Tesla mit neuen Kopfschmerzen

2018, Tesla’s Schicksalsjahr

2018 wird Tesla’s Schicksalsjahr. Begonnen mit enttäuschenden Resultaten, Produktions- und Lieferverzögerungen der Modelle 3, gefolgt vom denkwürdigen Analysten Call vom 03. Mai 2018, an dem er die Analysten bloss stellte und verärgerte. Ihre flächendeckende Antwort war eine noch kritischere Berichterstattung über das Unternehmen, was dazu führte dass sich kaum mehr Anleger für die Aktien interessieren. Aber auch TSLA-Käufer wurden verärgert: Die lange Wartezeit vom Zeitpunkt der Reservierung bis zur Auslieferung führte zu einer Stornowelle reservierter Fahrzeuge. Interessenten mussten für die Reservierung des Modells 3 ein Depot von USD 1.000 leisten. Im Juni forderte der Autobauer eine Erhöhung dieser Vorauszahlung auf USD 2.500

Tesla’s Autofabrik in China

Am 10. Juli 2018 wurde bekannt, dass Elon Musk mit der Regierung von Shanghai einen Vorvertrag zur Erstellung einer Tesla Produktionsstätte mit einer Kapazität von 500.000 Fahrzeugen unterzeichnet hat. Mit diesem Schritt will sich Tesla gegen chinesische Handelssanktionen wappnen. Damit hat er sich jeglichen politischen Goodwill – wie Falle von Harley Davidson – aus Washington verscherzt.

China’s NIO – Tesla’s direkter Konkurrent mit gefüllten Kassen

NIO erhielt in 2017 eine Kapitalspritze von insgesamt USD 1,6 Mrd. durch chinesische Unternehmen: USD 600 Mio. durch Baidu, dem Gegenpart von Google, und USD 1,0 Mrd. durch das Internetkonglomerat Tencent. Die Strategie  von Tencent ist für Aussenstehende nicht klar, denn im März 2017 erwarb das Unternehmen mit einer Investition von USD 1,78 Mrd. 5 Prozent am Kapital von TSLA.

Ende Mai wurde bekannt, das NIO um eine Kotierung ihrer Aktien in den USA ersucht. Das Bankenkonsortium, welche die Aktienplatzierung von NIO organisiert, geht davon aus, dass das IPO dem Unternehmen rund 2 Mr. an zusätzlicher Liquidität bringen wird.

NIO plant den europäischen und US-Markt in 2020 zu beliefern

Vorerst plant NIO mit seinem eSUV ES8 die beiden Märkte zu testen um dann auch andere Modelle zu präsentieren. Vorerst soll der NIO ES8 zu einem Preis von unter USD 70,000 angeboten werden. Das vergleichbare Modell von Tesla, das Modell X 75D, kostet in der Grundausstattung USD 88.700, mit vergleichbarer Ausstattung, Zöllen und Gebühren in China um USD 100.000.

Tesla mit Liquiditätsproblemen?

  • Ende März 2018 berichtete der angesehene US-Finanzinformationsdienst Bloomberg vom “freien Fall” der Tesla-Anleihen
  • In einem Schreiben soll TSLA diese Woche von seinen Zulieferern der vergangenen zwei Jahre, nachträglich Rabatte fordern. Die Folge: Credit Swap Rates, welche das Risiko eines Defaults (Zahlungsausfall) von Tesla-Bond abdecken, schossen in die Höhe. Sie bewegen sich bereits um 6 Prozent des Nominalwertes der Anleihen
  • Tesla-Bonds, welche an der Stuttgarter Börse gehandelt werden, dürften in den kommenden Tagen weiter unter Druck kommen. Die beiden EUR-Anleihen 5 3/8 Prozent 2017/14.08.2025 sind diese Woche um 1 Basispunkt, auf 89,35 / 90,23 Prozent gefallen und weisen bereits eine Rendite von 7,27 Prozent auf Verfall auf
  • Ein weiteres Downgrading der Bonität von Tesla ist im Hinblick auf die Akkumulierung negativer Meldungen nur noch eine Frage der Zeit. Die Rating-Agentur Moody’s hat die Verbindlichkeiten von Tesla bereits im März 2018 von B2 auf B3 zurückgestuft und zugleich die Aussichten von “neutral” auf “negativ” korrigiert. Die Einstufung von B3 entspricht einer “hoch spekulativen” Anlage. B3-Ratings weisen Schuldner wie Angola, Belize, Weissrussland,… auf. Eine künftige Rückstufung dürfte die Finanzaufwendungen der Verpflichtungen des US-Autobauers weiter in die Höhe treiben

Text: Radovan Milanovic

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