Koreas Wiedervereinigung – die Kosten, die Financiers und die Profiteure

Im Hintergrund laufen die Drähte heiss. Die Annäherung beider Koreas nahm an den Olympischen Winterspielen 2018 in einen weiteren, zögerlichen Schritt. Die beiden Parteien einigten sich bereits auf eine gemeinsame Flagge. The Washington Post berichtete, dass der neue CIA Direktor Mike Pompeo unter strikter Geheimhaltung über die Ostern Nord-Korea’s Kim Jong Un traf, vorgängig zum anberaumten Meeting mit Präsident Trump. Der US-Präsident machte jedoch klar, dass trotz seines geplanten Treffens, die Sanktionen gegen Nord-Korea weiterlaufen würden.

Wiedervereinigung führt zu riesigem Kapitalbedarf

Ein Vergleich der beiden Wirtschaften – High-Tech trifft auf Steinzeit – ist schlichtweg nicht möglich. Auch eine Rückbesinnung auf die Wiedervereinigung der alten und neuen deutschen Bundesländer kann nicht ansatzweise als Vergleich oder Modell herangezogen werden. Wie gross die Unterschiede der wirtschaftlichen Leistung sind, zeigt eine Gegenüberstellung des BIP (Bruttoinlandprodukt). So erwirtschaftete die DDR in 1989 ein BIP (Bruttoinlandprodukt) von USD 159,5 Mrd., verglichen mit dem BIP Westdeutschlands in gleichen Jahr von USD 1,394 Bio. Das BIP West-/Ost Ratio betrug demnach 8,74. Das BIP-Ratio Süd-/Nordkorea liegt für 2017 bei 43. Der Investitionsbedarf einer Wiedervereinigung dürfte somit sämtliche bisherigen Dimensionen sprengen. Die Prognosen in absoluten Zahlen können ebenfalls nur ansatzweise geschätzt werden. Ende 2014 sprach die südkoreanische Regierung von einem Kapitalbedarf von USD 500 Mrd. Eine mit Sicherheit viel zu tief gegriffene Zahl. Drei Jahre später sprachen westliche Politiker und Analysten von Investitionen im Umfang von mindestens USD 3 Bio. (2017 betrug das deutsche BIP USD 3,91 Bio.). Der Kapitalbedarf würde also rund 77 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung Deutschlands in 2017 ausmachen.

“The winners take it all” – China, Russland, Süd-Korea und die USA

Käme tatsächlich eine Wiedervereinigung zustande, wird sich die Regierung Nord-Koreas an seine Freunde erinnern, welche dem Land in Zeiten der Abschottung geholfen haben. An erster Stelle kämen die Chinesen, gefolgt von den Russen und dem “Brudervolk”, den Süd-Koreanern. Die Amerikaner als Architekten einer (möglichen) Wiedervereinigung würden als Gewinner an vorderster Front entweder direkt oder indirekt über die südkoreanische Gesellschaften vom riesigen Investitionspotenzial ebenfalls profitieren.

Und das wären die Financiers dieser Jahrhundertinvestition

  • Weltbank mit ihren beiden Unterorganisationen, der International Bank for Reconstruction and Development (IBRD) sowie die International Development Association (IDA) welche sich zuerst der Finanzierung Infrastrukturprojekten und dann der Basisindustrie widmen würde
  • Asian Development Bank (ADB) finanziert Projekte zur Reduzierung der Armut in Asien und der Pazifikregion
  • Mehrere Länder zusammen, wie die EU als Staatenbund
  • Nationale Hilfsprogramme (Entwicklungshilfe)
  • Private Gesellschaften in einem späteren Schritt, nach Eintritt der Rechtssicherheit und verlässlicher Garantien der Eigentumssicherheit ihrer Investitionen

    Nord-Korea: Wirtschaftssektoren mit Potenzial

Aufgrund der grossen Abschottung des Nordens muss davon ausgegangen werden, dass die Berufsbildung Nord-Koreas auf eher tieferem Niveau steht. Sollten Direktinvestoren ihr Kapital abgesichert sehen, dürfte im Nordteil der koreanischen Halbinsel Industrien der Tieflohn-Segmente angesiedelt werden. Wie beispielsweise

  • Bergbau und Schwerindustrie, Nord-Koreas Bodenschätze sind vor allem Kohle, Eisen, Zink, Blei und Wolfram
  • Textilindustrie, diese würde aus Kostengründen teilweise aus Pakistan, Bangladesch, Vietnam… abziehen
  • Internationale Baukonsortien dürften mit Hotelbauten den Grundstein zur Entwicklung der Tourismusindustrie legen
  • Die arbeitsintensive Landwirtschaft könnte sich zum globalen Anbieter von Bio-Produkten entwickeln. Aufgrund grosser Distanzen zu den kaufkraftstarken Märkten wie Europa und den USA dürften solche Produkte eher im asiatischen Kontinent angeboten werden.

Text: Radovan Milanovic

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