N26 auf dem Siegeszug

Bafin sieht die Zukunft des Bankgewerbes in Plattformen

Der Präsident der Bafin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) sprach am 28. Mai 2018 in Bochum über den Veränderungsdruck, dem die gesamte Finanzwelt ausgesetzt ist. Da niemandem bekannt sein dürfte, wohin die Reise geht, fasste er seine Erwartungen in fünf Thesen zusammen. Kurz: Kein Weg geht an der Digitalisierung vorbei, die Entwicklung wird den Gesetzgeber und die Aufsichtsbehörden vor neue – noch nicht bekannte – Herausforderungen stellen. Doch die Aussage, dass im Finanzmarkt die Wertschöpfungsketten aufgespalten und dezentralisiert wird und diese Chancen im Bankgeschäft durch Newcomer und Bigtechs übernommen werden, lässt aufhorchen. Die Bafin als oberstes Bankenaufsichtsorgan geht im Klartext von einer noch nie dagewesener Schrumpfung konventioneller Banken, ja einem “Open Banking”, aus. Sei es aus Kostengründen, aber auch, da die Hürden für kleinere und mittlere Finanzdienstleister sich zu einer Plattform weiter zu entwickeln zu hoch sind und sie deshalb nicht mithalten können.

N26 mit Raketenstart von Berlin aus in die ganze Welt

Genau diese Bank-Plattformtechnik trägt zum Erfolg der Online-Bank bei. Gegründet im Februar 2013 und gestartet am 26. Januar 2015, erhielt die Bank die Vollbanklizenz am 21. Juli 2016 durch die BaFin und die EZB. N26 ist bereits in 17 Ländern der Euro-Zone tätig und plant in diesem Jahr den Markteintritt in den USA und Grossbritannien. Die Plattform gewinnt täglich mehr als 2.500 Neukunden. Bereits vertrauen über 1 Mio. Kunden der Plattform. Das Managament geht davon aus, dass bis 2020 der Kundenbestand 5 Mio. überschreiten wird. Zu den Investoren, welche bereits USD 215 Mio. ins Unternehmen eingebracht haben, gehören prominenteste Risikokapitalgeber der Tech-Szene wie Allianz X, Tencent Holdings, Battery Ventures, Earlybird Ventures, Horizons Ventures, Redalpine Ventures, Peter Thiel’s Valar Ventures, verschiedene Business Angels unter anderem das Gründerteam der Zalando S.

Gebührenerhöhungen könnten die Kundenausweitung zumindest in Deutschland bremsen

Aufgrund der grossen Kundenzufriedenheit: Online-Kontoeröffnung auf dem Mobile-Phone innert Minuten, kostenlose Mastercard und Maestro Karte, Bargeldbezug an allen Bankomaten… benützen N26-Kunden die Mobile-App durchschnittlich mehrere Male pro Woche. Auf diese Weise ist der Monatsumsatz bereits auf EUR 1,0 Mrd. angewachsen. Für den amerikanischen Markt sieht die Bank aufgrund der grossen Mobildichte ein sehr hohes Kundenpotenzial.

Die Euphorie der Beteiligten nahm am 19. Juni 2016 jedoch ein jähes Ende: N26 erhöhte die Monatsgebühr von EUR 5,90 auf EURR 9,90 für das N26 Black-Abo (“Girokonto für Vielreisende”) und für das N26 Metal-Abo (“einzigartiges Girokonto, um ein Statement zu setzen”) um EUR 2,00 pro Monat auf EUR 16,90. Mit der Erhöhung der Gebühren hat sich die Bank einen schlechten Gefallen getan. Denn konventionelle Banken wie die Postbank, die Commerzbank,… bieten Filialen, einen Schalterservice und kostenlose Kontoführung. Stellt sich die Frage, wie N26 ohne diese Dienstleistungen ihre Gebühren rechtfertigt.

Text: Radovan Milanovic

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