Russland nach den Wahlen ist Russland vor den Wahlen

Wachstumserwartungen leicht tiefer als in der EU

Die Wahlen dürften jetzt schon gelaufen sein. Niemand zweifelt am Wahlausgang der Präsidentschaftswahlen in Russland am 18. März 2018. Unter Präsident Putin gewann das Land an Selbstvertrauen. Die Wirtschaft konnte sich von der zweijährigen Rezession erholen. Zur Zeit wächst sie jedoch auf tiefem Niveau: Ökonomen erwarten ein GDP-Wachstum von 1,5 bis 2,5 Prozent für 2018 und 2019, während sich die Wachstumsprognosen für die EU und die USA im gleichen Zeitraum auf 2,5, resp. 2,3 Prozent belaufen sollen. Da sich nach den Wahlen nicht viel ändern dürfte, kann auch nicht mit grossen Überraschungen gerechnet werden. Ein stärkeres Wirtschaftswachstum könnte nur durch tiefgreifende Strukturreformen erreicht werden. Investitionen durch ausländische Investoren bleiben leider aus. Denn die Rechtsunsicherheit verhindern Geldflüsse aus der EU und den USA. Die Handelshemmnisse erschweren auch Russlands Zugang zu den globalen Finanzmärkten, was die Modernisierung der Industrie verlangsamt und sich schliesslich im tiefen Wachstum niederschlägt.

Lösungsansätze zur Wachstumserholung

Ein Ende der Handelsrestriktionen durch die EU und die USA würde der Wirtschaft nicht nur eine kurzfristige Erholung, sondern solides, langfristiges Wachstum bringen. Der zweite wichtige Ansatz ist die weitere Privatisierung von Staatsbetrieben. In den 90iger Jahre kam die Privatisierung wohl in Gange, doch seit dem Amtsantritt von Präsident Putin hat sich diese verlangsamt. Einige grössere Betriebe wurden, als strategisch wichtige Unternehmen gar wieder verstaatlicht. Die Staatsbetriebe erwirtschaften zur Zeit rund 70 bis 80 Prozent von Russlands BIP (Bruttoinlandprodukt). Nationalisierte Betriebe weisen in der Regel ein tieferes Wachstum aus als gleichartige privat geführte Unternehmen auf.

EUR / RUB Kursentwicklung der vergangenen 5 Jahre

EUR/RUB, Quelle: ecb.eu

Trotz tieferem Wachstum als in der EUR konsolidiert der Rubel zum EUR

Dass der Rubel (RUB) trotz des kompetitiven wirtschaftlichen Nachteils zu EUR und USD konsolidiert, spricht für die politische Stärke der Regierung. Noch sind Öl neben Erzen wichtige Devisenbringer. Der Rückgang der Ölpreise traf die Branche stark. Doch Regierung reagierte und leitete Massnahmen zur Loslösung von der Abhängigkeit des Öleinkommens ein und setzte mehr Gewicht auf den Export landwirtschaftlicher Güter, speziell auf den Weizenexport. Die Reformen im riesigen Land sind gewaltige und langwierige Herausforderungen, dürften jedoch in Kürze Russland zu einem globalen Player im Weizenmarkt machen. Diese Entwicklung dürfte den RUB auf mittlere Sicht weiterhin stützen. Eine graduelle Aufhebung der Wirtschaftssanktionen, wie bereits ansatzweise im Gespräch, dürfte dem Rubel zu wahrer Stärke führen.

Text: Radovan Milanovic
Chart: ecb.eu
Bild: pixabay, Crator: joneybrain

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