Rekordhoher Leerwohnungsbestand in der Schweiz

Schweizer: Volk von Mietern mit Präferenzen

Obwohl die Schweizer ein Volk von Mietern sind steigt der Bestand an leeren Wohnungen immer weiter an. Das Bundesamt für Statistik (BFS) bezifferte den Leerwohnungsbestand soeben per 01. Juni 2018 mit 72.294 mit Einheiten (inkl. Einfamilienhäuser) auf 1,62 Prozent. Innerhalb der vergangenen 12 Monate nahm der Leerbestand um 8.020 Wohnungen zu (+12,5 Prozent), wovon 59.724 Mietwohnungen (+ 7.015 Einheiten, +13,3 Prozent ) und 12.570 Eigentumswohnungen (+1.005 Wohnungen, +8,7 Prozent).

Wohnungen. Leerwohnungsbestand in Zürich

Den höchsten Leerwohnungsbestand weisen die Kantone Solothurn, Aargau und Jura (2,98, bzw. 2,65 und 2,56 Prozent auf). Während die beiden Kantone Zug (0,44 Prozent) und Genf (0,53 Prozent) die tiefsten Leerwohnungsbestände verzeichnen. Die Statistiker bestätigen den Trend – auch von Singles – in Wohnungen mit 2 bis 3 Zimmern wohnen zu wollen: Obwohl weniger 1-Zimmer Wohnungen gebaut werden, stieg die Anzahl leerer nur um +7 Prozent. Bei den 2-Zimmer Wohnungen waren es +15 Prozent. Der hohe Bestand vor allem – hochpreisiger Luxuswohnungen – führte dazu, dass die meisten Leerwohnungen bei 3-Zimmer- (23.475 Einheiten) und 4-Zimmer- (21.451 Einheiten) Wohnungen zu verzeichnen sind. Die statistische Behörde meldete einen ununterbrochenen Anstieg leerer Wohnungen seit 2010.

Der Grund für die hohe Anzahl Leerwohnungen liegt vor allem an der verfügbaren Liquidität der Immobiliengesellschaften und Pensionskassen, der langen Projektzeit zwischen Planung und Fertigstellung der Wohneinheiten sowie ihrer verfehlten Investitionspolitik: Wohnungseinheiten wurden und werden ohne genügende Bedarfsabklärungen an Orten mit wenig Bezugspunkten (ländliche Gebiete ohne Arbeitsplatzmöglichkeiten) mit zumeist zu hohen Ausbaustandards erstellt, welche zu kaum finanzierbaren Mieten auf den Markt kommen.

Parlament diskutiert Förderung des Wohneigentums mit steuerlichen Anreizen

Wohneigentum wird in der Schweiz steuerlich eher bestraft, denn gefördert. Denn Eigenheimbesitzer müssen den “Eigenmietwert” der bewohnten Immobilie als Einkommen versteuern. Dieser berechnet sich nach der mutmasslichen Miete, welche der Eigentümer bei einer Fremdvermietung als Miete vereinnahmen kann. Im Gegenzug kann der Immobilienbenutzer seine Schuldzinsen (Hypothekarzinsen) sowie die (werterhaltenden) Unterhaltskosten steuerlich absetzen. Bis heute werden Immobilienbesitzer, welche ihre Schulden abbauen, finanziell (steuerlich) bestraft. Die Grossbank Credit Suisse schätzt deshalb die Ausweitung der privaten Hypothekarverschuldung per Ende Jahr auf über CHF 1,0 Bio. bei einer Wohneigentumsquote von nur 38,2 Prozent (Quelle: BFS). Eurostat weist diese Rate für Deutschland mit 51,7 Prozent aus.

Um die Schuldnerrisiken im Falle steigender Zinsen abzufedern und Anreize für einen Abbau von Hypotheken zu geben, möchte das Parlament die Besteuerung des Eigenmietwertes beenden. In einem solchen Falle wären auch die Hypothekarzinsen der bewohnten Immobilie nicht mehr steuerabzugsfähig. Kritiker befürchten einen Rückgang der Investitionen und die Verlotterung der Bausubstanz.

Schweizer: Schuldenweltmeister

Vor allem aufgrund der hohen Belastung von hochpreisigem Wohneigentum liegt die pro Kopf Verschuldung der Bevölkerung bei über CHF 100.000 (EUR 88.000). Diese entspricht 130 Prozent des schweizerischen BIP. Sowohl die steuerliche, als auch die – aktuell – günstige Finanzierung der Verpflichtungen sprechen vorerst gegen einen Abbau der Verbindlichkeiten: Konventionelle Banken bieten Hypotheken bei einer Belehnung der Wohnimmobilie bis 80 Prozent des Verkehrswertes mit einer Festlaufzeit von 10 Jahren für 1.39 bis 1,79 Prozent an. Mittels Hypotheken-Versteigerung kommt ein Immobilienbesitzer noch günstiger zu seiner Hypothek. Beim schweizerischen Anbieter HypothekenVersteigerung.ch wären Hypotheken mit Konditionen (sh. oben) gar ab 1,28 Prozent zu haben.

Text und Bild: Radovan Milanovic

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