Tesla Aktien, Liebhaber- oder Elon Musk Fan-Aktie?

Trotz den Kurseinbrüchen fragt sich der objektive Betrachter, wieso der Tesla (TSLA)-Aktienpreis noch nicht gegen Null tendiert. Elon Musk gab Mitte Februar 2018 bekannt, seit der Produktionsaufnahme insgesamt (erst) 286.518 eFahrzeuge verkauft zu haben (212.821 Model S, 71.927 Model X und 1.770 Model 3). Schätzungen zufolge werden zur Zeit wöchentlich rund 1.060 Teslas produziert. Ebenfalls im Februar meldete Nissan, bereits 300.000 (Leaf-) Elektro-Autos zu Durchschnittspreisen um USD 25.000 ausgeliefert zu haben. Und VW plant in Zwickau eine eCar Produktion von 1.500 pro Woche.  

Tesla-Fakten im März 2018

  • Der kurze Hype um den Energiespeicher der Zukunft im Mobilitätsbereich, der Lithium-Ionen Batterien, ist vorbei. Nachdem die meisten europäischen Autohersteller ihre e-Fahrzeuge auf der Basis von TSLA’s Lithium-Ionen Batterien ausgerichtet haben, weist immer darauf hin, dass diese Art von Batterien bereits vor der flächendeckenden Verbreitung keine Zukunft haben. Japanische und teilweise französische Hersteller setzen auf Festzellen-Batterien (günstiger Preis, kurze Ladezeit, grosse Speicherkapazität, erhebliche Reichweite der Fahrzeuge)
  • Wie bekannt, hat ein Uber-Unfall mit deinem selbstfahrenden Auto (n. b. ein Volvo) in Tempe, Arizona trotz einer Begleitperson am Steuer zu einem Toten geführt. Dieser Unfall ist wirklich bad news für Tesla und seine Zukunftspläne. Sogar die in technischen Belangen liberal ausgerichteten US-Gesetzgeber fordern jetzt weitere Sicherheitsbedingungen vor der Freigabe der Strassen für automatisierte Autos. Ein herber Rückschlag für Tesla. Nachdem Elon Musk Präsident Trump’s Business Advisory Council im Juni 2017 mit der Begründung “…you quit Paris, so I quit you…”, verlassen hatte, kann er von Washinghton keine Hilfe erwarten
  • Wegen erheblicher Produktionsrückgänge des “Models 3”, dem grossen Free Cash Flow Defizit sowie der kommenden Fälligkeiten von Wandelanleihen im November 2018 und März 2019 von USD 230, bzw. 920 Mio. erwartet die Rating-Agenur Moody’s einen erheblichen Finanzierungsbedarf zur Vermeidung eines Liquiditätsengpasses. Moody’s reduzierte TSLA’s Bonität von B3 auf B2, also eine Stufe vor der “Junk”-Kategorie. Dieses Downgrading allein wird TSLA 20 bis 40 BP zusätzliche Refinanzierungskosten beider Fälligkeiten aufbürden. Dazu kommen noch die Mehrkosten anstehender Zinserhöhungen am Markt. Mit der Rückstufung der beiden Anleihen dürften auch die übrigen Verbindlichkeiten durch die Ratingagenturen neu bewertet werden. Grundsätzlich muss TSLA mit empfindlich höheren Fremdkapitalkosten rechnen
  • Wegen rostender Schrauben an der Servolenkung – ein besonders sicherheitsrelevanter Teil der Fahrzeuge – ruft (TSLA) 123.000 Modelle S(edan) zurück. Der Barzahlpreis der günstigsten Variante und das meistverkaufte Modell, “nach Steuervergünstigungen” beträgt stolze EUR 69.999 (in Österreich EUR 86.180 und in der Schweiz CHF 80.190). Der Schaden des Schraubenproduzenten, Robert Bosch GmbH, dürfte durch seine Haftpflichtversicherung abgedeckt sein. Obwohl TSLA kein finanzieller Schaden entstehen wird, bleibt ein Reputationsschaden; rostanfällige Schrauben an einem knapp EUR 70.000 teueren Auto

Tesla Aktie 1-jahres Chart in EUR

Tesla Aktie Chart
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Offene Fragen um Tesla

  • Neben VW, Nissan, Toyota …werden auch französische Autohersteller zu Massenherstellern von e-Autos. Den Pionier- und Exklusivitätsbonus, welche Tesla-Käufer zu zahlen bereit waren, dürfte sich in Bälde nicht mehr rechtfertigen. Die hohe Kostenstruktur – auch bedingt durch die signifikante Verschuldung – lässt TSLA kaum Spielraum für Preissenkungen offen
  • VW’s Batterie-Nachfragepotenzial von EUR 20,0 Mrd. für den Bau von 3,0 Mio. e-Fahrzeugen bis 2025 mit Baterien von Samsung SDI Co, LG Chem Ltd. und Contemprary Amperex Tech. Ltd. dürfte ein wahrer Schock für TSLA gewesen sein, welche die Autoindustrie weltweit mit den Li-Ionen Batterien seiner Mega-Factories beliefern wollte. Diese Entscheidung zeigt mögliche, kommende Probleme der Amerikaner. Autofahrer werden die Wahl zwischen Fahrzeugen mit Li-Ionen oder Festzellen-Batterien haben. Welche Wahl die Mehrzahl der Autofahrer wohl treffen wird?
  • Falls Tesla die hohen Refinanzierungskosten bei der Ablösung fälliger Anleihen scheut, statt dessen das Aktienkapital weiter erhöht und Aktien am Markt platziert, werden TSLA-Aktien weiter verwässert. In diesem Fall haben die Altaktionäre das nachsehen
  • Die Frage, welche sich TSLA-Aktionäre schon seit Jahren stellen steht als grosses Fragezeichen weiter im Raum. Nämlich wann die Gesellschaft endlich die Gewinnschwelle überschreiten wird. Dieser Zeitpunkt verschiebt sich immer weiter in die Ferne. Einem Nettoverlust von 2016 von USD 675 Mio. (- USD 4,70 pro Aktie) folgte 2017 ein Minus von USD 2,0 Mrd. (- USD 11,85). Trotzdem blieben die Aktionäre optmistisch, denn die Aktien gab trotz der Reihe von Hiobsbotschaften in den vergangenen 12 Monaten nur -4,25 Prozent nach. Wie lange halten sie Elon Musk bzw. Tesla wohl noch die Treue?

Text: Radovan Milanovic

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