Spanienkrise: Auswirkungen auf den Finanzmarkt

Downgrading von Spaniens Kreditrating so gut wie sicher

Bereits 20 Tage nach dem Referendum um die Unabhängigkeit kämpft die katalonische  Wirtschaft mit der Flucht von Unternehmen, welche ihren Sitz aus der Provinz verlagern. Mit dem Aderlass der Wirtschaft und vor allem mit dem Wegzug der Banken ins Kernland manövriert sich die wirtschaftsstärkste und wohlhabende autonome Gemeinschaft ins Abseits. Katalonien zählt wie das ebenfalls nach Autonomie strebende Baskenland zu den industrialisiertesten Regionen Spaniens. In der Zwischenzeit verdunkeln sich die Wolken: S&P bewertet Spanien mit BBB+ und hat Spanien wegen der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung auf negative die Watchlist gesetzt. Auch die Bonität Kataloniens wird zwecks Prüfung eines Downgrading auf den Prüfstand gesetzt (“negative credit watch”). S&P hält sich mit der Einstufung der Kreditwürdigkeit Kataloniens bedeckt. Sollte tatsächlich eine Abspaltung von Spanien stattfinden dürfte S&P Katalonien mit “B” (risikobehaftete Schulden, mit dem Risiko von Zahlungsausfällen) bewertet werden, vergleichbar mit Regierungsanleihen von Ecuador, Jordanien oder der Mongolei.

Moody’s, neben S&P die wichtigste Ratingagentur, geht davon aus dass eine Abspaltung von Katalonien kaum wahrscheinlich sei, warnt jedoch, dass nur schon die Bestrebungen nach Unabhängigkeit in Spanien zu erheblichen Risiken für Wirtschaft und Politik führen werden.

Banken mit “Business as usual”

Der heutige Schildbürgerstreich mit dem Aufruf, mittels eines “Bankenruns”, spanische Banken zu bestrafen, liess die Institute “cool”. Die beiden grossen, die “Caixabank” (CIXPF) als auch “Banco de Sabadell” (BNDSF) kommentierten nur “Business as usual”. CIXPF-Aktien und BNDSF verloren seit dem Referendum 6,9, bzw. 9,6 Prozent. Delikater ist jedoch die Tatsache, dass die Katalanen bei ihren Banken seit Beginn des Monats rund 3 Prozent ihrer Vermögen abzogen.

Spaniens Staatsverschuldung beträgt für 2017 knapp EUR 1,15 Mrd. Alleine die Zinsen verschlingen trotz des tiefen Zinsniveaus EUR 32 Mrd. im laufenden Jahr. Bei einer Verschlechterung der Bonität um eine Stufe erhöhten sich die Zinsen – bei gleichem Zinsumfeld – um rund CHF 3,0 Mrd. pro Jahr  Da die Verpflichtungen von Katalonien in der Staatsbuchhaltung von (Gesamt-)Spanien eingebunden sind und nach aussen Spanien als Schuldner erscheint, gilt die generische 10-jahres Anleihe Spaniens als Benchmark. Die Krise führte dazu, dass der Risikoanstieg den Investoren eine Jahresrendite von 20.16 Prozent bescherte. Die Laufrendite schwankte im Tagesverlauf von 1,636 bis 1,67 Prozent, mit einer Schlussrendite von 1,663 Prozent.

Radovan Milanovic

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