Keine Posse: Detailhändler mit Self-Scanning Kassen sollen horrende Steuern zahlen

Der grösste Detailhändler in der Schweiz  mit Marktanteil im

Lebensmittelbereich von rund 45 Prozent (inkl. Tochtergesellschaft “Denner”) is die Migros gefolgt von Coop mit knapp 35 Prozent. Beide Grossverteiler setzen auf das Self-Scanning ihrer Produkte. Wenn es nach den Initianten aus dem linken und grünen Lager aus Genf geht, sollen Self-Scanning Kassen in Zukunft mit einer Steuer von CHF 10.000,00 pro Gerät und Monat besteuert werden.

Der Self-Scanning Brand bei Migros heisst “subito”, jener von Coop “passabene”

Migros preist sein System unter dem Brand “subito” an. Das “Self-Scanning” System gilt für grössere Einkäufe mit den Vorzügen eines “bequemeren und schnelleren” Einkaufens. Während für den kleineren Einkauf das “Self-Checkout” zur Verfügung steht. Mit den beiden Systemen sollen Wartezeiten an den Kassen vermieden werden. Die Einkäufe können nur bargeldlos erfolgen. Dass Migros den Kunden nicht vorbehaltlos vertraut, zeigt die Tatsache, dass je nach System die Kunden stichprobenartig oder “das Personal selbständig  und unregelmässig Stichproben” durchführt.

Coop nennt sein Das Self-Scanning “passabene”. Der Kunde kann seine Einkäufe mittels Karte oder bar begleichen. Auch Coop setzt auf Kontrolle: …”es werden vereinzelte Stichproben durchgeführt”.

Es drohen Steuern in Millionenhöhe

Die Grossverteiler geben die Anzahl automatisierter Kassen nicht bekannt. Deshalb die Schätzungen der Genfer Initianten aus dem linken und grünen Lager. Diese forderten am 22. Februar 2017 die Regierung des Kantons Genf mittels Gesetz Arbeitsplätze zu schützen und den ungerechtfertigten Jobabbau zu stoppen. Sie weisen darauf hin, dass der Detailhandel in Genf rund 20.000 Angestellte beschäftigt sind. Zwischen 2008 und 2015 hätten rund 300 Migros-Mitarbeiter ihre Arbeit verloren. Während sich die Anzahl automatisierter Kassen vervielfacht habe. Gegen 200 der 600 Migros Filialen seien mit diesen Geräten ausgestattet. Wovon 17 Filialen in Genf.

Das Mindesteinkommen einer Kassiererin beträgt bei Migros und Coop um CHF 4.000,00 (das Jahresbruttoeinkommen in der Schweiz beträgt üblicherweise 13 Monatssaläre). Die Steuer auf Selbstbedienungskassen beträgt demnach  2,5 Monatssaläre. Doch in der Publikation “MGB (Migros Genossenschafts-Bund) Zahlen und Fakten 2016” wird darauf hingewiesen, dass nur 51,1 Prozent der Angestellten eine Vollzeitstelle ausüben. Im Detailhandel arbeiten immer mehr Angestellte “auf Abruf” nur bei Umsatzspitzen.

Analysiert man die Stimmung im Kanton Genf anhand von Kommentare in Genfer Zeitungen befürworten die Leser fast ausnahmslos die Steuer auf Selbstbedienungskassen. Ja, es wird gar vorgeschlagen, jede automatische Kasse pro Monat mit einer Steuer von CHF 20.000,00 belegen.

Der Grossrat des Kantons Genf beschäftigt sich tatsächlich mit dem Gesetzesentwurf. Sollte das Gesetz in Kraft treten, hätte dies zweifelsohne Signalwirkung für andere Regionen in der Schweiz. Die Kosten alleine für Migros und Coop gingen für den Standort Genf in die Millionen und würden über höhere Produktpreise auf die Konsumenten abgewälzt werden.

Text: Radovan Milanovic
Quellen: Migros, Coop, Grand Conseil de la République et Canton du Genève

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