Risiken der globalen Verschuldung 2008 und 2019

10 Jahre Geldschwemme durch die Notenbanken

Vor zehn Jahren sorgte die Kreditkrise für starke Kursrückgänge an den Finanzmärkten. Die Regierungen weltweit konzentrierten sich hauptsächlich auf die Rettung systemrelevanter Banken. Seither profitieren diese von kostenloser Liquidität durch die Notenbanken und der Möglichkeit der Geldschöpfung. Der Boom führte zur Anhäufung ähnlicher Risiken wie vor zehn Jahren, den Immobilienrisiken. Die Überhitzung der Immobilienmärkte spricht Bände. Aus diesem Grunde verschärfte die EZB kontinuierlich die Eigenkapitalvorschriften der Institute um im Falle eines „worst case szenarios“ das Ausfallrisiko von Krediten bestmöglich abzusichern.

Risiken der globalen Verschuldung 2008 (systematisches Risiko) und 2019 (unsystematisches Risiko)

Heutiger Kreditmarkt mit unsystematischem Risiko

Eine soeben veröffentlichten Studie des Credit Suisse Research Institute (CSRI) untersuchte die Entwicklung des Kreditmarktes seit dem Herbst 2008 und kommt zum Schluss, dass die heutigen potenziellen Verschuldungsrisiken kaum mit der Kreditkrise vor zehn Jahren verglichen werden können. Denn 2008 umfassten die Kreditrisiken ganze Volkswirtschaften. Als „systematische Risiken“ konnten sie nicht diversifiziert werden. Ganz anders die Lage heute. Aufgrund der breit abgestützten und untersuchten Verschuldung der wichtigsten Volkswirtschaften, Regionen und Sektoren kommt das CSRI zum Schluss, dass sich die Schuldenentwicklung signifikant verändert habe. So soll sich der stärkste Schuldenanstieg auf eine relativ geringe Anzahl von Ländern und Sektoren konzentrieren. Das CSRI definiert die Verschuldung und ihre Facetten in der Studie „Assessing Global Debt“ als „unsystematische (Kredit-)Risiken.“ Seit 2009 hat sich die Höhe der Gesamtverschuldung der Industrieländer zwar erheblich erhöht. Da Staatsverschuldungen in Prozenten des BIP (Bruttoinlandprodukt) ausgewiesen werden, haben sich die Vergleichswerte mit wenigen Ausnahmen kaum verändert. Die Kernpunkte:

  • USA: Verschuldung der Vereinigen Staaten geben Anlass zur Sorge. Einzig eine Änderung der Fiskalpolitik, welche unter der wirtschaftsfreundlichen Regierung äusserst unwahrscheinlich ist, könnte das Schuldenniveau senken. Das CSRI geht deshalb wegen der Haushalt- und Leistungsbilanzdefizite von einer schärferen Kurskorrektur des USD aus
  • US-Unternehmen: Verschlechterung der Kreditqualität Kennzahlen von „Old Economy“ Unternehmen wegen des steigenden Wettbewerbs
  • Japan: Hohe Sparquote haben mit positiven Auswirkungen auf den Schuldenstand und mildern mögliche Folgen
  • Italien: Verschuldung ist politischen Risiken der Regierung in Rom ausgesetzt, welche kaum abwägbar sind
  • China: Die Studie betont den grossen Schuldenanstieg chinesischer Staatsunternehmen welcher wegen des Wachstumspotenzials der Volkswirtschaft nicht besorgniserregend sei
  • Lob für grosse Schwellenländer: Ihre Haushaltsdisziplin führte zu einem Rückgang der Gesamtverschuldung. Im Gegensatz dazu steigen die Verschuldung der Privatsektoren

Text: Radovan Milanovic
Bild: pixabay, Creator: AbsolutVision

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