinen Preis: Marketingkosten und Akquisitionen führten zu einem EBITDA von CF -8,7 Mio., bzw. einem leicht tieferen Nettoverlust von CHF -17,6 Mio. (CHF -18,1).

Ausblick der Versandapotheke Zur Rose und die Kardinalfrage nach dem Zeitpunkt des Break-even

Die grösste Versandapotheke Europas setzt auf ein organisches Wachstum unterstützt selektive Akquisitionen und die Weiterentwicklung digitaler Dienstleistungen. Wichtig auch das B2B-Wachstum im Ärztegeschäft. In dieser Sparte verzeichnete die Online-Apotheke eine Steigerung des Marktanteils auf fast 25 Prozent, während das Privatkundengeschäft (B2C) 12,6 Prozent gesteigert werden konnte. Vor allem im grössten, europäischen Markt für Arzneimittel, dem deutschen, möchte Zur Rose die Marktführerschaft übernehmen und ausbauen.

Die mittelfristigen Ziele (bis 2012) der Online Apotheke Zur Rose sehen eine EBITDA-Wachstum von 4 bis 5 Prozent, ein jährlich 15 bis 19 prozentiges, organisches  Verkaufswachstum in Deutschland (und in der Schweiz von ca. 5 Prozent) vor. Auflaufende Kosten im Hinblick auf die Expansionsstrategie des Unternehmens dürfte dazu führen, dass das Unternehmens die Gewinnschwelle erst 2020 erreichen wird.

Die Aktionäre, welche die Aktie vor einem Jahr, am 06. Juli 2017 zum Kurs von CHF 156.90 (EUR 139,00, heutiger Umrechnungskurs) mit einem Prämie zum Ausgabepreis von 12 Prozent erworben haben, hatten bisher keine Freude an der Aktie, verbuchten sie doch bis heute einen Verlust von 20,4 Prozent (in CHF). Zur Rose Aktien sind auch in Stuttgart gehandelt und notieren bei EUR 112,60 / EUR 113,20.

Text: Radovan Milanovic

Das könnte Sie auch interessieren: