Letzte Tranche des Hilfsprogramms – wo steht Griechenland heute?

Neben persönlichen Opfern durch Otto Normalverbraucher (Rentenkürzungen ab 01. Januar 2019 bis -18 Prozent sowie höhere Steuern und Senkung des Steuerfreibetrages von EUR 8.636 auf EUR 5.681) musste die griechische Regierung einem beispiellosen Privatisierungsprogramm zustimmen, um in den Genuss der maximal EUR 86,0 Mrd. schweren Hilfsprogramme zu kommen.

Um die Privatisierung abzuwickeln, wurde der Superfonds TAIPED gegründet, welcher alle zu privatisierenden Staatsbetriebe enthält, wie PPC, die grösste Elektrizitätsgesellschaft Griechenlands, die Wassergesellschaften von Thessaloniki und Athen, die Metrobetriebe der Hauptstadt, der Fahrzeugversteller ELVO sowie Desfa (Überlandnetz für Griechenlands Gas), die Hotelkette “Xenia Hotels”,… Die 14 Regionalflughäfen wurden bereits vorgängig durch Fraport zu nur EUR 1,2 Mrd. erworben. Mit dem Kauf des Hafens von Piräus hat sich die chinesische Cosco den Europa- und Mittelmeerhub für chinesische Exporte nach Europa gesichert, während 67 Prozent des zweitgrössten Hafen des Landes, des Thessaloniki Ports, an das deutsche Konsortium HRADF ging. Der Schlussverkauf der staatlichen Filetstücke zu Schnäppchenpreisen brachte bisher erheblich weniger als erhofft und dürfte bis 2030 weiter gehen.

Bisherige Verwendung der Hilfsgelder durch Griechenland

Die letzten versprochenen EUR 15,0 Mrd. von insgesamt EUR 62,0 Mrd. durch den ESM (Europäischer Stabilitätsmechanismus) und den IMF sind soeben an Griechenland bezahlt worden. Davon sollen EUR 9,5 Mrd. als Liquiditätsreserve und EUR 5,5 Mrd. zur Andienung von Verbindlichkeiten dienen. Die bisherigen Hilfsgelder des EU-Stabilitätsprogramme und des IMF dienten vor allem der Schuldentilgung, der Finanzierung von Schuldzinsen, Kosten der Rekapitalisierung der Banken sowie Umschuldungen. Der Schuldenturm von Griechenland wurde somit kontinuierlich erhöht, was zusätzliche Zinsverpflichtungen zur Folge hat, während die griechische Wirtschaft und die Griechen kaum direkt vom Geldsegen profitieren konnten.

Immer noch düstere Wirtschaftszahlen –  der Tourismus, die grosse Jobmaschine

  • Höhere Rentenalter, eine Arbeitslosenrate von 20,5 Prozent (Jugendarbeitslosigkeit 42,3 Prozent), tiefere Löhne und Renten (im Durchschnitt je ca. -40 Prozent) im Vergleich zu 2010
  • Rekordhohe Verschuldung von rund 179 Prozent des BIP (bei einem Bruttoinlandprodukt von EUR 200 Mrd.), Inflation 1,0 Prozent, Handelsbilanzdefizit EUR -1,467 Mrd., Rendite 10-jährige Regierungsanleihen 4,01 Prozent (Deutschland 0,25 Prozent), S&P Kreditrating B+ mit positivem Ausblick (Deutschland S&P: AAA mit stabilem Ausblick)
  • Erwartetes Wachstum von 1,9 Prozent in 2018 (2019: 2,3 Prozent)
  • Einzig die Tourismusindustrie entwickelt sich prächtig: Seit dem Krisenjahr 2010 bis 2018 hat sich die Anzahl ausländischer Besucher um 100 Prozent gesteigert. In diesem Jahr erwartet das Land nämlich 32 Mio. Touristen aus dem Ausland, was schätzungsweise rund 1 Mio. Arbeitsplätze schafft. Griechenland ist jetzt gefordert, eine Balance zwischen dem Massentourismus und dem rentablerem und umweltfreundlichererem, nachhaltigen Tourismus zu finden

Text: Radovan Milanovic
Bild pixabab, Creator: SofiaPapageorge

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