Venezuela – Wirtschaftliche Konsequenzen, falls …

Symbolträchtiger als am 23. Januar konnte das Datum des Putschversuchs durch den abgesetzten Präsidenten des venezuelanischen Parlamentes, Juan Guaidó, kaum gewählt worden sein. Denn am 23. Januar 1958, also genau vor 61 Jahren wurde der damalige Diktator Marcos Pérez Jiménez gestürzt.

Investoren stehen Schlange, um in Venezuela investieren zu können

Venezuelas finanzielle Lage – schlimmer geht kaum noch

  • Ratings: Alle drei grossen Rating-Agenturen bewerten die Staats-Verbindlichkeiten Venezuelas (Sovereign Bonds) als „Junk“, konkret: Bond-Ratings durch Moody’s „C“ (zahlungsunfähig) S&P „B-„ (hoch spekulativ), Fitch „RD“ (zahlungsunfähig mit wenig Aussichten auf Erholung). Im Universum weist nur Mozambique eine ähnlich schlechte Bewertung auf
  • Default: Aufgrund der internationalen Wirtschaftssanktionen gegen das Land und der Annäherung im Handel an China und Russland, insbesondere bei den Ölexporten möchte Venezuela die Rechnungswährung vom USD zum Rubel (RUB) und den chinesischen Yuan (CNY) wechseln. Ein fragwürdiges Unterfangen, denn Venezuelas Auslandsschulden im Betrage von rund USD 50 Mrd. lauten in US-Währung. Bei einem Wegfall der USD-Einnahmen können weder Zins-, noch Kapitalrückzahlen mehr geleistet werden. Bereits im Dezember 2018 ist der Worst Case eingetreten: Die Einstellung der Zinszahlungen an die Gläubiger, weshalb der Default (Zahlungsunfähigkeit) über Venezuela verhängt worden ist
  • Der IBVC:IND (Caracas Stock Exchange Stock Market Index) konnte seit Jahresbeginn 2019, sicher auch in Anbetracht auf Hoffnung politischer Veränderungen an Terrain gewinnen. Offensichtlich preisen die Investoren bereits „bessere Zeiten“ in die Bewertungen der Marktkomponenten ein: Mit einem KGV von ca. 30 (2019e) und einem Preis-/Buch-Ratio von knapp 26 ist der Markt im aktuellen Umfeld zu hoch bewertet (Börse Caracas: http://www.bolsadecaracas.com/eng/)

Investoren stehen Schlange, um in Venezuela investieren zu können

Sollte ein Schlussstrich mit der Vergangenheit gezogen werden, dürfte sich der Tourismus wieder langsam zu einer rentablen Einkommensquelle entwickeln und Arbeitsplätze schaffen. Denn das Land bietet 2.800 km karibische Traumküste sowie riesige Gebiete unberührter (Urwald-)Natur. Die Verarmung der Bevölkerung könnte gestoppt werden, denn das Land besitzt am Orinoco die grössten Ölquellen der Welt. Erste Investoren haben die Chancen im Bergbaugeschäft erkannt und bereits Verträge in Milliardenhöhe mit der Regierung abgeschlossen. Davon im Investitionsumfang von USD 1,16 Mrd.: Venezuelas Carbozulia vereinbarte unter anderem mit dem viertgrössten chinesischen Kohlebergbau-Unternehmen Yuankuang Group. Die Aktien der Tochter, die Yanzhou Coal Mining Company Limited, sind an der NYSE (unter dem Kürzel YZC) sowie an der HongKong Stock Exchange (SEHK: 1171) und der Shanghai Stock Exchange (SSE: 600188) kotiert. Andere Investoren sind die in Kolumbien domizilierte und in Panama eingetragene Inter-American Coal sowie CAMC Engineering (China), deren Aktien in an der Börse von Shenzhen gehandelt werden (SHE: 002051).

Grössten Chancen einer Neuorientierung und somit Investitionsmöglichkeiten werden mittel-und langfristig folgenden Branchen eingeräumt: Banken, Bauwirtschaft, Bergbau, Hotelgruppen, Immobilien, Lebensmittel (Verarbeitung und Handel), Öl, Pharma, Tourismus.

Es gibt keine ETFs, welche ausschliesslich in Werte aus Venezuela investieren. Direktinvestitionen sind über ADRs möglich, welche in den USA kotiert sind. Bekannte und populäre Werte sind: Ceramico Carabobo SACA (COOY), Corimon CA (CRM), Fond de Valores Inmobiliarios SACA (FVI-B.CR), Manufacturas de Papel CA (CR) sowie Mercantil Servicios Financieros CA (MVZ-A.CR)

Text: Radovan Milanovic
Bild: pixabay, Creator: Public_Domain_Photography

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