Mit Wandelanleihen bei nervösen Märkten auf der sicheren Seite (Teil II)

Ideales Timing für Wandelanleihen

Bereits der Beginn der KW 36 hat es in sich: Der Abwärtssog der türkischen Lira geht weiter. Das vor dem Kollaps stehende Argentinien infiziert bereits Brasilien und Chile. Die Grenzländer von Venezuela sind zudem mit der Massenflucht von Venezuelanern konfrontiert. …die Anleger flüchten aus den bis vor kurzem begehrten High Risk / High Yield EM (Schwellenländer) Anlagen. Dies setzte sowohl die betreffenden Börsen als auch ihre Währungen stark unter Druck, denn die Verkaufserlöse flossen zumeist in die “Save Haven” Währung, den USD. Der gesuchte USD verteuerte sich gegenüber sämtlichen Fiat (offiziellen Landes-) Währungen.

Ausgehend vom günstigeren EUR zum USD hätten sich die Exportchancen der EUR-Länder verbessern und ihre Börsen stabilisieren sollen. Doch mit den finanziellen Auswirkungen der Brasilienkrise besinnen sich die Investoren der Problemregionen in der EU. Angefangen mit Italien (wachsende Staatsverschuldung und hohes Haushaltsdefizit).

Nichts fürchtet der Investor mehr als fallende Kurse seiner Anlagen. Mittels Optionsstrategien (Calls und Puts) kann er das Einkommen seiner Aktien erhöhen oder sie absichern. Doch nur innerhalb seiner gesetzten (Kurs-) Bandbreiten. Bei längeren Perioden fallender Märkte oder grosser Aktienmarktkorrekturen kann die Kursabsicherung zum Verkauf der Anlagen führen.

Wandelanleihe mit Pay-Off Diagramm

Steigende Marktvolatilitäten vs. Aktienanlagen mit Zinseinkommen

Dank der hohen Zinskomponente von Wandelanleihen (WA) profitiert der Investor von einer höheren Ausschüttungsrendite im Vergleich zur Dividendenrendite bei einer Aktie. Die Zinskomponente ist der Grund für die Glättung der Volatilität der Wandelanleihe, bei der das unsystematische Risiko einer reinen Aktienanlage diversifiziert wird. Übrig bleibt dem Investor das systematische (=Restrisiko), also die reine Aktienkomponente der WA. Gerade im schwierigem Börsenumfeld sind Wandelanleihen als Value Investment als Form einer Strategie der Sicherheit bei schwachen Aktienmärkten gesucht, bieten sie doch zudem eine attraktive Verzinsung des Kapitals.

Der Markt für Wandelanleihen weist jedoch einen kleinen Schwachpunkt auf: Grosse Gesellschaften können sich Fremdkapital günstig am Markt beschaffen und sind nicht auf die – für sie – teure Alternative von WA angewiesen. Wandelanleihen werden deshalb eher von kleineren Gesellschaften emittiert. Gründe für die Aufnahme von WA durch solche Firmen können die (nicht erstklassige) Bonität, fehlendes Rating durch Ratingagenturen (ist mit hohen Kosten verbunden) oder ein eher kleinerer Finanzbedarf sein. Zudem sind die Zinskosten des Hybrids Wandelanleihe für solche Gesellschaften erheblich tiefer als bei einer Kreditaufnahme am Markt.

Text und Chart: Radovan Milanovic

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