Preiserhöhungen bei landwirtschaftlichen Grundnahrungsmitteln in Deutschland und Österreich

Im Portal “gastroecho.de” gingen wir im Artikel “Ernteeinbruch von Obst, Früchte und Gemüse 2017” auf die umweltbedingten Einflüsse auf die Ernten in Europa ein. Dass aber auch die klassischen landwirtschaftlichen Produkte wie Milch, Butter, Käse ebenfalls in den Strudel der Preiserhöhungen geraten würden, konnten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen.

Deutschland: Geschönter Konsumentenpreisindex?

Leider unterstehen die Quellen, welche die Vergütungen an die Bauern für ihre Produkte bezahlt werden allesamt Copyright Beschränkungen. Tatsache ist, dass die landwirtschaftlichen Produkte im Juli 2017 gemäss Konsumentenpreisindex zum Vorjahr um +9,3 Prozent angezogen haben. Die Teilkomponente “Milch” um +4,3 Prozent (Können Statistiken lügen?). Ein Preisvergleich bei den Discountern zeigt die Wahrheit: Der Preis für 250 Gramm Butter kostet jetzt zwischen EUR 1,79 und EUR 2,39. Im Klartext, die Butter wurde in den vergangenen 12 Monaten 60 bis 80 Prozent teurer.

Österreich: Preise für Milch und Butter steigen um 26 bzw. 60 Prozent

Die Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter (VÖM,www.voem.or.at) gab soeben bekannt, dass aufgrund der mengenmässig geringeren Milchproduktion die durchschnittlichen Auszahlungspreise seit Januar EUR 0,3974 (inkl. 10 Prozent MWSt.  für Lebensmittel) von pro kg Milch an die Bauern bezahlt worden sind. Dies entspricht einer Steigerung von 12,8 Prozent zum Vorjahreszeitraum. Im Juli 2017 stieg die Vergütung auf EUR 0,4154 Prozent (+ 26 Prozent). Die Butterpreise sollen aufgrund der “höheren Nachfrage der Nahrungsmittelindustrie” – wohl eher als Folge geringer Lagerhaltung – je nach Quelle – seit Mai 2016 um 70 bis 80 Prozent angezogen haben. Die würde eine Jahresteuerung von rund 60 Prozent ergeben. Da die Käseproduktion einerseits stark subventioniert und durch Spezialitäten segmentiert ist, können die echten Preiserhöhungen nur teilweise auf die Konsumenten überwälzt werden. Denn die grössten Kostenfaktoren des Käses ist die Milch, die Arbeit und Lagerung. Dabei gilt die Grundregel: 10 Liter Mich ergeben 1 kg Käse.

Sonderfall Schweiz: Staatliche Richtpreise verhindern freie Marktpreise für Milch und Butter

Die Vergütung an die Bauern ist an die Qualität der Milch gebunden. “swissmilk”, die Organisation Schweizerischer Milchproduzenten (SMP) publizierte Preise und Produktionsmengen in ihrer Pressemeldung transparent wie folgt: Das A-Segment mit den höchsten Qualitätsmerkmalen (4 Prozent Fett, 3,3 Prozent Eiweiss), ohne MWSt. (von 8 Prozent) wird mit einem aktuellen Richtpreis, welcher quartalsweise angepasst wird, mit CHF 0,65 (EUR 0,56), ab Oktober mit CHF 0,68 (EUR 0,5862) vergütet. Im Zuge der administrierten Vergütungspolitik wurde der Vorjahrespreis übernommen. Im B-Segment, welches für Milchpulver oder für Butter für den Export verwendet wird, ergab sich sogar eine Überraschung: Aktueller Richtpreis im September 2017, CHF 0,475 (EUR 0,4095). Bei dieser Qualität trat sogar eine Preissenkung von 0,2 Prozent ein (Vorjahrespreis CHF 0,474, bzw. EUR 0,4086).

Schweizer Butterproduzenten und der Einzelhandel verhindern Preiserhöhungen bei der Butter. Die Brachenorganisation “BO Butter GmbH” kritisiert die Schweizer Butterpreise welche seit 2011 unverändert sind und fordert eine Preiserhöhung von CHF 0,82 / kg (EUR 0,7069) oder rund 6,8 Prozent. Die Organisation sieht jedoch, dass aufgrund des erheblich günstigeren Weltmarktpreises eine Preiserhöhung bei den Konsumenten kaum durchsetzbar sei.

Text: Radovan Milanovic

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