Neues Businessmodel “Fluggastrechte einfordern”

Fast jekami im EU-Flugbusiness

Fast jeder kann mitmachen (jekami) und eine Fluggesellschaft gründen. Ist das nötige Kleingeld vorhanden, stehen die Türen weit offen, um in der EU eine Airline zu gründen und im Binnenmarkt gewerblichen Flüge anbieten und betreiben zu können. Die Verordnung (EG) Nr. 1008_2008 des Europäischen Parlaments und des Rates definiert, den Begriff “europäische Airline”.

Wichtigste Bedingungen zur Erlangung einer Betriebsbewilligung eines Flugbetriebs innerhalb der EU

  • Hauptsitz in EU-Mitgliedsstaat
  • Heimatland der Airline erteilt die Betriebsgenehmigung sowie das notwendige Luftverkehrsbetreiberzeugnis (Air Operator Certificate = AOC)
  • Beweis der Verfügbarkeit von einem oder mehrerer Luftfahrzeuge in Eigentum oder via Dry-Lease
  • Sinn und Zweck der (Airline-)Gesellschaft: Haupttätigkeit von Flugdiensten
  • Mitgliedsstaaten und/oder Staatsangehörige von EU-Mitgliedsstaaten müssen mit mehr als 50 Prozent an der Gesellschaft beteiligt sein und sie kontrollieren

Diesbezüglich stellt sich auch die Frage nach dem “wie weiter” nach dem Brexit mit EasyJet, ist doch die Airline ein London ansässiger, britischer Flugbetreiber. EasyJet besitzt zwei Töchter, die easyJet Switzerland und easyJet Europe (Sitz Wien). Ryanair hat dieses Probleme nicht, da die Gesellschaft in Irland eingetragen ist.

Fluggastrechte, Flugzeug Ankunft und Abflug am Flughafen

Europa: Gründungen neuer Billig-Airlines am Laufmeter zur Deckung der Mobilitätsbedürfnisse

  • Deutschland: Condor fliegt ab Sommer 2018 für “Thomas Cook Balearics”: Mittel- und Langstrecken
  • Frankreich: “Joon” mit Sitz in Paris (die Billig-Tochter der Air France), Gründung im Juli 2017
  • Schweiz: Ein ehemaliger Ryanair Pilot und drei Partner aus der Flugbranche planen ab 2019 unter dem Projektnamen “Swiss Skies”, Billig-Langstreckenflüge anzubieten. Vorerst läuft die Suche nach Kapitalgebern um ein Mindestkapital von USD 100 Mio. zu schaffen
  • Österreich: Anisec Luftfahrt GmbH, Wien gegründet November 2017, eine Tochter der International Airlines Group (IAG)), fliegt als Billigfluggesellschaft “Level”

Starkes Reisewachstum überfordert Flug-Infrastruktur

Das Flug-Verbraucherportal Flightright.de untersuchte die Wartezeiten an deutschen Flughäfen. Im ersten Halbjahr 2018 mussten die Passagiere eine Wartezeit von 2.964 Tage – oder insgesamt 8 Jahre – als Folge von Flugverspätungen in Kauf nehmen. Als Folge von Flugausfällen und Flugverspätungen entstanden in Deutschland in dieser Zeit insgesamt EUR 448 Mio. an Entschädigungsansprüchen.

Die Untersuchung befasste sich auch mit den Ausfällen der Flüge auf deutschen Flughäfen. Von Januar bis Ende Juni verzeichneten die beiden Berliner Flughäfen Schönefeld (1,6 Prozent aller Flüge fielen aus) und Tegel (1,5 Prozent) zahlenmässig am meisten Flugausfälle. In Prozenten aller Flüge lag Paderborn mit 4,4 Prozent aller Flüge an der Spitze, gefolgt von Dresden mit 3,5 Prozent und Leipzig mit 3,2 Prozent.

Flugverspätungen und Flugausfälle – teurer Spass für Fluggesellschaften

Fluggesellschaften sind für die Beförderung von Fluggästen nach den vertraglichen Bedingungen verantwortlich. Trotz der grossen Verantwortung kommen diese ihren vertraglichen Verpflichtungen nicht immer oder nur ungenügend nach. Mit der EU-Verordnung (EG) 261/2004 des europäischen Parlamentes und des Rates vom 11. Februar 2004 schuf die EU im Sinne des Verbraucherschutzes Regelungen, nach denen die betroffenen Fluggäste entschädigt werden.

Neueste Technologien in der Anwaltsbranche – lohnende Geschäfte

Legal Tech Software unterstützt und automatisiert juristische Arbeitsprozesse wie das Einfordern von Fluggastrechten. Das Ziel von Legal Tech ist die Schaffung effizienterer Alternativen oder automatisierter Rechtsdienstleistungen. Mit Hilfe gesammelter Daten des Flugverkehrs wie Streiks, Wetterangaben… können Ansprüche von Fluggästen innert Kürze online beurteilt werden.

Anwaltschaftlicher Forderungseinzug bei Flugverspätungen / – ausfällen ist für Dienstleister ein profitables Geschäft: Bekannte Vertreter dieser Branche sind unter anderem Claimflights.de, Euclaim.de (Erfolgsentgelt: 22,5 Prozent + MwSt.), FairPlane.de (0 bis 42 Prozent + MwSt.), Fairplane.de, Flightright.de und Flugrecht.de (20 bis 30 Prozent +MwSt.), refund.me (25 Prozent + MwSt.)… Cancelled.ch mit der Flatrate von 20 Prozent ist im mittleren / höheren Entschädigungs-Forderungsbereich der günstigste Anbieter.

In der Summe können anwaltschaftliche Erfolgsentgelte hochprofitable Geschäftsmodele mit hohem Ausbau- und Wachstumspotenzial sein, denn die Anzahl (geplanter) Flüge wird weiter zunehmen und zu noch grösserer Überlastung und einer noch höheren Anzahl von Flugverspätungen sorgen. Der kompetitiv bedingte Kostendruck der Airlines wird zudem auf das Bordpersonal weiter gegeben und den sozialen Frieden stören (Streiks, Arbeitsniederlegungen…).

Text und Bild: Radovan Milanovic

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