Roche im Rückwärtsgang während die Börsen jubeln

Die Performance von Roche trügt, auch der SMI performte nicht viel besser

Nicht nur Roche (F. Hoffmann-la Roche AG)- auch Novartis (Novartis AG)-Aktien zeigen seit 2012 auffällig schwache Performances. Seit Frühjahr 2015 zählen sie zu den grössten Verlierern an den Schweizer Börsen. Aber auch der Basisindex, der Schweizerische SMI (Swiss Market Index), der Kursverlauf des Aktienindexes der 20 grössten Schweizerischen Gesellschaften, liegt weit hinter anderen Aktienindices. Der SMI ist ein reiner Kursindex, welcher Dividendenzahlungen der enthaltenen Werte – im Gegensatz zum DAX – nicht berücksichtigt.

Empirische Gründe für die bescheidene Performance des SMIs sowie der Pharmawerte “Roche” und “Novartis”

  • Beide Werte sind auch im SMI vertreten. Der SMI legte seit Jahresbeginn 2012 insgesamt +53,90 Prozent (nur +9,32 Prozent p.a.) zu. Der Wert des (Performance-Indexes) DAX schoss im gleichen Zeitraum um +157,32 Prozent (+21,53 Prozent p.a.) auf 12.994.50 in die Höhe. Dividendenbereinigt jedoch auf 12.015,96 (+99,60 Prozent, bzw. +15,34 Prozent p.a.), ohne Dividendenzahlungen, berechnet auf Zinseszinsbasis
  • Performance Roche seit Beginn 2017: +53,90 Prozent, Novartis +73,45 Prozent. Roche Aktien weisen einen Korrelationswert zum SMI von 0,96 auf. Dieser Wert liegt bei Novartis bei 0,6521. Diese vergleichbar hohen Werte weisen auf einen stark positiven Zusammenhang der Renditeveränderungen zwischen den beiden Pharmawerten und dem SMI hin. Die Determinationskoeffizienten von 0,9216 (Roche) und 0,4252 (Novartis) definieren den Grad der Renditeveränderungen der Aktien, welche durch den SMI begründet werden. Determinationskoeffizienten entsprechen dem quadrierten Korrelationskoeffizienten. Je höher der Determinationskoeffizient, desto ähnlicher der Grad der Kursbewegung zwischen Indexwert und Gesamtindex. Die hohen Korrelationswerte von Roche und Novartis hängen auch mit ihren hohen Indexgewichtungen im SMI von je 18,92 (total 37,84) Prozent zusammen
  • Die hohen Indexgewichtungen von Roche und Novartis bremsten denn auch den Kursverlauf des SMI aufgrund des unterdurchschnittlichen Geschäftsganges, der gedrückten Gewinnentwicklungen sowie der gedämpften Umsatz- und Profitabilitätserwartungen beider Gesellschaften

Weltweiter (politischer) Preisdruck auf Pharmapreise – harte Zeiten für Pharmariesen

Der Druck seitens der EU-Gesetzgeber, der EU-Mitglieder, ausländischer Regierungen (Indien, Südamerika, den USA…) auf die Pharmapreise erhöht sich mehr und mehr. Während immer mehr Patente von Arzneimitteln auslaufen, sind die Unternehmen finanziell im Kampf um neue Blockbuster gefordert. Eine neue Studie spricht denn auch davon, dass fast 50 Prozent aller weltweit neu eingeführten Pharmaprodukte die geplanten Umsatzerwartungen nicht erfüllen. Sei es, dass sie zu teuer sind und deshalb seltener als erwartet verschrieben werden oder aber die Präparate nicht die gewünschten Erfolge bringen.

Unterdurchschnittliche Umsatzentwicklungen, rückläufige Gewinnentwicklungen der Pharmawerte

Smart Money hat bereits 2012 begonnen, Pharmawerte zu meiden und floss in Tech- und eCommerce-Werte mit hohem Gewinnwachstum. Diese Entwicklung führte dazu, dass die überzogenen Bewertungen der früheren Börsenlieblinge zurück kamen. Trotzdem können die Bewertungen von Roche und Novartis noch nicht als günstig taxiert werden. Ein neuer Blockbuster könnte jedoch zu einer völlig neuen Situation führen.

Text: Radovan Milanovic

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