IFO Geschäftsklimaindex und seine Auswirkung auf die Börse

Der IFO, ein verlässlicher Indikator künftiger Börsenentwicklungen

Bereits zum fünften Mal in Folge zeigen die deutschen Unternehmen keine Wachstumseuphorie mehr. Die Manager schätzen die künftigen Geschäftsentwicklung gedämpft optimistisch ein. Mit dem Rückgang des IFO-Indexes um 1,2 Basispunkte liegt er mit 102,1 zwar dieser zwar immer noch im grünen Bereich. Doch nähert er sich langsam orange / grün. Einem Niveau bei dem die Wirtschaft konsolidiert. Die Einkaufsmanager sind daher vorsichtiger bei Investitionen und fahren diese zurück. Auch der Erwerb von Rohmaterialien zur Produktion von Wirtschaftsgütern sind sie vorsichtiger. Tendenziell bedeutet die Annäherung an den Indexwert um 100 einen allmählichen Abbau – keinesfalls Aufbau – der Lagerhaltung, was natürlich Auswirkungen auf die Rohstoff- und Zuliefermärkte hat. Besonders zyklische Werte wie die Autoindustrie und deren Zulieferer, aber auch Hersteller von Investitionsgütern sowie Banken- und Versicherungen reagieren auf Ankündigungen wie gestern mit hohem Kursausschlägen. Herrscht an der Börse keine euphorische Stimmung, finden Kursrückgänge solcher Werte am folgenden Börsentag der IFO-Ankündigung statt. In der Tat gehören am Mittwoch Aktien von Allianz, Continental, Münchener Rück, Siemens und VW zu den grössten Verlierern.

Der IFO-Index und seine Bedeutung für die Börsenentwicklung

Börsenanalysten betrachten und interpretieren die Entwicklung des IFO-Indexes sehr genau. Fakt ist dass das Wirtschaftswachstum dank höherer Löhne angezogen hat. Doch das BIP-Wachstum hat seinen Zenit erreicht und wächst nur noch auf Sparflamme. Gleichzeitig ziehen Inflation und Zinsen – wenn auch gemächlich – an. Wir dürften vor einer gefährlichen Entwicklung stehen, denn es droht eine Stagflation. Glücklicherweise sind noch keine Hinweise auf eine Rezession am Horizont erkennbar.

Börsenkurse preisen künftige, erwartete Gewinne der Unternehmen ein. Und hier setzt das Dilemma ein. Sämtliche Methoden von Aktienkursprognosen beinhalten, direkt oder indirekt, die Faktoren Zinsen und in der Folge die mutmasslichen, künftigen Gewinne. Bei steigenden Zinsen kosten die steigenden Zinsaufwände des Fremdkapitals mehr und vermindern die Gewinne. Aufgrund der Nullprozentpolitik der Notenbanken (Fed, EZB…) konnte mit Fremdkapital zu minimalen Kosten gearbeitet und somit die Rendite des Eigenkapitals über die Hebelwirkung erheblich gesteigert werden. Genau diese Hebelwirkung kann jetzt zum Eigentor führen, da das Pendel der Kapitalkosten zu Gewinnreduzierungen führen wird. Das Wachstum der Wirtschaft und somit der Unternehmen ist auf dem Weg eines schwächeren Wachstums, wird jedoch mit hohen Kosten (Löhne und Fremdkapitalkosten) konfrontiert. Aktuell weisen die Börsen mittlere bis hohe Bewertungen auf, basierend auf dem Gewinnwachstum und dem KGV. Somit werden die Korrekturen anhalten. Eine negative Börsenstimmung wird in der Folgen auch längerfristig orientierte Investoren zu Abgaben veranlassen, was wiederum das technische Bild verschlechtern wird.

Keine Hilfe der Notenbanken mehr

Die Notenbanken haben ihr Pulver mit der Tiefzinspolitik bereits verschossen. Mit dem Zurückfahren der Anleihenkäufe, also der Kurspflege am Markt für Staatsanleihen, bleiben den Zentralbanken fast keine Instrumente mehr, um bei fallenden Märkten stützend einzugreifen. Der Druck auf die Banken zur Reservenbildung und verbessertem Kreditmanagement zur Abfederung von “Bad Loans”-Risiken bei Konjunkturrückgängen weist ebenfalls in diese Richtung.

Text: Radovan Milanovic
Bild: pixabay, Crator: FotografieLink

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