Die Grundlagen der Modern Portfolio Theory von Harry M. Markowitz

Annahmen der Modern Portfolio Theory

Der amerikanische Ökonom ging davon aus, das alle Anleger für die Entscheide der Investitionen die gleichen Informationen zur Verfügung haben. In seinen Annahmen setzte einen idealen, perfekten Markt ohne Insider voraus. Dabei gehen alle Investoren von gleichen Annahmen aus. Somit erwirtschaften sie gleiche Renditen.

Kernpunkte der Modern Portfolio Theory

• Anleger investieren nach dem Grundsatz der höchsten Rendite, angelegt nach seinem gewählten Risikoprofil
• Investoren können zur Optimierung der Rendite Kredite aufnehmen und vergeben. Zu risikoneutralen Zinsen (Risk free Rate)
• Alle Anleger gehen von gleichen Erwartungen der Renditen aus
• Der Investitionshorizont (Anlagedauer) ist bei allen Anlegern derselbe
• Beim Kauf oder Verkauf der Anlagen entstehen keinerlei Kosten. Es fallen auch keine Steuern an. Falls trotzdem Kosten entstehen, betragen diese weniger als 1 Prozent. Somit können sie vernachlässigt werden
• Die Investitionsperiode ist frei von Inflation. Auch findet keine Änderung der Zinsrate statt. Oder die Inflation ist antizipiert und somit in den Märkten bereits eingepreist.
• Die Kapitalmärkte sind im Gleichgewicht. Es bestehen keine Marktverzerrungen. Alle Anlagen werden – gemäss der Risikoeinschätzung und Marktkonditionen – durch die Marktteilnehmer korrekt bewertet

Wir wissen, dass solche “ideale Märkte” in Wirklichkeit nicht existieren. Trotzdem gilt die Entwicklung der Modern Portfolio Theory als Meilenstein der professionellen Vermögensverwaltung.

Die Entwicklung der Modern Portfolio Theory von Markowitz führte zu weiteren Anwendungen. Diese konnten in der Praxis angewandt werden. Wie der Single Index-Modell (SIM), dasCapital Asset Pricing Model (CAPM) und die Arbitrage Pricing Theory (APT). Definitionen und Beispiele dieser Theorien und Formeln werde ich unter der Rubrik “Wissen” zu einem späteren Zeitpunkt gesondert besprechen.

Text: Radovan Milanovic

Pressemeldung von Valorvest Vermögensverwaltung, Stuttgart:

Moderne Portfoliotheorie und Soziale Medien: Wenn

Markowitz getwittert hätte?

Als Harry M. Markowitz in den 60er Jahren mit der Portfolio Selection Theorie den Grundstein der Modernen Portfoliotheorie legte, gab es das Internet und die Sozialen Medien, die heute aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken sind, schlichtweg nicht. Wirtschafts- und Börsendienste hatten eine Informationshoheit inne, die dazu führte, dass nur das was berichtet wurde, in der Öffentlichkeit überhaupt stattfand. Insiderwissen war an der Börse heiß begehrt und viele Broker bauten darauf ihr Geschäftsmodell auf.

Seiner Theorie legte Markowitz das idealtypische Modell des „homo oeconomicus“, eines rational handelnden Investors, zu Grunde. Die Folge: Würden sich alle Investoren bei der Informationsverarbeitung völlig rational verhalten, dann folgten die Kurse einem Random-Walk und könnten aus einer Analyse der Vergangenheitsdaten nicht prognostiziert werden. Ein wichtiger Faktor dafür ist das Vorliegen der strengen Informationseffizienz: in diesem Zustand wären alle verfügbaren Informationen – auch Insiderinformationen – in den aktuellen Aktienkursen enthalten.

In der Spezialdisziplin der Verhaltensökonomie, der Behavioral Finance, wurden bereits zahlreiche, teils massenpsychologisch-geprägte Phänomene untersucht, durch die nachgewiesen wurde, dass es in der Praxis effiziente Märkte auf Basis rational handelnder Investoren nicht gibt. Markt- und Renditeanomalien sind in der Praxis an den Finanzmärkten die Folge. Leisten nun Soziale Medien nicht aber einen wichtigen Beitrag zur Ökonomisierung von Anlageentscheidungen?

Zumindest theoretisch wäre dies denkbar. Denn durch die Schnelligkeit des Internets sind Informationen an jedem Ort der Welt nahezu zeitgleich verfügbar, und in Zeiten der „Ad-hoc-Publizität“ werden Investoren gewissermaßen parallel mit Informationen versorgt. Dagegen sprechen in der Praxis der Sozialen Medien jedoch gleich mehrere Faktoren:

– So werden in Sozialen Medien Informationen auf Basis von Algorithmen – zum Teil sogar individualisiert – vorselektiert. Algorithmen, Filterblasen und Echokammern verhindern, dass alle Anleger zum gleichen Zeitpunkt über Soziale Medien den gleichen Informationsstand erreichen.

– Die Informationsflut in den Sozialen Medien erfordert ohnehin eine gewisse Vorselektion – ein bestelltes Feld für selektive Wahrnehmung.

– Die Schnelligkeit, mit denen Informationen übers Internet in die Sozialen Medien übertragen und dort multipliziert werden, verführt tendenziell geradezu zum emotionalen Handeln. Massenpsychologische Effekte, wie ein durch Panik oder Gier ausgelöster Herdentrieb, verhindern eine eingehende, Bauchgefühl-freie Analyse.

– Über Falschmeldungen („Fake-News“) und das gezielte Streuen von Gerüchten, die sich in den Sozialen Medien ebenfalls schnell verbreiten, versuchen bestimmte Investorengruppen, wie z.B. Short-Seller oder Hedgefonds, trendverstärkend auf Börsenkurse zu wirken. Nicht umsonst hat die BaFin in einer Mitteilung vom Mai 2017 vor derartigen Manipulationen in den Sozialen Medien, die eine rationale Entscheidungsfindung unterlaufen, dezidiert gewarnt.

Vermutlich hätte Markowitz seine Portfolio-Selection-Theorie mit einem Beipackzettel ausgestattet, wenn es zu seiner Zeit bereits Internet und Soziale Medien gegeben hätte. Denn durch die Sozialen Medien werden all die menschlichen Schwächen, die irrationales Marktverhalten eher begünstigen als bereinigen, tendenziell verstärkt. Analysten, die sich auf die Untersuchung des Sentiments an der Börse spezialisieren, versuchen daher aus dem Treiben in den Sozialen Medien mittels Datenanalyse, Emotionen der Marktteilnehmer zu destillieren, um daraus Handelsmodelle oder Sentimentindikatoren zu entwickeln. In effizienten Märkten wäre für solche Handelsmodelle kein Platz. Private Anleger sollten sich daher bei ihren Anlageentscheidungen nicht von Stimmungen in Sozialen Medien anstecken lassen, ohne die Hintergrundinformationen einer 140-Zeichen Twitter-Meldung oder anderer Postings eingehend zu studieren. Medienkompetenz und Analyse sind gerade in Zeiten der Digitalisierung für Anleger unerlässlich!

Thomas Wüst, Geschäftsführender Gesellschafter valorvest Vermögensverwaltung

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