Türkei-Krise erreicht deutsche Banken

Auslandsschulden der Türkei steigen weiter an

Die Auslandsschulden der Türkei betrugen gemäss türkischem Schatzamt (https://www.treasury.gov.tr/) Ende 2017 USD 453,2 Mrd. oder 53 Prozent des BIP. Davon waren USD 13,8 Mrd., also nur 3,1 Prozent (USD 13,8 Mrd.) durch die Notenbank verbürgt. In den ersten sechs Monaten 2018 sind zusätzlich drei neue Verbindlichkeiten eingegangen worden:

  • USD 2 Mrd. 5,125 Prozent Türkei 2018-17.02.2028 (Verzinsung UST + 266,7 BP)
  • USD 2 Mrd. 6,125 Prozent Türkei 2018-24.10.2028 (Verzinsung USD + 336,8 BP)
  • Bosporus Tunnel Tranche B/B, finanziert durch die EIB (Europäische Investitionsbank) von EUR 150 Mio. / USD 182,895 (Doppelwährungsanleihe?)

Aufgrund dieser drei neuer Anleihen erhöhte sich die Duration der Verbindlichkeiten in ausländischen Währungen seit Ende 2017 von 79,0 auf 80,9 (gut für die Türkei, schlecht für die Investoren). 10-jährige türkische Staatsanleihen in USD weisen bereits eine Verzinsung von 20,67 Prozent (Jahresbeginn 11,43 Prozent) auf, was das hohe Investitionsrisiko hinweist. Die drei grossen Ratingagenturen bewerten die Auslandsbonität der Türkei ähnlich. Nämlich Fitch mit BB (negativer Ausblick), Moody’s mit Ba2 (unter Beobachtung) und S&P mit BB- (im Mai noch mit “stabil”).


Im seoben erschienenen Monatsbericht der türkischen Notenbank (Juli 2018) stellt das Schatzaamt fest, wenn immer möglich, nur noch Neuverschuldungen in türkischer Lira (TRY) einzugehen. Denn per Ende Juni 2018 betrugen die ausländischen Verbindlichkeiten zu 85,45 Prozent in USD (Kursrückgang der TRY seit Jahresbeginn -69,5 Prozent), 12,2 Prozent in EUR (-61,2 Prozent) und 2,2 Prozent in JPY (-41,0 Prozent). Die Zinslast der Regierung zur Bedienung der Fremdwährungsverpflichtungen – ausgedrückt in TRY – ist objektiverweise kaum mehr aufzubringen. Im Namen von Schuldner und Gläubigern ist deshalb zu hoffen, dass die Währungsrisiken mittels Währungs-Swaps abgesichert worden sind.

Mittelfristige Wachstumsprognosen können nicht erfüllt werden

Das türkische Schatzministerium ging im Dezember 2017 von folgenden Prognosen der Jahre 2018, 2019 und 2020 aus:

  • BSP (GDP) Wachstum 5,5 Prozent der gesamten Prognoseperiode
  • Inflation (CPI): 7,0 / 6,0 / 5,0 Prozent
  • Aussenhandelsdefizit in LIT: 4,3 / 4,1 / 3,9 Prozent
  • Budgetdefizit: 1,9 / 1,9 / 1,6 Prozent
  • Verschuldungswachstum der öffentlichen Hand 2,1 / 1,9 / 1,3 Prozent

In Anbetracht der neusten Entwicklung können diese Prognose des türkischen Schatzamtes vergessen werden: Das BIP-Wachstum betrug im 1. Quartal 2018 7,4 Prozent (yoy, saisonal adjustiert jedoch nur 2,0 Prozent). Die Juli-Inflation betrug 15,9 Prozent.

Halten deutsche Banken “nur” USD 21 Mrd. türkische Guthaben in ihren Büchern?

Falls die Angaben der Bundesbank stimmen… Auf Anfragen durch den Finanzinformationsdienst Reuters wollte sich “die meisten Banken”, als auch die Finanzaufsicht Bafin “nicht äussern.” Solche Reaktionen lassen darauf schliessen, dass erst die nächsten Tage Klarheit zum Thema schaffen werden.

Im Bankgeschäft ist zwischen Kreditfazilitäten und Anlagen (Eigenpositionen) aus Renditegründen zu unterscheiden. Die Gewährung von Kreditaufnahmen durch Bankkunden dürften kaum in Weichwährungen wie der TRY gewährt werden, sondern in USD oder EUR laufen. Ein Wertverlust der Heimwährung verteuert die Kreditkosten und schlägt auf die Bonität des Schuldners und diese wiederum auf das Kreditrisiko des Gläubigers. Bei Anlagen in Fremdwährungen reizt eine mögliche Zinsdifferenz zwischen Anlage- und Heimwährung, auch im Falle einer Absicherung der Währungsrisiken mittels Swap. Doch auch ein Swap-Geber steht und fällt mit seiner Bonität.

Die türkische Regierung gibt das Handelsvolumen in 2017 mit USD 36,4 Mrd. (+ 3,1 Prozent) bei Importen (in die Türkei) von USD 21,3 Mrd. und Exporten (nach Deutschland) von USD 15,1 Mrd. an und führt Direktinvestitionen deutscher Unternehmen von USD 9,15 Mrd. und türkischen im Betrage von USD 2.26 Mrd. im Zeitraum. von 2002 bis 2017 auf. Das deutsch-türkische Geschäftsvolumen in Deutschland wird für 2017 mit rund EUR 52,0 Mrd. beziffert.

Text: Radovan Milanovic
Bild: pixabay, Creaaetor: egsavethedate

Das könnte Sie auch interessieren:

Mehr in News, Wirtschaft
Tesla’s Going Private, Elon Musk’s neuer Coup?

Going Private, why not? Auf einen Schlag wäre Elon Musk seine ungeliebten Aktienanalysten und Journalisten los, denn mit einer Dekotierung...

Schließen