US-Zinserhöhungen – Auswirkungen auf die Hauptwährungen

USD wird steigen – EUR, JPY, GBP und CHF fallen…

…im Verhältnis zur US-Währung. Zinserhöhungen bedeuten höhere Renditen im Dollar-Raum. Bekanntlich fliesst das Geld (der Investoren) dorthin wo die grössten Gewinne locken. “Smart Money” zieht’s in den USD. Mit dem Einläuten zinsloser Bankenguthaben, kombiniert mit immer tieferen Renditen auf Anleihen im EU-Raum und der Schweiz wurde das Währungsgespann EUR und CHF unattraktiv.

EUR/USD (Euro / US-Dollar) Währung

EUR/USD (Euro / US-Dollar) Währung Chart
Kursanbieter: FXCM

Zinserhöhung – Gift für die Aktienmärkte

Schön, wenn die amerikanische Notenbank mit Zinserhöhungen das Wachstum der Wirtschaft dämpfen möchte. Erhöhung der Zinsen treiben die Inflation, verteuern das Kapital (Kredite, Finanzierungen) und dämpfen die Gewinne von Unternehmen. In Aktien gemünzt: Die Gesellschaften müssen bereits für das laufende Geschäftsjahr ihre Gewinne reduzieren. Beteiligungspapiere – wie Aktien – werden an der Börse auf der Basis ihrer zukünftig erwartenden Gewinne gehandelt. Je höher der Fremdfinanzierungsgrad (Anteil des Fremdkapitals am Gesamtkapital), desto grösser das Korrekturpotential. “Smart Money” verabschiedet sich also schnellstmöglich von US-Aktienmärkten. Die Anleger realisieren ihre Gewinne. Bewertungskorrekturen in Kombination mit Gewinnrealisationen dürften einen merklichen Kursrutsch an den US-Börsen auslösen.

Zinserhöhung schwächen das reale Wachstum und setzen ein grosses Fragezeichen in Bezug auf das Hoffnungswachstum der Regierung Trump

Die Motive sind patriotisch und edel: Abbau des Handelsbilanzdefizits und Schaffung neuer Jobs im Inland. Inflationsbedingt werden in den USA die Lohnkosten (neben den Kapitalkosten) steigen. Höhere Produktionskosten verteuern die Produkte und hemmen Exportchancen. Mit der Ankurbelung der Binnenwirtschaft will die Regierung das BIP (Bruttoinlandprodukt) steigern. Denn das 2016 US-BIP betrug nur +1,6 Prozent (2015: +2,5 Prozent). Trotz der Revitalisierung der Binnenwirtschaft und der Erneuerung der Infrastruktur mit einem Volumen von USD 1 Billion soll das BIP-Wachstum für das laufende Jahr nur +0,9 Prozent betragen (aktuell +1,2 Prozent). Im EU-Raum dürfte einzig Italien einen gleich tiefen Wert aufweisen. Gesamthaft wird für die ein BIP-Wachstum von +1,7 Prozent, Deutschland +1,6 Prozent, Österreich +1,7 Prozent, (Schweiz +1,8 Prozent) erwartet.

Zinserhöhungen werden das US-Budget Defizit weiter vergrössern

Der Ausgabenüberschuss der US Zentralregierung lag im Steuerjahr 2017 (FY 2017) bei USD 585 Mrd. In der Folge erhöhten sich die Staatsschulden um USD 1,4 Billionen auf total USD 19,9 Billionen. Doch im FY 2017 profitierte auch der Staat vom tiefen Zinsniveau. Trotz Zunahme der Gesamtverschuldung fielen die Zinskosten (USD 285 Mrd.).

Was für Private und die Wirtschaft gilt, hat auch für die Regierung Gültigkeit: Höhere Zinsen bedeuten höhere Kapitalkosten. Unter Annahme unveränderter Rahmenbedingungen lässt die Zinserhöhung von 0,25 Prozent die Staatsverschuldung um weitere USD  20 bis 30 Mrd. steigen. Analysten erwarten, dass US-Notenbankerin Yellen auch im Herbst 0,25 Prozent an der Zinsschraube drehen wird. Mit der höheren Staatsverschuldung steigt auch das Schuldnerrisiko. Somit werden die Investoren für ihr Kapital eine höhere Risikoprämie fordern.

Text: Radovan Milanovic

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