Ungleiche Vermögensverteilung privater Haushalte setzt sich in Deutschland fort

Ungleiche Vermögensverteilung privater Haushalte setzt sich in Deutschland fortIm April veröffentlichte die Deutsche Bundesbank die Ergebnisse der Vermögensbefragung 2017 privater Haushalte um sich ein Bild über die  Vermögensverteilung zu machen. Demnach verfügte jeder Haushalt netto, also nach Abzug der Verbindlichkeiten, ein Vermögen von EUR 232.800. Seit 2014, der letzten Erhebung nahm das Vermögen um EUR 18.300 zu (+8,5 Prozent oder 2,76 Prozent p.a.).

Analysierung der ungleichen Vermögensverteilung

Sie reiben sich die Augen und glauben den Zahlen kaum? Der Bericht der Bundesbank bestätigt die Tatsache, dass die Vermögen in Deutschland sehr ungleich verteilt sind. Denn 10 Prozent der reichsten privaten Haushalte besassen in 2017 mindestens EUR 555.400, was rund 55 Prozent des Gesamtvermögens entspricht. Die untere Hälfte der privaten Haushalte konnte nur 3 Prozent der Vermögen als ihr  eigen nennen und besassen demnach maximal EUR 1.200. Der Grad der Ungleichverteilung (Gini-Koeffizient) lag 2017 in Deutschland mit 74 Prozent höher als der Durchschnitt des gesamten Euroraums mit 68,5 Prozent (in 2014). In Italien lag der Gini-Koeffizient bei 61,6 Prozent (2016) und in Österreich bei 73 Prozent (2017). Nicht überraschend lag dieser Wert in den USA mit 86 Prozent noch höher (2016).

Der Medianwert der Vermögen betrug EUR 70.800, verglichen mit EUR 60.400 in 2014 (+17,2 Prozent, +5,4 Prozent p.a.). Die Hälfte der privaten Haushalte besass demnach ein tieferes und die andere Hälfte ein höheres Vermögen als den Medianwert.

Vermögensgefälle zwischen Ost und West

Wegen geringerer finanzieller Möglichkeiten im Osten, waren weniger Menschen in der Lage, Wohneigentum erwerben. Je flächendeckender die Bürger Wohneigentum besitzen, desto mehr konnten diese von den steigenden Immobilienpreisen profitieren. Beim Vermögensaufbau spielt jedoch auch die Zusammensetzung der Referenzpersonen der Haushalte eine wichtige Rolle. Während die Altersgruppe zwischen 16 und 24 Jahren das geringste Nettovermögen aufweist, ersparen sich Personen der folgenden Lebenszeit bis zum Rentenalter Kapital an. Unterschiede ergeben sich auch durch den individuellen Familienstand: Alleinerziehende weisen deutlich geringere Vermögen auf, als Paarhaushalte. So besass die Hälfte der Alleinerziehenden in 2017 weniger als EUR 3.900 Nettovermögen.

Immobilienpreis-Entwicklung in 2018 förderte die ungleiche Vermögensverteilung

Während die Immobilienpreise auch in 2018 im Westen unaufhaltsam anstiegen und der Ost-Immo-Markt im vergangenen Jahr richtig entdeckt wurde und rasante Preissteigerungen aufwies, hat das Durchschnittsvermögen privater Haushalte mit Immobilienbesitz weiter zugenommen und das Ungleichgewicht weiter verstärkt. Da die Aktionärsquote in Deutschland mit ca. 7 bis 8 Prozent immer noch sehr tief liegt und vor allem durch Haushalte im oberen Vermögens-Median vertreten ist, dürften die schwächeren Aktienmärkte – im Gegensatz zu der Entwicklung am Immobilienmarkt – kaum Einfluss auf die Höhe des Gini-Koeffizienten für 2018 gehabt haben.

Verschuldete Haushalte profitierten von den tiefen Zinsen

Die Bundesbank bezog sich in der Studie auch auf das Thema „verschuldete Haushalte“ und stellte fest, dass rund 45 Prozent der privaten Haushalte „irgendwelche Verbindlichkeiten“ aufwiesen. Da sich in der Periode 2010 bis 2017 kaum diesbezügliche Veränderungen im Verhalten der Haushalte zeigten, dürfte sich wegen der bevorstehenden Zinswende die Situation jedoch verschlechtern.

Text: Radovan Milanovic

Hinterlassen Sie einen Kommentar:

Das könnte Sie auch interessieren: