Nach Instagram folgt Facebook, wer ist der Nächste?

Timing der Enthüllung stellt grosse Fragezeichen

Seit Anfang 2017 ist bekannt, dass Präsident Trump seine Präsidentschaft dank sozialer Medien gewonnen hat und dass “irgendwie Cambridge Analytica” der Erfolgsgarant war. Über ein Jahr herrschte “business as usual”. Die Enthüllung über die Benutzung angehäufter Daten und kommerzielle Verwendung lässt Fragen nach dem Timing der Veröffentlichung der Hintergrundgeschichte offen. Wieso jetzt? Geht es um politische Motive? Und wird Facebook (FB) als “Kollateralschaden” in Kauf genommen? Politik und Gerichte dürften sich noch ausführlich mit dem “Fall FB” beschäftigen. Bereits sind erste Schadenersatzklagen bei Gerichten eingegangen.

Die US-Börsenaufsichtsbehörde SEC dürfte sich in den kommenden Tagen zudem auch damit beschäftigen, welche Vorabinformationen Mark Zuckerberg hatte und wann er wieviele Aktien vor dem Kursrückgang als Insider veräusserst hat.

Big Data Gefahren wohl bekannt, doch verharmlost

Dem Kauf von WhatsApp im Oktober 2014 folgte die Angst der Benutzer, dass FB die Mitglieder-Daten der Kommunikationsdienstleisters benützen und in FB integrieren (= verwenden) könnte. US-Gerichte bewilligten den Kauf von WhatsApp nur unter der Bedingung, dass die Datenbestände beider Unternehmen nicht zusammen geführt werden dürfen. Mark Zuckerberg, der Gründer und CEO von FB, versprach diese Bedingung einzuhalten. Wohl auch um den beginnenden Aderlass von WhatsApp-Mitglieder und somit einem Wertverfall der Gesellschaft entgegenzuwirken. Was blieb, waren leere Versprechungen. In 2012, als Facebook die Plattform Instagram für USD 1,0 Mrd. erwarb, war Big Data in der Öffentlichkeit noch kein Thema. Deshalb bekennt sich Instagram noch heute auf ihrer Webseite unverblümt dazu, ihre Daten zum “Wohle der Mitglieder” mit FB zu teilen.

Sozialen Netzwerken werden gutgläubig und kostenlos Unmengen (vor allem) private Informationen und Daten anvertraut. Deshalb haben sich sie zu den grössten, globalen Datenquellen mutiert. Das Datenwirrwar wird entwirrt, sortiert und als Big Data der Industrie zu Werbezwecken und / oder zur weiteren Verwendung angeboten.

Facebook-Aktien in Ausverkaufsstimmung

Wie verletzlich Aktien von soziale Medien sind, zeigte das Beispiel von Snapchat (SNAP), welche auf eine Kritik über den kurzfristigen Ausfall der Kommunikationsplattform durch die Sängerin Rihanna am 16. März 2018 an der Börse 3,64 Prozent verlor. Mit einem Kommentar wurde ein Börsenwert von USD 800 Mio. verbrannt. Seither dümpelt die SNAP-Aktie leicht nachgebend vor sich hin, nachdem sie alleine im Februar 28,1 Prozent zulegen konnte.

Facebook ist jedoch eine ganze andere Nummer als SNAP. Bei Goliath FB könnten die Dämme brechen und die Aktien zum Spielball von Baissiers werden. Die letzten Hedge-Funds dürften in der Zwischenzeit ihre Positionen aufgebaut haben. Von den 18 wichtigsten technischen Indikatoren zeigen 17 ein starkes Verskaufsignal, einzig die 10-tages Durchschnittslinie, welche eine mittelfristige Kursprognose anzeigt ist noch im grünen Bereich. Basierend vom FB-Schlusskurs von USD 168,15 (-4,41 Prozent), steht der klassische Pivot Punkt, als auch der Fibonacci-Kurs bei USD 164,82. Da die FB-Aktien im ausserbörslichen Handel bereits auf USD 165,10 ( – USD 3,05) gefallen ist, dürfte – zumindest kurzfristig – trotz exzellenter Geschäftsergebnisse ein weiterer Kursverlust unvermeidlich sein. Aufgrund der hohen Gewichtung im Leitindex Nasdaq 100 dürfte das FB-Kursverhalten auch andere Tech-Titel beeinflussen.

Neuorientierung bei der Bewertung von FB-Börsenkursen wahrscheinlich

Die Entwicklung der vergangenen Tage dürfte dazu führen, dass die FB-Aktie nicht mehr nach den Kriterien eines High-Tech Unternehmens auf der Basis mittlerer, zweistelliger Wachstumserwartungen bewertetet werden dürfte. Mit grosser Wahrscheinlichkeit wird die Spekulations- und Hoffnungskomponente im FB-Kurs wegfallen. In Zukunft dürften die Aktien nach Massgabe ihrer Substanz- und reellen Gewinnerwartungen, also auf der Basis klassischer Bewertungskriterien, gehandelt werden.

Text: Radovan Milanovic

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