Konsequenzen der Iran-Sanktionen für die europäische Wirtschaft

Wirtschaft und Finanz sorgen sich um mögliche Auswirkungen des Handels mit dem Iran

Die letzte Aussenhandelsstatistik der EU-Kommission vom 18. April 2018 zeigt die Entwicklung des Handels mit dem Iran. Wegen EU-Sanktionen gegen die Bereiche Schiffbau, Spezialmetalle und Produkte für die Öltechnologie brach der Handel in 2011 / 2012 ein. Zuerst langsam, dann ab 2016 weiteten sich die Handelstätigkeiten wieder stärker aus. Für 2017 zeigten sich folgende Werte:

  • Importe (in die EU): EUR 10,1 Mrd. (+83,9 Prozent zu 2016), Exporte 10,9 Mrd. (+31,5 Prozent), Handelsbilanzüberschuss der EU EUR 682 Mio.
  • Wichtigste Importe nach Produktgruppen (SITC-Klassierung): Brennstoffe, Erdölderivate und Minenprodukte (EUR 9,0 Mrd.), Fertigprodukte (EUR 651 Mio.), landwirtschaftliche Produkte (inkl. Fisch) und Rohmaterialien (EUR 437 Mio.), Hauptexportgüter: Maschinen und Transportmittel (EUR 5,5 Mrd.), Übrige Maschinen (EUR 3,7 Mrd.) und Chemieprodukte (EUR 2,0 Mrd.)
  • 2017 lag der Iran bezüglich der EU-Importe an Stelle 33, bei den Exporten an Stelle 30 und mit einem Handelsvolumen von EUR 21,0 Mrd. an Stelle 33 der Handelspartner

Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft

Obwohl das Land wertmässig nicht zu den wichtigsten Handelspartnern der EU gehört, gewann der Aussenhandel mit der EU wieder an Fahrt. In den ersten beiden Monaten dieses Jahres stieg der Umsatz mit dem Iran im Jahresvergleich um 17,4 Prozent auf EUR 3,7 Mrd. Wichtigster EU-Handelspartner war Italien mit EUR 845 Mio., gefolgt von Frankreich (EUR 665 Mio.) und Deutschland mit EUR 546 Mio.

Der Druck, der Amerikaner, den Handel mit dem Iran einzustellen scheint auch vor dem Hintergrund möglicher – bisher aufgeschobener – Sanktionen gegen die EU wegen des US-Handelsbilanzdefizits grösser denn je. Viele Unternehmen, welche mit dem Iran Geschäfte tätigen oder planen, den Handel aufzunehmen, halten sich bedeckt. Zu den bekannten, wichtigsten Betroffenen:

Deutsche Unternehmen

  • Airbus: Der Kauf von 97 Flugzeugen im Gesamtbetrag von knapp EUR 23,0 dürfte vor dem Aus stehen
  • Daimler plante 2016 den Bau einer LKW-Produktionsstätte im Iran
  • VW begann 2017 mit den Exporten ihrer Modelle Tiguan und Passat in den Iran
  • Henkel soll in Iran in 2017 einen “dreistelligen Millionenumsatz” erwirtschaftet haben
  • Siemens verzeichnete im vergangenen Jahr im Iran einen Umsatz von EUR 130 Mio. Im Blickpunkt steht die lizenzierte Produktion von Gasturbinen und die Modernisierung der Bahn

Iran-Geschäfte mit Schweizer Unternehmen auf Erholungskurs

Bevor die Nuklearsanktionen durch die UN in 2006 beschlossen wurden, betrug das Handelsvolumen mit Schweizer Unternehmen fast gleichbleibend über mehrere Jahre hingweg rund CHF 800,0 Mio. jährlich. Nach dem Einbruch der Exporte auf CHF 332,0 Mio. in 2013 stieg der Handel in 2017 wieder auf CHF 532,0 Mio. Zu den neusten Entwicklungen:

  • Glencore: Für den weltweit grössten Rohstoffhändler dürften die Sanktionen grosse Auswirkungen haben. Glencore‘s Irangeschäft betrifft einen Milliardenumsatz, denn es betrifft nicht nur das Öl- und Erzgeschäft, sondern auch Einnahmen der konzerneigenen Tanker- und Containerflotte
  • Autonoeum, der Innovator neuer Technologien, Ausstatter und Zulieferer der Autoindustrie gab am 11. Dezember 2017 eine Lizenzvereinbarung mit dem iranischen Automobilhersteller Iran Khodro und der französischen PSA bekannt
  • Straumann, der weltgrösste Hersteller von Zahnimplantaten ist seit 2017 mit einer Vertriebsgesellschaft im Land vertreten

Text: Radovan Milanovic
Aussenhandelsdaten: Europ. Komission (Eurostat)
Bild: pixabay, Crator: joernhb

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