Spanienkrise: Risikoprämie steigt, Aktienmarkt bisher unbeeindruckt

Finanzmarkt: Ruhe vor dem Sturm

Mit dem Grad der Anspannung in Spanien nach dem Referendum in Katalonien, den Drohungen der Zentralregierung, dem Verstreichenlassen der Ultimaten durch Barcelona, der möglichen Anwendung von Artikel 155 der spanischen Verfassung steigt die Nervosität der Investoren. Erste Zeichen sind der Anstieg der Risikoprämie spanischer Staatsanleihen auf 127 Punkte nach einem Höchststand von 132 Punkten am 4. Oktober 2017. Anders der Aktienmarkt: Mit dem Tiefstand am gleichen Datum von 9.959.03 Punkten scheinen die Investoren allfällige negative Szenarien im wichtigsten spanischen Aktienindex, dem IBEX 35 bereits eingepreist zu haben. Denn der IBEX 35 liegt bereits wieder bei 10.203.17 Punkten (+ 2,34 Prozent).

Regierung senkt Wachstumsprognosen

Statt mit einem Wirtschaftswachstum (BIP) von 2,6 Prozent für das laufende Jahr geht die Regierung nur noch von einem Anstieg von 2,3 Prozent aus. In Anbetracht möglicher künftiger Beeinträchtigung des Wirtschaftsgeschehens durch unvorhergesehene Ereignisse muss jedoch mit einer weiteren Revision der Erwartungen gerechnet werden. Die führende Ratingagentur S&P gab soeben bekannt, dass die Krise Spaniens robustes Wachstum in Gefahr bringen und somit den positiven Ausblick gefährden könnte. Zur Zeit bewertet S&P die langfristigen Verbindlichkeiten Spaniens mit BBB+.

Katalonien Tourismus geht zurück, Unternehmen verlassen die Region fluchtartig

Insbesondere der Tourismus reagiert äusserst sensibel auf politische Entwicklungen. Touristen beginnen Katalonien mit der Metropole Barcelona  zu meiden.  Die Hotelbuchungen sind seit Ende September 2017 bereits um rund 30 Prozent zurück gegangen. Die Tourismusindustrie ist sehr wichtig für Region, trägt sie doch mit rund 18 Mio. Besuchern 12 Prozent zur Wirtschaftsleistung bei.

In den ersten 10 Tagen des Monats Oktober haben 540 Gesellschaften Katalonien den Rücken gekehrt. Kataloniens Wirtschaft nahm einen wichtigen Platz in der Volkswirtschaft Spaniens ein. Allein sieben der insgesamt 35 wichtigsten Gesellschaften Spaniens, welche im spanischen Aktienindex IBEX 35 gelistet sind hatten ihren Hauptsitz in Katalonien. Die folgenden sechs haben bereits ihren Sitz ins Kernland gewechselt: La Caixa (Bank), Gas Natural (Energie), Abertis (Bauwirtschaft), Banco Sabadell (Bank), Cellnex (Telekommunikation), Colonial (Immobilien). Einzig Grifols, ein multinationales Pharma- und Chemieunternehmen behält ihren Sitz weiterhin in Barcelona. Doch wie lange noch? Mit jedem Wegzug eines Unternehmens leidet die Wirtschaft der Region und würde eine erfolgreichen, unabhängigen Zukunft mit einem grossen Fragezeichen versehen.

Text: Radovan Milanovic

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