US-Steuerreform setzt den Börsentrend in der zweiten Dezemberhälfte

Steuerreform in den USA, das zentrale Thema in der kommenden Woche

Nach zähen Verhandlungen und vielen Kompromissen stehen die Aussichten gut, dass – zumindest – bis Weihnachten die positive Börsenstimmung anhält. Denn die Steuerreform der Regierung Trump  in den USA, deren Beschluss durch Abgeordnetenhaus und Senat noch vor Weihnachten gesichert sein dürfte, sollte für einen weiteren Börsenschub sorgen. Steuersenkungen von gesamthaft fast USD 1,5 Bio. sollten ohne Zweifel ein Garant für steigende Aktienmärkte sein.

Kernpunkte der Steuerreform – beste Voraussetzungen für die Börsen

  • Gesellschaften: Mit der Senkung der Ertragssteuern von 35 auf 21 Prozent, dem tiefsten Stand seit 1939, steigen die Nettogewinne (EAT). Daneben sieht das Gesetz vor, dass Zinsbelastungen durch Kredite oder Anleihen maximal 30 Prozent der Einkommen auf der Basis EBTD (Gewinn vor Steuern und Abschreibungen) verrechnet werden können (stärkt die Bilanzen). Die künftig erheblich tieferen Aktien-Bewertungen sollten einen Kursschub bewirken. Denn sie sind wichtige Entscheidungskriterien für Investoren. Zu ihnen gehören Bewertungs-Ratios wie das KGV (Kurs /Gewinn), das PEG (Preis-/Gewinnwachstum) oder das KCV (Kurs/Cashflow). Tiefere Gesamtkosten fördern das Wachstum und die Konkurrenzfähigkeit des Unternehmens, was wiederum dem Staat langfristig höhere Abgaben bescheren wird
  • Private: Die meisten privaten Steuerpflichtigen können ebenfalls von den geringeren Steuerlast profitieren. Kritikpunkt grösserer Bevölkerungsschichten ist, dass vor allem die obere Mittelschicht und reiche Amerikaner unter den unter den Profiteuren sein werden. Diese dürften denn auch Teile der ersparten Steuern mittels Konsumausgaben in Umlauf bringen und für weiteres Wachstum sorgen

Kritikpunkte der Steuerreform sind bekannt

Das kometenhafte Ansteigen des Haushaltsdefizits stand bereits früher im Raum und scheint (fast) niemanden mehr zu beeindrucken. Doch die jetzigen Prognosen von USD 1,5 Bio. (vorgängig war von USD 1,0 Bio. die Rede) erschreckt Aussenstehende. Die Befürworter der Steuerreform entgegnen, dass das Wirtschaftswachstum die Mindereinnahmen zum grossen Teil fast oder mehr als wettmachen werden.

Der höchste Steuertarif für Private wird von 39,6 auf 37,0 Prozent gesenkt. Die Mindeststeuer bis zu einem Einkommen von USD 9,525 für Single (USD 19,050 für Verheiratete) bleibt bei 10 Prozent. Je nach Steuerklasse betragen die Steuerreduktionen für den Einzelnen jedoch nur 1 bis 4 Prozent. Sie profitieren jedoch von höheren Abzugsmöglichkeiten der Kopfpauschale sowie für medizinische Ausgaben.

Anderseits müssen wegen der Abschaffung von Obamacare rund 13 Mio. Amerikaner ohne Krankenversicherung selbst für medizinische Kosten aufkommen. Der Wegfall der staatlichen Subventionen von USD 338 Mrd. für die Gesundheitsversorgung dürfte zu einem Kostenanstieg für die medizinische Versorgung führen, da Bedürftigen die Mittel für ihre Gesundheitsvorsorge fehlen.

Text: Radovan Milanovic

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