Spotify, das “zweite Amazon” drängt nach Ostern an die Börse

Musikstreamer Spotify wird oft Pandora Media Inc. (P) verglichen. Doch bei näherer Betrachtung bleibt kaum ein gemeinsamer Nenner. Mit Ausnahme, dass beide Unternehmen ihren Hörern / Kunden Musikdienstleistungen offerieren.

Pandora das Internetradio – Interesse schwindet

Pandord-Benutzer können ihre gewünschten Musikstücke im Radioprogramm von Pandora Media hören. Das System lässt sich mit einem Wunschkonzert vergleichen. In der Folge kann der Hörer sein Musikgeschmack definieren. Pandora erstellt dann sein persönliches Musikprogramm zusammen, wobei das Wiedergabefenster direkt auf Amazon und den iTunes Store weist, wo der Hörer die betreffenden Musik-Alben erwerben kann. Aus lizenzrechtlichen Gründen ist P nur für Benutzer innerhalb der USA, Australien und Neuseeland erreichbar.

Seit dem Start am 06. Januar 2000 haben sich sowohl die Unterhaltungsmöglichkeiten, die Präferenzen und Gewohnheiten der Konsumenten, als auch die e-Technik weiterentwickelt. Es ist deshalb davon auszugehen, dass Pandora bereits ein Auslaufmodell geworden ist. In diese Richtung zeigen auch die Erfolgszahlen der Gesellschaft. Nach einem IPO-Preis von USD 16,00 am 13. Juni 2011, stieg der Kurs bis auf sein Allzeithoch im März 2014 auf USD 40,44. Seither verloren die Papiere bis auf USD 5,14. Denn die Gesellschaft hat seit ihrem Bestehen noch nie Gewinne erwirtschaften können. Seit 2013 erhöhen sich die Verluste jährlich im Durchschnitt um um 421 Prozent auf USD 518,4 Mio. in 2017. Da seit dem 15. Februar 2018 Insider (CEO, CFO und CHR) allesamt als Verkäufer der Aktien auftreten, dürfte das Unternehmen stark risikobehaftet sein.

Spotify, erster Musik-Streamdienst im grossen Stil

Die Fakten von Spotify liefern eindrückliche Zahlen: Von den 159 Mio. Benützern sind 44,7 Prozent, oder 71 Mio. Premium Mitglieder. Noch in 2015 lag der Anteil der zahlenden Mitglieder bei rund 30 Prozent. Anlässlich der letzten Finanzierungsrunde der Investoren wurde Spotify  mit USD 19 Mrd. bewertet (anlässlich des IPOs war Pandora Media mit USD 4,0 Mrd. wert, heute nur noch USD 1,27 Mrd.). CEO Daniel Ek wählt für das Börsendébut nach Ostern kein IPO an dem sich Intermediäre wie Broker und Banken eine goldene Nase verdienen. Bei seiner geniale Variante behalten die Venture-Kapitalgeber für ihr Risikokapital neben der grösstmögliche Rendite auch die Kontrolle über die Gesellschaft. Die Startup Investoren haben die Möglichkeit, ihre Darlehen – ähnlich wie bei Wandelanleihen – in Aktien zu tauschen. Da mit sehr grosser Nachfrage gerechnet wird, soll Morgan Stanley für einen geregelten Start und eine faire Preisfindung an der New York Stock Exchange (NYSE) sorgen.

Spotify – Breakeven in weiter Ferne

Analysten vergleichen das IPO von Spotify mit der Platzierung der Aktien von Amazon in 1997. Als grosses Plus sieht Spotify die grosse Anzahl zahlender Abonnenten und die hohe Akzeptanz des Unternehmens; ein Garant für steigende Cash-Flows. Trotzdem hat Spotify in 2017 bei einem Umsatz von EUR 4,1 Mrd. ( +39 Prozent zum Vorjahr) einen Nettoverlust von EUR -378 (EUR -349) Mio. erwirtschaftet. Vor der Anpeilung von Gewinnen fokussiert sich das Management auf das Wachstum.

Text: Radovan Milanovic

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