Uber IPO Timing, ein Desaster – Lyft-Aktien unter starkem Druck

Im Umfeld des IPO von Uber Technologies Inc. (UBER) wird klar, dass sowohl Uber-, als auch Lyft Inc. (LYFT)-Fahrgäste mit höheren Fahrtkosten rechnen müssen. Vorausgegangen sind Arbeitsniederlegungen von Fahrern, welche im Namen dieser Gesellschaften Gäste befördern. Rund um den Globus, so in Grossbritannien, Australien, Südamerika sowie in den meisten US-Städten streikten und protestierten am vergangenen Mittwoch viele Fahrer. Sie präsentierten einen ganzen Katalog von Forderungen. So eine bessere Behandlung durch das Management sowie fairere Arbeitsbedingungen.

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Arbeitskonflikt – höhere Fahrtkosten – Geschäftsmodelle von Uber und Lyft in Gefahr

Konkret sehen die Forderungen der Riedeshare Fahrer für den Grossraum New York vor:

• Limitierung der abzuliefernden Kommission bei 10 Prozent der  Erträge

• Minimalvergütung pro Stunde im Rahmen der New Yorker Taxi Fahrer, welche nach Abzug von fälligen Steuern, Abgaben und Kosten der eigenen Fahrzeuge von USD 15,00 (USD 27,86 brutto) betragen soll. Bei dieser Vergütung käme ein Uber-Fahrer auf einen Durchschnittsverdient pro Jahr von USD 9.600

• Vergütung für Leerfahrten bei der Rückfahrt von Kundenaufträgen

• Arbeitnehmervertretung mit Sitz in der Geschäftsleitung bei Uber und Lyft

Es muss davon ausgegangen werden, dass die Forderungen der New Yorker Fahrer und die abgerungenen Konzessionen der beiden Geschäftsleitungen Signalwirkung für andere Standorte dieser Unternehmen haben werden. Steigen die Vergütungen der Fahrer, verwässern UBER und Lyft ihre Wettbewerbsvorteile hinsichtlich tieferer Fahrtarife im Vergleich zu lizenzierten Taxi-Unternehmern /-Fahrern.

Dunkle Wolken über dem Geschäftsmodell von Uber und Lyft

Uber und Lyft sind von Fahrern abhängig. Das Geschäftsmodell Peer-to-Peer Ridesharing basiert auf der Idee der Gewinnmaximierung für die Kapitalgeber (Aktionäre) bei minimalen Fixkosten und tief kalkulierten variablen Kosten (der Fahrervergütung) sowie konkurrenzlose Preise der Dienstleistungen für die Kunden. Eine Gleichung, welche nicht aufgeht. Denn beim Auspressen der Zitrone bleibt den Fahrern nach Abzug ihrer Kosten wie Abschreibungen und Unterhaltskosten der benützten Fahrzeuge sowie ihre laufenden Ausgaben wie Benzin, Abgaben und Steuern, kaum ein fairer Stundenlohn, geschweige denn ein Minimallohn übrig. Unzufriedene Mitarbeiter führen zum Nachlassen der Qualität ihrer Dienstleistungen. Dies wiederum kann den Verlust von Stammkunden zur Folge haben. Uber investiert viel Geld in selbstfahrende Fahrzeuge. Bei autonom fahrende Taxis würden dann auch die Kosten der “lästigen und fordernden Fahrer” wegfallen…

IPO Timing von Uber, ein Desaster

Aktienplatzierungen an den Börsen bedingen eine lange Vorbereitungszeit und ein ideales Börsenumfeld, um ein optimales Ergebnis (möglichst hoher Platzierungsertrag) zu erreichen. Seit Ende April 2019 bröckelt die Mehrheit der US Tech-Werte: Kursrückgang des Nasdaq seit 26. April -3,1 Prozent auf 7.916,94 (S&P 500 -2.0 Prozent im gleichen Zeitraum). Die Kursbewegungen der vergangenen Tage deuteen auf eine Neubewertung von New Economy Aktien hin, welche sich auf realistischere, zukünftige Erfolgs- und Gewinnerwartungen beziehen.

Die Probleme mit den Fahrern beider Ridesharing Unternehmen und ihre finanziellen Forderungen dürften dafür sorgen, dass die erhofften Erfolgserwartungen erheblich nach unten korrigiert werden müssen. Für Lyft bedeuten die neuesten Ereignisse, dass ihr Break-even erst „in ferner Zukunft“ erreicht werden dürfte. Oder aber, dass Lyft kaum je Gewinne einfahren wird.

Den ersten Handelstag schlossen Uber-Aktien bei USD 41,57 (-7,62 Prozent unter dem Ausgabekurs), was nur noch einer Marktkapitalisierung von USD 76,07 Mrd. entspricht. Noch im vergangenen Jahr erhofften sich die Kapitalgeber bis zu USD 120 Mrd. einzusammeln zu können. Da der erwartete Gewinn für 2019 eine grosse Portion Optimismus enthält, dürfte sich ein geschätztes KGV 2019 in einer Spanne von 45 bis 80 kaum als realistisch erweisen. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass die Uber-Aktie zusätzliches Rückschlagspotenzial aufweist.

Die negative Presse beeinflusste auch die Performance von Lyft-Aktien, welche im Tagesverlauf -5,1 Prozent auf USD 51,09 nachgaben. Seit der ersten Notierung am 29. März 2019 verloren die Papiere -61,4 Prozent.

Text: Radovan Milanovic

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