PCG, die Dividendenperle unter Gläubigerschutz, lohnt sich eine Investition?

Grösster Energieversorger der USA unter Chapter 11

Die Feuersbrunst im Sommer 2018 war die grösste in der Geschichte Kaliforniens, gefolgt von einer weiteren im November des gleichen Jahres. Sie kostete neben Menschleben auch unzähligen Tieren das Leben. Der materielle Schaden an privaten Besitz und öffentlicher Infrastruktur sind immer noch nicht genau beziffert.

Der grösste Energieversorger der USA, die Pacific Gas & Electric Company (PG&E, NYSE: PCG) sieht sich neben eigenen Schäden mit Schadenersatzforderungen in Milliardenhöhe gegenüber. Die Ratingagenturen gingen bis anhin nicht davon aus, dass dieses Unternehmen untergehen könnte. Doch heute ersuchte PCG die Behörden um Gläubigerschutz nach „Chapter 11“ um die Gesellschaft zu reorganisieren.

"Sicherer" Anlagewert und Dividendenperle PCG unter Chapter 11

PCG: Hohe Schadenersatzansprüche – alles nicht so dramatisch wie befürchtet?

Worst Case Scenario

Unter dem Annahme, dass PCG sämtlichen Schadenersatzansprüchen von maximal USD 32 Mrd. nachkommen muss, ergäbe sich für PCG ein Net Present Value (NPV) in Form einer Netto-Verschuldung von rund USD 11 Mrd.; die 518,7 Mio. ausstehenden Aktien wären wertlos. Selbst PCG selbst scheint davon auszugehen, dass kein Nettovermögen mehr vorhanden ist.

Best Case Scenario

Analysten gehen jedoch von realistischen, abdiskontierten und steuerbereinigten Forderungen von ca. USD 14 Mrd. aus, welche in den kommenden Jahren fällig würden. Bei Annahme einer fairen Bewertung der Titel durch den Markt zum Durchschnittskurs der PCG-Aktien von USD 47,20 (01.01.2018 bis 30. Oktober 2018) errechnet sich ein Kursrückgang von USD 33,21 zum heutigen Tageskurs von USD 13,99. Der Markt preist somit Forderungen auf NPV-Basis von USD 17,2 Mrd. ein. Ausgehend von einem sofortigen Liquiditätsbedarf von USD 5,5 Mrd., dem Grund für den ersuchten Gläubigerschutz, ergibt sich eine Mindersubstanz von weiteren USD 10,62 pro Aktie, was zu einer „fairen“ Tagesbewertung von USD 3,37 (pro Aktie) führen würde.

Rentabilität von PCG stimmt – gefährlich hohe Verschuldung

Der offensichtliche Liquiditätsengpass wird durch behördliche Forderungen nach Sicherheitsinvestitionen im Betrage von 5,5 Mrd. verschärft, welche nicht aus eigenem Cash-Flow finanziert werden können. Die Utility Industrie weist aufgrund des hohen Investitionsbedarfs generell einen ungünstigen Verschuldungsgrad auf. Das Beispiel Pacific Gas und Electric spricht Bände. Ende September 2018 betrug PCG‘s Verschuldung USD 19,350 Mrd. (kurzfristige Verbindlichkeiten USD 943 Mio., langfristige USD 18,407 Mrd.), bei einer Marktkapitalisierung der Gesellschaft von nur USD 6,23 Mrd. Aufgrund des hohen Anteils langfristiger Verbindlichkeiten zur Gesamtverschuldung bleiben die Auswirkungen steigender Zinsen für PCG jedoch relativ gering.

Der Nettogewinn von PCG betrug in 2017 USD 1,646 Mrd. Die Gesellschaft geht von einem CAGR (Compund Annual Growth Rate = jährliche Wachstumsrate) von 7,0 bis 8,5 Prozent aus. Der erwartete Nettogewinn 2018, ohne Miteinbezug der gewichtigen Sonderfaktoren, dürfte USD 1,7 bis 1,8 Mrd. betragen.

Die auch unter europäischen Investoren beliebte „sichere“ Dividendenperle dürfte nun hohen Volatilitäten unterworfen sein. Dividendenzahlungen werden vorerst ausbleiben.

Text: Radovan Milanovic
Bild: pixabay, Creator: tookapic

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