US-Strafzölle auf Stahlimporte – Eigentor in Sicht

Trotz Fokussierung auf die heimische Wirtschaft steigt das Handelsbilanzdefizit weiter

Es ist unbestritten, dass das US-Handelsbilanzdefizit viel zu hoch ist. Das U.S. Bureau of Economic Analysis berichtet von einem Handelsbilanzdefizit von USD 53,1 Mrd. im Dezember 2017 (+2,7 Mrd. zum Vormonat); USD 203,4 Mrd. Exporten standen USD 256,5 Mrd. Importen gegenüber. Für das Gesamtjahr 2017 wurde ein Defizit von USD -566,0 Mrd. ausgewiesen. Trotz der Visualiserung einer starken Binnenwirtschaft durch die neue Regierung wuchs das Handelsbilanzdefizit auf Rekordhöhe. Im vergangenen Jahr importierte der weltweit grösster Stahlimporteur, die USA, Stahl für über USD 29,0 Mrd. 19 Prozent kamen vom nördlichen Nachbarn (88 Prozent der Gesamtproduktion Kanadas), 11 Prozent aus Südkorea und erst an fünfter Stelle mit “nur” 7 Prozent folgt China. Die EU Kommission beziffert die aus der EU in die USA exportierte Menge an Stahl (in 2017) auf 5 Mio. metrischen Tonnen (mt). Verglichen mit den gesamten US-Importen von 28 Mio. mt sind dies 18 Prozent oder 11 Prozent der EU Produktion. Diese wiederum beträgt 10 Prozent der gesamten Weltproduktion von 1,7 Mrd. mt.

Die Strafzölle werden die Wirtschaft ausbremsen

Unbestritten ist auch, dass exportorientierte Länder wie Indien, China, aber auch die EU mittels Subventionen und Steuervorteilen ihre Exportindustrie unter die Arme greifen. Mit der Bestrafung der Importeure durch Strafzölle auf “Rohmaterialien”, welche die US-Wirtschaft mittels Veredelung einen Mehrwert (Wertschöpfung schafft, wird das Problem nicht gelöst. Und hier liegt das Problem. Mittels Verlagerung von Produktionsstätten in Billiglohnländer entstand in den USA, vor allem in der Produktions- und Schwerindustrie, ein Strukturproblem. So erstaunt nicht, dass der Dienstleistungssektor immer wichtiger wurde. Zwischen 2015 und 2017 lagen die Exporte und Dienstleistungen zwischen 33,3 und 34,1 Prozent der Gesamtexporte.

Findet nun – mit Verzögerung – eine Teil-Repatriierung amerikanischer Produktionsstätten aus Steuergründen statt, werden diese mit höheren Rohstoffkosten konfrontiert. An den Handelshemmnissen besonders betroffen ist die stahlintensive Autoindustrie, welche mit höheren Aluminium- und Stahlkosten rechnen muss, was sich auf die Endpreise ihrer Fahrzeuge auswirkt. Der Branche drohen neben hohen Technologie-Investitionen zusätzlich Probleme mit der Lieferkette von Produktionsteilen. Denn die US-Stahlindustrie wird kurzfristig kaum in der Lage sein, die benötigten Kapazitäten hochzufahren.

Amerikanische Stahlkocher (kurzfristig) in

  • Nucor Corp. (USA): Tagesperformance (02. März 2018) +0,5 Prozent
  • US Steel (USA), -1,4 Prozent
  • AKS (USA), +0,5 Prozent
  • Posco (Süd Korea), -3,6 Prozent
  • ArcelorMittal (LUX), -3,7 Prozent
  • ThyssenKrupp (D), -2,1 Prozent

Text: Radovan Milanovic
Quelle: census.gov

Das könnte Sie auch interessieren: