Online-Händler im Glück – hartes Brot für Paketzulieferer

Online-Shopping Boom, täglich neue Anbieter…

Das Online-Geschäft boomt. Die Ladenumsätze fallen, die Käufer reizt das riesige Angebot und  die Möglichkeit die global die Preise zu vergleichen. Amazon berichtet, im 1. Quartal 2017 (Q1 2017) eine Steigerung der Nettoverkäufe von 23 Prozent auf USD 35,7 Mrd. im Vergleich zur Vorjahresperiode.  Für das laufende 2. Quartal 2017 (Q2 2017) erwartet der Konzern eine weitere Steigerung des Umsatzes bis 5,7 Prozent (+ 16 bis + 24 Prozent zu Q2 2016).

eBay’s Quartals-Umsätze stagnieren seit 2015 zwar zwischen USD 20,1 und USD 22,3 Mrd. Newcomer Zalando SE legt ein eindrückliche Umsatzwachstum (n.b. mit tiefen Basiswerten) vor: In den Geschäftsjahren 2014, 2015 und 2016 stieg dieses um 26, 33,6 bzw. 23,0 Prozent auf EUR 3,6 Mrd. In Q1 2017 stieg der Umsatz auf EUR 971 bis EUR 987 Mio. (Wachstumsrange 22,0 bis 24,0 Prozent).  Am 18. Juli 2017 wird Zalando die neusten Finanz-Facts publizieren. Die drei Beispiele zeigen die Verschiebung des Handels zum Online-Shopping. Und täglich drängen neue Shops auf den Markt welche auch um Marktanteile kämpfen.

…und wie steht’s mit der Logistik beim Online-Shopping?

Oft harzt es bereits im eigenen Shop. Wir kennen die Zeitungsmeldungen über Streiks wegen Niedriglöhnen und Arbeitsbedingungen  “gewisser” Online-Konzerne.

Das gekaufte Produkt verlässt nach der Verpackung den Online-Händler. Wie weiter? Der Paketdienstleister übernimmt die Ware zum Auslieferung an den Käufer. Sollte man meinen. Doch beim Beispiel eBay (sh. Screenshot) ist ein neuer Trend offensichtlich: Die gekauften Artikel werden immer seltener dem Empfänger zugestellt. Nein, dieser muss den Kaufgegenstand bei einer “Abholstation” abholen. Wieso das?

Paketzusteller: Stress, steigender Druck und mieser Lohn

Im Gespräch mit zwei Paketzulieferern bringt mich zur harten Realität des Berufs. Die letzten Glieder des Online-Geschäftes, die Paketzusteller, arbeiten zumeist zum Mindestlohn von EUR 8,50 / Stunde. Subunternehmer zahlen oft weniger. Tage mit Arbeitszeiten von 12 bis 15 Stunden sind an der Tagesordnung. In eher ländlichen Gebieten mit teilweise längeren Anfahrtswegen wurde ihnen 20 bis 25 Auslieferungen pro Tag zugeteilt. Eine Aufgabe welche die beiden in der vorgegebenen Arbeitszeit erledigen konnten. Doch der Druck nahm zu: Jetzt müssen sie 40 bis 60 Kunden pro Tag beliefern. Ein Ding der Unmöglichkeit. Ihr Zeitdruck ist so gross, dass nicht bei allen privaten Empfängern ein Zustellversuch gemacht, sondern sogleich die Benachrichtigung ausgefüllt wird.

Der Gruppenleiter – eines Paketdienstleisters – gab sogar zu, dass private Empfänger von Paketen – in der Regel Online-Shopper – nicht mehr aufgesucht, sondern ihre Sendungen direkt bei der Abholstation bis zur Abholung gestapelt werden. Das bestätigt den Trend bei eBay: Immer mehr Anbieter von Produkten lassen ihre Online-Shopper im Regen stehen. Dieser ist gezwungen, an besagtem Ort während der beschränkten Öffnungszeiten sein Paket abzuholen. Bis die Zustellung per Drohne funktioniert, fliesst noch viel Wasser den Rhein hinuter. Eine Entwicklung welche einige von uns wieder zum Shoppen in Ladengeschäfte führen dürfte.

Autor: Radovan Milanovic
Quelle:   Amazon.com, eBay Inc., Zalando SE, eigene Recherchen

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