Inverse Zinskurve im Spanungsfeld steigender Aktienmärkte

Eine inverse Zinskurve ist für die Ökonomen ein klares Indiz für eine kommende Rezession. Fakt ist, dass der 1-jährige US-Schatzschein mit 2,41 Prozent höher rentiert, als der 10-jährige mit 2,39 Prozent. Während der US-Präsident Mitte März noch mahnende Worte Richtung Notenbank richtete, im Falle weiterer Zinserhöhungen das US-Wirtschaftswachstum abzuwürgen, steht jetzt gar im Raum, die US-Leitzinsen im kommenden Jahr zu senken. Klarer könnten die Erwartungen der Konjunkturentwicklung kaum ausfallen.

Globale Gründe für steigende Risikoaversion der Anleger

  • Unter den Prognosen veröffentlichte US-Konjunkturdaten
  • US-Notenbank ändert Zinsstrategie und deutet an, die Zinsen in den kommenden 12 Monaten nicht zu erhöhen. In der Vergangenheit hat das Fed die Zinsen bei inverser Zinskurve gar gesenkt
  • Rückgang der Auslandsinvestitionen in den USA
  • Im Handelskrieg mit China ist noch keine Ende in Sicht
  • Chinas Wachstum  verliert an Dynamik
  • Brexit Chaos (ja / nein / ja aber / …) in Europa

Die Kapitalflüsse Ende vergangener Woche wiesen auf eine vermehrte Risikoaversion der Anleger hin. Erträge aus Veräusserungen von Standard(aktien-)werten wurden zu Gunsten sicherer Anlagen, vor allem in Staatsanleihen investiert. Die steigende Nachfrage nach längeren Laufzeiten verstärkte den Druck auf die US-Zinsen am langen Ende. Auch am deutschen Rentenmarkt hat sich eine inverse Zinskurve entwickelt. Diese zeigt jedoch ein völlig anderes Bild: 1-jährige Bunds rentieren -0,41 Prozent, 3-jährige noch weniger, nämlich -0,48 Prozent.

Volatilitäten der Aktienmärkte kommen zurück

Am Montag wiesen die Aktienmärkte trotz drohender Rezessions-Gefahren ein Eigenleben auf, welches aufgrund der beobachteten Kapitalflüsse in den Bondmarkt nur schwer erklärbar ist. Denn in Zeiten der Rezession fallen die Erträge und somit die Rentabilität der Unternehmen, was zu Neubewertungen der Aktien führt.

Die Volatilitäten der Aktienmärkte kamen am Montag durchs Band zurück: Sie lagen beim S&P 500 bei 13,40 (-2,26 Prozent zum Vortag), beim Nasdaq bei 16,31 (-1,87 Prozent) und beim DAX 30 bei 15,06 (-3,82 Prozent). Diese Werte deuten auf beinahe “risikolose” Aktienmärkte hin, was auf festere Märkte hinweist.

Zinskurve 1-jährige vs. 10-jährige Treasury Bonds – ausgewiesene Zinsdifferenz

Eine inverse Zinskurve ist für die Ökonomen ein klares Indiz für eine kommende Rezession.
Quelle: ustreasury.gov, Freedom of Information Act (FOIA)

Rezessionsgefahren steigen

Eine Fed-Studie im Februar 2019 schätzt die Wahrscheinlichkeit einer Rezession auf 50 Prozent. Aufgrund der inversen Zinskurve besteht die Gefahr eines Credit Crunchs. Denn die Banken werden klein- und mitelgrossen Unternehmen (KMU) kaum Kredite im Rahmen der (aktuell atypisch verlaufenden) Zinskurve gewähren, wohl wissend, dass die Refinanzierung dieser Ausstände teurer zu stehen kommt. In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, ob und zu welchen Bedingungen die Banken fällige Kredite von Marktteilnehmern in diesem Zeitraum erneuern.

Text: Radovan Milanovic

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