Techs forever?

Die vergangenen Wochen zeigen mehr und mehr, dass sich der Einfluss der US-Börsen auf die Wertpapierentwicklung und -Indices anderer Industrieländer aufweicht. Der Grund liegt in der Verschiedenartigkeit der der US-Wirtschaft und die wirtschaftsfreundliche und auf Eigeninteressen basierte Politik im Vergleich zur Eurozone. Daraus entwickeln sich divergierenden Wachstums- und Erfolgspotenziale von Gesellschaften des alten und neuen Kontinents.

Europas Indexgesellschaften

Zu wenig unterstützt durch eine One-Voice Wirtschafts-Vertretung im Verbund der Eurozone, verzetteln sich die Stärken der Wirtschaften der Mitglieder. Zudem bestehen Europas Volkswirtschaften zumeist aus Old Economy Vertretern. Also Industrien mit beschränktem Wachstumspotenzialen (Konsumprodukte), sind Liebhaberwerte (Luxusartikelhersteller: Exklusive Autos, Kleidung, Schmuck, Uhren…), unterstehen als zyklische Werte wie der Auto- und deren Zulieferindustrie oft externen Schocks (Rückrufe von Produkten) oder sie sind in der Kommunikation- oder Energiewirtschaft (hohe Investitionen, Kosten zur Verteidigung ihrer Marktanteile der Heimmärkte) zumeist im Binnenmarkt tätig. Seit Jahresbeginn legte der DAX -2,6 und der TechDax +15,6 Prozent zu

Amerikanische Indexgesellschaften

Der Markt bewertet Old-Economy Anlagen des Dow Jones und des S&P 500 im mittelfristigen Vergleich (3 – 5 Jahreshorizont) im Hinblick auf ihr KGV-Wachstum und ihrer Gewinnerwartungen im Durchschnitt 15 – 20 Prozent höher als im langfristigen Vergleich (10 Jahre). Denn über 15 Prozent aller kotierten US-Gesellschaften weisen ein Gewinnwachstum von über 10 Prozent aus. Trotzdem verzeichnen Old Economy Papiere (“lame ducks”) einen konstanten Nachfragerückgang zu Gunsten von High-Techs, welche höhere Anlegergewinne versprechen. Beim Nasdaq spielt die Musik vor allem bei den 50 höchstkapitalisierten Gesellschaften. Die Performances der Indices bestätigen diesen Anlagetrend. Seit Jahresbeginn performte der Dow Jones +4,8, der S&P +7,0 und der Nasdaq +14,6 Prozent.

Techs forever?

Unter Präsident Trump bemüht sich die Regierung um optimale Voraussetzungen für US-Gesellschaften im Handel. Im Hardware Bereich sind die Chinesen nicht mehr aufzuhalten. Der Software- und Dienstleistungsbereich ist jedoch fest in der Hand der Amerikaner. Anleger aus aller Welt konzentrieren sich auf Einzeltitel wie die FAAMG-Aktien (Facebook, Apple, Amazon, Microsoft, Google (bzw. Alphabet)), da diese Gesellschaften sowohl ein hohes Gewinnwachstum, als auch hohe Gewinnerwartungen verkörpern. Sie geben den Anlegern neben hohen Anlagerenditen auch eine “gefühlte” hohe Sicherheit. Kann jedoch auch nur eine dieser Gesellschaften die Erwartungen nicht mehr erfüllen, wird auf die übrigen “golden Techs” geschlossen. Ein Abbau des einseitigen Tech-Risikos durch die Gesellschaften selbst kann nur über Diversifizierung, wie sie Amazon mit dem Erwerb von der Bio-Markt Kette Whole Foods oder den Betrieb von Wind und Solar Farmen praktiziert, erfolgen. Denn schon jetzt bauen einzelne Hedge Funds solche “safe bets” ab. Die Masse der internationalen Tech-Anleger konzentriert sich fast ausschliesslich auf die 15 grössten der Branche. Die Analysten sprechen deshalb einer “15-Stocks-Mania”, welche aufgrund von Hoffnungen auf “unendliches” Erfolgwachstum dem Restmarkt erhebliche Mittel entzogen und sich zu einem Klumpenrisiko entwickelt hat.

Was den 15-Techs Aktien blühen könnte, spielt sich zur Zeit in China ab, nämlich Kursrückgänge von hochgepriesenen Börsenstars wie Alibaba, Baidu, Tencent… da die hohen Gewinnerwartungen nicht mehr erfüllt werden können und zudem der Handelskrieg mit den USA die globale Ausweitung der Geschäfte, also das Wachstum, hemmt.

Text: Radovan Milanovic

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