Mit Google Reisebüro und Google Jobs zu neuen Ufern

Aus der ursprünglich reinen Suchmaschinen-Gesellschaft entwickelte sich unter der Mutter Google LLC ein Firmengeflecht welches in unterschiedlichste Zukunftstechniken investiert, um die hohen Wachstums- und Gewinn-Erwartungen der Anteilseigner zu erfüllen. Doch die X-Projekte sind noch weit davon entfernt, selbsttragend zu sein oder gar substanzielle Gewinne zu erwirtschaften. Zu den X-Projekten gehören

• Google Glass (Miniaturcomputer zur Gewinnung einer erweiterten Realität)
• Waymo (autonome Fahrzeuge)
• Projekt Loon (Internetdienste für dünn besiedelte Gebiete über Ballone in der Stratosphäre)
• Projekt Wing (Paketauslieferung mittels Drohnen)

sind in den Bereich „Moonshot“ in den Hoffnungspool („der grosse Wurf“) ausgelagert worden.

Google, jetzt schon ein Reisevermittler und eine Jobbörse

Moonshots noch nicht erfolgswirksam – neue Einnahmenquellen stehen an

Höhere Abgaben und strengere Gesetzgebungen (Urheberrecht) stehen einem tieferen Einnahmenwachstum gegenüber; operative Gewinne sind schwieriger zu erwirtschaften. Aus diesen Gründen hat GOOG neue, profitable Geschäftsfelder gesucht und gefunden.

Google „Reisebüro“ – Reisen, Tourismus, alles aus einer Hand

Mit selektiv besucherbezogenen Angeboten öffnet sich für Alphabet eine neue, profitable Einnahmequelle. Das GOOG-Reisebüro bietet praktisch die ganze Palette an Tourismus Dienstleistungen an:

• Google Trips: Reiseplaner (Angebote für Aktivitäten am Zielort)
• Google Travel – Reisearrangements (Hotel, Flug usw. im Gesamtpaket)
• Google Hotels weltweit
• Google Flüge weltweit

Aus dem Fundus der Datenbanken durchforstet der Crawler die Angebote von Online- Dienstleistern wie Reisebüros, Reiseveranstalter, Flugsuchmaschinen, Airlines, Hotels… nach den Suchkriterien von Google-Benutzern. Mittel- bis langfristig wird Alphabet Gewinne von Unternehmen wie Booking.com, eDreams.com, Expedia Inc., Tripadvisor.com, Orbitz.com, Ctrip.com (Chinas grösstes Online-Reisebüro) abschöpfen und ihnen das Leben schwer machen. Und Hotels ermutigen, ihre Angebote direkt auf den Webseiten zu veröffentlichen, statt sie wie bisher gegen hohe Kommissionen durch Online-Vermittler (Agenturen) vermitteln zu lassen.

Google „Jobs“ – Google wird zur Jobsuchmaschine

Nach demselben Muster durchforstet der GOOG-Crawler Stellenanzeigen und Stellenbörsen. Personaldienstleister wie Adecco.com, Randstand.com, Manpower.com, Recruit.com,… werden es in Zukunft schwerer haben, bezahlte Suchaufträge von Arbeitgebern zu akquirieren. Denn mit zunehmender Qualität der Suchresultate werden immer mehr Arbeitgeber die Vakanzen „google-konform“ auf Ihren Webseiten präsentieren, ohne den Umweg über (teure) Personalvermittler. „Google for Jobs“ begann seine Dienstleistung in den USA bereits vor 2 Jahren und führt sie jetzt auf dem deutschen Markt ein.

Damit der Crawler die Stellen-Anzeigen korrekt und nach Google-Richtlinien (Corporate Identity) übernehmen, hat Google Jobs Richtlinien für Stellenausschreibungen veröffentlicht. Arbeitgeber veröffentlichen ihre Stellenausschreibungen direkt im Netz nach Google-Richtlinien, worauf der Crawler für die Verbreitung im Netz sorgt und die Bewerber direkt anspricht.

EU-Kommission könnte wieder aktiv werden

Bei viel geballter Macht von Google ist die Chance gross, dass sich die EU-Wettbewerbshüter (Europäische Kommission) wiederum auf die „marktbeherrschenden Stellung“ berufen. Aufgrund des EU-Kartellrechts könnte die Frage nach der Aufspaltung des Google LLL-Konzerns – wie im Beispiel von Amazon – in den Raum gestellt werden.

Text und Bild: Radovan Milanovic

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