Steigendes globales Handelsvolumen trotz Handelssanktionen

Widersprüchliche Indikatoren führen zu volatilen Aktienmärkten

Seit der Finanz- und Weltwirtschaftskrise 2007/08 gibt es kaum so viele negative Wirtschaftsindikatoren, welche zur Vorsicht an den Aktienmärkten mahnen. Aber auch erfreuliche Meldungen. Der Mix der Informationsflut führte seit Anfang Jahr zum JoJo Effekt an den Börsen. Denn tendenziell notieren die Börsen bereits seit Mitte Januar 2018 tiefer.

DAX Index (12-monats Performance)

DAX Index Chart
Kursanbieter: L&S RT

Nach Ankündigung möglicher Handelssanktionen fällt der Baltic Dry Index, um dann erratisch wieder in den seit 2016 beginnenden steigenden Trendkanal zurück zu kehren

Der Baltic Dry Index setzt sich aus den Frachtkosten der drei Schiffkategorien Capesize mit 40 Prozent, sowie zu je 30 Prozent aus Panamax und Supramax zusammen. Steigt das Handelsvolumen, ziehen die Frachtraten der Schifffahrtunternehmen an. Teuere Frachtraten weisen auf erhöhte Handelsvolumen hin. Strafzölle und Ausweitung des Handels sind keine Widersprüche, denn vor Inkrafttreten von Handelshemmnissen steigen die Handelsaktivitäten üblicherweise an, da Lagerbestände erhöht, bzw. Verkäufe vor Inkrafttreten von Zöllen oder Volumenbeschränkungen abeschlossen und erfüllt werden. Deshalb lässt sich der Kursverlauf des Baltic Dry Index erklären.

Container Umsatz des Port of Long Beach und des Baltic Dry Index mit ähnlichen Aussagen

Der Port of Long Beach (Kalifornien) ist der grösste US-Containerhafen im Schiffsverkehr mit China. Seit April bis Juni hat sich die Anzahl ankommender Container, umgerechnet in 20-Fuss Container-Einheiten, um 23,1 Prozent auf 384.095 Einheiten im Juni 2018 erhöht, während die nach China ausgeführten gleichen Volumeneinheiten um 4,9 Prozent auf 135.168 Container abgenommen haben.

Die fünf grössten Transport- und Logistikunternehmen profitierten kaum von der Volumenausweitung des Handels

Hohe Investitionen, Überkapazitäten und steigende Treibstoffkosten treffen auf Sorgen um fallendes Transportvolumen

  • A. P. Moller-Maersk Group (Maersk) mit Sitz in Dänemark: Seit 2017 steigen die eigenen Transportkosten mehr als die Einnahmen aus dem Frachtgeschäft. Das Management warnte vor einem Einbruch des internationalen Handels. Der Aktienkurs fiel in den vergangenen 12 Monaten um 42,3 und seit Jahresbeginn um 38,6 Prozent auf EUR 1,080
  • MSC Mediterranean Shipping Company S.A. (Genf, Schweiz): Private Gesellschaft; es sind keine Umsatz- und Erfolgszahlen verfügbar. In einer Pressemitteilung kündigt MSC diese Woche an, wegen des erwartenden Rückgangs im Handel, das Asien-Europa Geschäft im dritten / vierten Quartal 2018 zu restrukturieren und während dieser Zeit gar Dienstleistungen einzustellen
  • CMA CGM S.A. (Frankreich): Die Gesellschaft profitierte im ersten Quartal 2018 von höherem Transport- und Umsatzvolumen von +15,0 bzw. +17,1 Prozent zur Vorjahresperiode. Wegen höherer Treibstoffkosten von +19.4 Prozent, resultierte nur eine EBIT-Marge von +1,6 Prozent. Die Aktien von CMA CGM sind nicht kotiert
  • China Ocean Shipping Company (COSCO) (China): Um gegen US-Handelsmassnahmen gewappnet zu sein, plant COSCO,  den Containerhafen Long Beach Port zu erwerben. Die Aktien verloren in den vergangenen 12 Monaten -48,7 Prozent auf CNY 3,45 (seit Jahresbeginn -37,8 Prozent)
  • Hapag-Lloyd AG (Hamburg, Deutschland): Höhere Treibstoffkosten setzten dem Erfolg in 2017 zu. Wegen der Gewinnwarnung am 29.06.2018 brach die Aktie um 22,0 Prozent ein. Performance der Aktien in den vergangenen 12 Monate +5,0 Prozent (seit Jahresbeginn +0,8 Prozent). Das Unternehmen zahlt erstmals eine Dividende (für das Geschäftsjahr 2017). Basierend auf dem aktuellen Kurs von EUR 33,50 rentiert die Aktie 1,7 Prozent

    Text: Radovan Milanovic
    Bild: pixabay, Creator: Julius Silver

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