Ob 2008 oder 2018, die Banken bleiben unter Druck

Bankenbranche und Systemrelevanz in 2018

Seit 2008 schrumpfte die Finanzbranche dramatisch. Der Aderlass von Banken und -angestellten bestätigt auch der deutsche Bankenverband: Gab es 2008 noch 11.560 Bankfilialen und private Banken, waren es 2016 nur noch 9.407 ( -18,60 Prozent). Die mangelnde Krisentauglichkeit des Bankensystems ging 2008 vor allem von grossen und vernetzten Instituten aus, welche wegen von ihrer Systemrelevanz profitieren konnten. In der Zwischenzeit zogen sowohl die EZB, als auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) die Schrauben an. Sie zwangen die Finanzinstitute zur höher Liquidität- und Eigenkapitalpolstern. In der Folge klassiert die Bafin nur noch 13 Institute als systemrelevant ein. Die “too big to fail” Definition mag zwar für die Bankenaufsichtsbehörde gelten, doch wie sieht es mit dem Vertrauen der Öffentlichkeit in die Banken aus? Die neueste Umfrage einer namhaften Zeitung zeigt auf, dass ganze 91 Prozent der Befragten den Banken nicht mehr vertrauen als in 2008. Mangelndes Vertrauen deutet auf schwache Kundentreue hin.

Bankenplatz Frankfurt mit der EZB

Systemrelevanz in brisanterem Umfeld?

Dank der Flutung der Märkte mit kostenloser Liquidität türmte sich die globale Verschuldung von 280 auf 318 Prozent des BIP (Bruttoinlandprodukt) auf. Während die EZB am 29. August 2018 den Rückgang der Vermögen der EU-Finanzbranche im März 2018 um -3,5 Prozent (yoy) auf EUR 32,781 Bio. bezifferte. Die Statistik umfasste 386 Banken Gruppen sowie 2.855 unabhängige Kreditinstitute.

Entwicklung der Vermögenswerte in Mrd. EUR von Finanzinstituten mit Sitz in der EU

Wohl verzeichnet die Finanzbranche seit 2008 eine signifikante Reduktion der Non-Performing Loans (NPL), also der faulen Kredite, in ihren Bilanzen auf 3,9 Prozent der Bilanzsumme, was sehr erfreulich ist. Doch die Bilanzsummen blähen sich mit neuen Hypothekarkrediten auf. Mit dem schleichenden Wegfall der EZB-Marktbereinigungen am Schuldnermarkt sowie kommender Zinsrisiken kann sich das Blatt schnell wenden. Denn die tiefen Zinsen lockten viele Bürger – ohne genügende private Liquiditätsreserven – in den Immobilienmarkt. Ein Kippen der Stimmung und aus Hypothekarkrediten werden Hypothekarrisiken. In einem solchen Fall kann sich die NPL-Rate leicht verdoppeln.

Rentabilität und Konkurrenzfähigkeit vs. Systemrelevanz – Schrumpfung der Finanzindustrie geht weiter

Mit der Digitalisierung des globalen Bankings verzeichnen konventionelle Banken einen Aderlass an Kunden zu Gunsten von eBanking Unternehmen. Online Banking ist keine kurzfristige Zeiterscheinung sondern eine wachsende Finanzmacht, welche grenzüberschreitend mit minimalen Fixkosten arbeitet. Grossbanken und Old Economy Institute hingegen wälzen die Kosten der hohen Kostenblöcke wie kostenträchtige Niederlassungen und Filialen, Verwaltung-, eigenen EDV-Abteilungen und teuren Arbeitsplätzen in Form steigender Kontogebühren und Transaktionskosten auf ihre Kunden ab.

Die breite Verfügbarkeit von Informationen durch das Internet zwingt Old Economy Banking zu radikalem Wandel, wollen sie ihren Anschluss nicht verpassen. Denn Kostensensivität der Bankkunden steht vor Kundentreue.

Braucht ein Land eine grosse Anzahl systemrelevanter Banken mit gleichen mit grösstenteils überlappenden Dienstleistungen? Wohl kaum. Diese Auffassung vertritt auch Finanzminister Olaf Scholz, welcher sich ein Zusammenschluss der Deutschen Bank (DB) mit der Commerzbank vorstellen kann. Im Interview mit dem “Spiegel” befürwortete Commerzbank’s CEO, Martin Zielke einen baldigen Merger. Die DB hingegen sehe jedoch in den nächsten 18 Monaten keinen Handlungsbedarf. Noch vor Monaten tönte es ganz anders: DB’s John Cryan gab sich offen für eine Fusion. Ein Merger wäre tatsächlich die einzige Möglichkeit, beide Institute in deutscher Hand zu halten. Ein Zusammenschluss wird zu einem grösseren Stellenabbau führen und ist somit eine politische Entscheidung. Nach eigenen Angaben beschäftigten die Deutsche Bank und die Commerzbank Ende 2017 97.535, resp. 48.870 Mitarbeiter.

Interessant zu wissen, was der Bund mit seinem 15 Prozent Commerzbank Investment plant (Einstandspreis EUR 25,76, aktueller Kurs EUR 8,80), denn CoBa’s Börsenkapitalisierung beträgt nur noch EUR 12,48 Mrd. (Deutsche Bank 23,18 Mrd.).

Text und Bild: Radovan Milanovic

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