Tesla’s Going Private, Elon Musk’s neuer Coup?

Going Private, why not?

Auf einen Schlag wäre Elon Musk seine ungeliebten Aktienanalysten und Journalisten los, denn mit einer Dekotierung der Tesla-Aktien müsste das Unternehmen nicht mehr um die Anleger buhlen. Vorbei wäre das (mühsame und) “nervige”  Reporting der Quartalszahlen und die immer wiederkehrende gebetsmühlenartige Frage wann Tesla endlich den Break-even erreichen würde. Vorbei auch die Angst, dass jedes Wort von Elon Tusk auf die Goldschale geworfen wird und Probleme der Produktion der Fahrzeuge oder technische Defekte der Autos zu existenzbedrohenden Problemen hochstilisiert werden. Auch die FUD (Fears, Uncertainties, Doubts) bedingten Zitterpartien der Aktienkurse wären passé. TSLA-Aktien wären nicht mehr Spekulations-, sondern Anlagewerte. Mit einer Dekotierung der Aktie an der Nasdaq müsste das Unternehmen seine Gewinn- und Verlustrechnung, Änderungen der Besitz- und Vermögensverhältnisse… nicht mehr öffentlich publizieren. Der eAuto Hersteller könnte sich endlich mit sich selbst beschäftigen und nicht Energie für die Verteidigung externer Angriffe verpuffen. Ein Going Private würde jedoch auch ein Ende der One Man Show von Elon Musk bedeuten, denn die Mitinhaber würden sich kaum mit der Rolle als passive Teilhaber zufrieden geben, während täglich Millionen Dollars verbraten werden.

Risikoinvestoren mit grossem Kapitalpolster sind gefragt…

Bei Übernahmen von Gesellschaften wird die Akzeptanz der Altaktionäre in der Regel mit Prämien um 20 Prozent über den letzten Aktienpreisesen versüsst. Ausgehend von einem Aktienkurs um USD 350,00 (Schlusskurs am Donnerstag USD 342,45 bei einem Tagesverlust von USD -17,89) würde sich auf Aufschlag von USD 70,00 berechnen, was zu einer Marktkapitalisierung von USD 75,8 Mrd. führen würde. Diese Annahmen sind von Elon Musk bestätigt worden. Doch wäre ein Investor bereit, für TSLA eine rund 43 Prozent höhere Bewertung als General Motors (GM, Marktkapitalisierung USD 53,1 Mrd.) zu akzeptieren?

Elon Musk hält 20 Prozent am Unternehmen; insgesamt befinden sich 62,04 Prozent der Aktien in institutionellen Händen. Der Free-Float Anteil der Tesla-Aktien wird also erheblich überschätzt.

Die Rating Agentur Moody’s reagierte bereits auf die Ankündigung TSLA’s auf ein allfälliges Going Private und würde die Anleihequalität noch weiter zurückstufen. Die Gesellschaft hat Anleihen im Betrage von USD 4,778 Mrd. ausstehend. Mindestens die ungesicherte und nachrangige 5,3 Prozent Anleihe USD 1,8 Mrd. mit Fälligkeit 15.08.2025 enthält die Klausel, dass bei einem Downgrading der Anleihe durch Moody’s und S&P aufgrund einer Änderung der Besitzverhältnisse der Gesamtbetrag der Anleihe fällig wird (aktueller Kurs 91,10, Rendite auf Verfall 7,17 Prozent).

Dell machte es bereits 2013 vor…

Mit einem Aufschlag von 25 Prozent auf dem Börsenkurs von USD 10,88 wagte der Gründer Michael Dell das Going Private für seine eigene Gesellschaft für USD 13,65 pro Aktie (Gesamtwert der Transaktion USD) um wieder eigener Herr in “seinem Unternehmen zu werden” und schaffte sich einen Präzedenzfall.

Text: Radovan Milanovic
Bild: pixabay, Creator: Blomst

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