Londons Hauspreise fallen, doch Festlandeuropa macht sich noch keine Sorgen

Lodons Hauspreise fallen, doch UK’s Immobilienpreise steigen

Um die Grossbritaninens öffentlichen Finanzen steht’s nicht gut, das Konsumentenvertrauen der Bürger sinkt und in der Hauptstadt machen sich die Folgen des Brexits stark bemerkbar. Die Immobilienpreise fallen und Käufer sind kaum in Sicht. Trotz des Aderlasses in London stiegen die durchschnittlichen Hauspreise Grossbritaniens im März 2018 auf Jahresbasis um 4,2 Prozent, in Schottland gar um 6,7 Prozent. Der Grund ist die bisherige Konzentration der Geschäfte und der Immobilienanlagen auf den Grossraum London. Diese Entwicklung des Finanz- und Wirtschaftszentrums dürfte vorerst vorbei sein. Das ONS (Office of National Statist gefallenics) gab, bekannt, dass Londons Immobilienpreise seit dem EU-Referendum im Juni 2016 jeden Monat nachgaben. Sie sind im März 2018 im Jahresvergleich um 0,7 Prozent und im April bereits um 2,5 Prozent, dem grössten Rückgang seit 2009, günstiger geworden. Damals gaben die Preise gar um 3,2 Prozent nach.

Ein Lüftchen am Zinshorizont …

Die Preissteigerungen auf dem Land lassen sich auch mit der ungesunden Entwicklung der Hypothekarvergaben britischer Banken erklären (“Kaufen ist billiger als Mieten”). Und mit einem riesigen Bad Loans-Potenzial. Denn bekannterweise erwerben Britaniens Hauskäufer ihre Immobilien nur dem geforderten Minimal-Eigenkapital von 5 Prozent des Kaufpreises. 95 Prozent werden durch Hypotheken finanziert. Deren Zinsen sind bereits kräftig nach oben angepasst worden (nachstehend Durchschnittsangebote, als SVR (Standard Variable Rates)) Hypotheken:

  • 2-jährige: 3,90 bis 4,50 Prozent
  • 3-jährige: 4,90 bis 5,05 Prozent
  • 5-jährige: 4,95 bis 5,30 Prozent

Angenommen,  ein Immobilienkäufer erwirbt ein Haus zum UK-statistischen Durchschnittspreis von EUR 351.884 (GBP 308.075) müsste bei einem Eigenkapital von EUR 17.594 eine Hypothekarschuld von EUR 334.290 aufgenommen werden. Bei einer 3-jährigen Fixhypothek zu 5 Prozent fallen somit EUR 16.714,50 an Zinsen an. Steigen die Marktzinsen innerhalb von drei Jahren, bis zum Ablauf der Fix-Hypotek, um 1 Prozent, würden EUR 20.057.40 an Zinsen fällig. Das Beispiel beinhaltet jedoch noch nicht die vertraglich vereinbarte Rückzahlung der Hypothekarschuld. Bei einem Median Bruttolohn im April 2018 von GBP 47,919,00 (EUR 54.733,30), errechnet sich ein durchschnittlicher Median-Nettolohn von GBP 35.813,00 (EUR 40.905,61).

Ökonomen erwarten eine Rezession innerhalb von zwei Jahren

UK’s BIP betrug im ersten Quartal 2018 nur noch +0,1 Prozent (und der Brexit ist noch nicht über die Bühne), während die Industrieproduktion um -0,2 Prozent tiefer lag. Das Stimmungsbarometer der Bürger und in der Folge ihre Konsumausgaben fallen. London’s Immobilienmarkt – als Vorlaufindikator – gibt nach. Trotzdem: Die offizielle Arbeitslosenrate lag im März 2018 mit 4,2 Prozent auf dem 42-Jahre Tief. Diese Zahl hängt mit der Abwanderung von EU-Arbeitnehmern auf Festlandeuropa, also der Entlastung des Arbeitsmarktesin vor allem der Hautpstadt, zusammen.

Die durchschnittliche Hypothekarschuld britischer Hauseigentümer beträgt zur Zeit (April 2018) GBP 130.000,00 (EUR 148.486,00). Die Konsolidierung, ja Erhöhung des durchschnittlichen Hauspreise in Grossbritanien dürfte neben der Landflucht raus aus London auch mit der “Kurspflege” grosser englischer (Hypothekar-)Banken begründet sein. Denn 64 Prozent aller bewohnten Immobilen gehören ihren Bewohnern (in 2003 gar 71 Prozent) selbst.

“Win a House” – eine britische Lösung für Hausverkäufer

Bei einem Hausverkauf werden Grossbritaniens Hausbesitzern meist mit drei Realitäten konfrontiert, nämlich mit einer Tieferbewertung der Immobilie zur “Anpassung an die marktüblichen Preise”, der durchschnittlichen Verkaufsprovision von 3 Prozent (incl. MWSt.) durch Immobilienbroker und der meist sehr langen Wartezeit bis zu deren Veräusserung. Als Folge des aktuellen Überangebots wagen immer mehr Eigenheimbesitzer, ihre Immobilie in einem Wettbewerb dem Hauptgewinner zu verkaufen.

Angenommen, ein Hausbesitzer plant sein(e) Haus / Wohnung zu GBP 1 Mio. zu veräussern. Der Kaufpreis wird in 200.000 Lose zu beispielsweise GBP 5,00 gesplittet. Während einer Zeichnungsfrist können Teilnehmer solche Lose erwerben. Nach dem Verkauf 200.000 Lose, wird der Gewinner (= neuer Hausbesitzer) bestimmt.

Seit 2008 setzen Immobilienbesitzer, Bauunternehmen und Broker auf Immobilien-Raffles. Legendär sind die ersten Angebote. Meist erhielt der Gewinner gleich noch eine Prämie wie einen Porsche Cayenne.

Text: Radovan Milanovic
Bild: pixabay, Crator: Free-Photos

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