Nach Genua – Autobahn-Brückensanierungen, der neue Kostenblock und die Profiteure

Genua und die Konsequenzen

Aktien italienischer Autobahn Betreiber

Der Einsturz der Morandi-Brücke in Genua hat eine Flut von Schuldzuweisungen ausgelöst. Die Kritiker von Autobahnprivatisierungen bekommen wieder Aufwind, denn sie sehen sich darin bestätigt, dass die Autobahn Betreiber ihrer Verantwortung nach Sicherheit der betriebenen Infrastruktur nicht nachkommen. 88 Prozent des italienischen Autobahn Betreibers “Autostrada per Italia” werden durch Atlantia S.p.A. gehalten. Die Gesellschaft betreibt 3.100 Autobahnkilometer, 262 Mautstellen und deckt 56 Prozent des gebührenpflichtigen italienischen Autobahnnetzes ab. Sie managed auch Autobahnen in Brasilien, Chile, Indien und Polen sowie Flughäfen in Frankreich sowie die beiden Flughäfen von Rom, nämlich Fiumicino und Ciampino

Atlantia-Aktien verloren nach dem tragischen Ereignis am 14. August 2018 -28,5 Prozent (auf EUR 18,0). Auch die Papiere anderer Autobahn Betreiber (Mautkassierer), die italienische SIAS S.p.A. und ASTM S.p.A. konnten sich der Stimmung nicht entziehen. Sie verloren -13,9 Prozent auf EUR 11,94, bzw. -19,1 Prozent auf EUR 17,71.

Atlantia Aktie in EUR

Atlantia Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Die Zukunft von Atlantia, SIAS und ASTM

Der Rückversicherer Swiss Re ( +1,2 Prozent auf EUR 76,48) bestätigt, der wichtigste Versicherer der “Autostrada per Italia” zu sein. Der Schaden dürfte Swiss Re rund EUR 500 Mio. kosten. Doch vorerst stehen langwierige Untersuchungen nach den Verantwortlichkeiten bevor. Unter anderem, ob die Betreiber den notwendigen Unterhaltspflichten nachgekommen sind. Erste politische Stimmen fordern, dass die Kontrolle des italienischen Autobahnnetzes wieder in die Hände des Staates gelegt werden soll. Durch die Finanzholding Sintonia S.p.A. hält die einflussreiche Familie Benetton 30,25 Prozent an Atlantia. Doch der Modeclan dürfte mit seinem politischen Einfluss in Rom dafür sorgen, dass seine Vermögenswerte nicht angegriffen werden.

 

Erheblicher Auftragsschub in Deutschland

Der Autobahn-Brückeneinsturz in Genua führte zu einer Schockwelle in der Öffentlichkeit. Eines ist klar: Den grossen Bauunternehmern und -zulieferern winken bedeutende und langfristige Auftragseingänge durch die öffentliche Hand, da die Risiken neu bewertet werden. Die Bundesanstalt für Strassenwesen (BAST) verwaltet die Sicherheit von rund 39.500 Brücken mit einer Gesamtlänge von 2.100 Kilometer in Deutschand. BAST beurteilt die Sicherheit von fast 2 Prozent der Brücken als “ungenügend”, knapp 11 Prozent als “nicht ausreichend” und rund 75 Prozent als “befriedigend.” Der deutsche Bundeshaushalt sieht für Brückensanierungen EUR 1,2 Mrd. pro Jahr vor.

Profiteure der Erneuerung und Sanierung von Infrastrukturprojekten

  • Statt als Profiteur einer Sanierungswelle erweist sich Hochtief AG (EUR 138,50, -8,8 Prozent) als Risikokandidat. Denn seit April 2018 ist Hochtief (mit der italienischen Atlantia) Miteigentümer des spanische Autobahnbetreibers Abertis. Im Zuge der Diskussion von Entprivatisierungen privater Autobahnbetreibern kamen Hochtief-Aktien unter Druck. Das Kerngeschäft, also der Strassenbau, dürfte jedoch für volle Auftragsbücher sorgen
  • Ed. Züblin AG, eine Tochter der österreichischen Strabag SE (EUR  32,80, -0,5 Prozent), ist spezialisiert auf den Strasen- und Autobahnbau. Die Aktien weisen eine Dividendenrendite von 4,24 Prozent auf. Strabag wird als zyklischer Wert mit einer relativ tiefe Bewertung (KGV 10,2 für 2020e) gehandelt
  • ThyssenKrupp: Zusätzliches Auftragsvolumen für Infrastrukturprojekte dürften Minderexporte aufgrund der US-Zölle wettmachen. Doch der Konzern steht vor tiefgreifenden Restrukturierungsmassnahmen. Solange die Zielrichtung des Unternehmens nicht bekannt ist, dürften die Strukturrisiken überwiegen (EUR 19,35, -4,3 Prozent)
  • Sika AG: Die Produkte des erfolgreichen schweizerischen Herstellers von Spezialitätenchemikalien für die Bauwirtschaft sind auch im Strassenbau unverzichtbar. Der Chemie-Konzern arbeitet mit hohen Margen und expandiert weltweit aggressiv durch den Aufkauf lokaler Produzenten (EUR 121,30, -0,1 Prozent)

Text: Radovan Milanovic

Sämtliche aufgeführten Kursperformances betreffen den Zeitraum vom 13. bis 17. August 2018

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