Notre-Dame in Paris, Industrie und Handwerk winken ein Milliardenauftrag

Der französische Präsident, Emmanuel Macron, hegt mit seiner Aussage, die Kathedrale Notre-Dame in Paris in fünf Jahren zu erbauen, ein äusserst hohes Ziel. Selbst der Regierungsbeauftragte für das kulturelle Erbe sieht einen realistischen Zeithorizont von zehn bis 20 Jahren für den Wiederaufbau von Notre-Dame. Obwohl der Schaden des tragischen Ereignisses kaum in Zahlen beziffert werden kann, überbieten sich Spender aus aller Welt – natürlich vor allem aus Frankreich – mit der Höhe ihrer Grosszügigkeit zur Finanzierung des Wiederaufbaus dieses Kulturerbes.

Notre-Dame in Paris, Industrie und Handwerk winken ein Milliardenauftrag

Nicht ganz so eigennützige Hilfsbereitschaft grosser französischer Unternehmen

Ob die Notre-Dame Arbeiten nun „mehrere hundert Millionen“ oder „mehrere Milliarden“ Euro verschlingen werden, der Kampf um Anteile am riesigen Bauvolumen wird hinter den Kulissen bereits begonnen haben. Bereits am Mittwoch beriet das französische Kabinett den ganzen Tag über die nationale Spendenaktion und den Wiederaufbau von Notre-Dame. Bis heute dürften bereits Spendenzusagen von rund EUR 1 Mrd. eingegangen sein. Premierminister Edouard Philippe versicherte, dass der Inhalt des Spendentopfs unter der Leitung des Rechnungshof Präsidenten verwaltet und nur für den Wiederaufbau der Kathedrale selbst verwendet werden wird. Willensäusserungen (potenzieller) Spenden bedeuten nicht automatisch, dass die Versprechen (vollständig) eingehalten werden. In diesem Falle jedoch dürften zumindest die (grossen) französischen Spender ihr Wort halten. Denn die französische Regierung setzt geschickt auf die Karte „Patriotismus, welcher belohnt wird.“

Private können in Frankreich ihre Spende bis EUR 1.000 zu 75 Prozent und ab diesem Betrag 66 Prozent davon steuerlich geltend machen. Bei Unternehmen beträgt dieser Satz 60 Prozent. Aufgrund des französischen Steuertarifs für Gesellschaften (Impôt sur les Sociétés) lassen sich Dank der „grosszügigen Spende“ gar die Körperschaftssteuern optimieren, wenn die Höhe der “Grosszügigkeit” so bemessen wird, dass der steuerpflichtige Gewinn in die tiefere Steuerklasse fällt. Für das Jahr 2019 unterliegen steuerpflichtige Gewinne von Gesellschaften bis EUR 500.000 einem Steuersatz von 28 Prozent, ab EUR 500.000 einem Satz von 33,33 Prozent.

Neben Steuervergünstigungen dürften spendablen französischen Unternehmen auch eine riesige Portion Goodwill und Patriotismus der Franzosen auf einheimische Produkte (Fabriqué en France) winken.

Erste Auftragsvergaben zum Aufbau von Notre-Dame werden bald stattfinden

Grosse französische kotierte Unternehmen wie der Baukonzern Bouygues S.A. (Baugesellschaft EN.PA EUR 35,00) und Compagnie de Saint-Gobain S.A. (Flachglas, Baustoffe, Industriekeramik – GOB:FP EUR 36,87) werden sicher den Löwenanteil am Wiederaufbau erhalten, bestimmt jedoch auch ausländische Anbieter von Baustoff-Chemikalien wie der SIKA AG (SIKA – EUR 132,70).

Daneben werden auch Aufträge an Handwerksbetriebe für künstlerische und kulturelle Arbeiten anfallen. Doch die Vereinigung von Handwerkern und Kunsthandwerkern gibt zu bedenken, dass es Mangel an Fachkräften wie Steinmetze, Zimmerleute und Dachdecker herrsche. Eine Möglichkeit wäre dabei, auf Spezialisten aus Italien (sakrale Bauten) und Polen (historische Bauwerke) zurück zu greifen. In diesem Zusammenhang dürften auch auf Handwerker spezialisierte Head-Hunters wie Adecco Group AG (ADEN -EUR 52,60) am Ereignis teilhaben.

Text: Radovan Milanovic
Bild: pixabay, Creator: LeifLinding

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