Hurrikan Harvey und seine Auswirkungen

US-Wachstumserwartungen dürften korrigiert werden

a) Enttäuschende Makrodaten

Oft realisiert und korrigiert der Markt (Börse und Währungen ) Anomalien erst in Kombination mit unerwarteten externenr Faktoren. Am Donnerstag zeigte der PMI (Purchasing Manager Index) der Industrie im Monat August einen Rückgang um 0,8 Prozent Punkte (auf 52,5). Ökonomen können mit einem “Slow-down” der Industrie aufgrund der Sommerferien argumentieren. Doch wie wir “wissen” sollen doch Tausende und Abertausende neuer Jobs in der Industrie geschaffen worden sein. Und mit Konzentration auf die Binnenproduktion sollten doch die Einkaufs Manager geradezu euphorisch sein. Gleichentags sind die Verkäufe neuer Eigenheime im Juli um 9,6 Prozent von 630.000 im Vormonat auf 571.000 abgesackt. Diese Zahl liegt auch weiter unter den Erwartungen der Ökonomen von 608.000. Wohl mit den Sommerferien erklärbar sind die tiefen Verkäufe von Eigenheime im Juli (5,44 Mio. vs. 5,51 Mio.) sowie die leicht höheren Anträge auf Arbeitslosengeld der vergangenen Woche (234.000 vs. 232.000), welche am Donnerstag veröffentlicht worden sind. Am Freitag jedoch der Hammer: Die Aufträge für dauerhafte Güter im Juli brachen von +6,4 Prozent auf -6,8 Prozent ein.

b) Das Wachstum des Gross Domestic Product (GDP, bzw. BIP) kann kaum gehalten werden

  • Im den meisten industrialisierten Ländern betragen die Konsumausgaben rund 60 Prozent des BIP. In den USA machen diese jedoch 71 Prozent aus. Das BIP-Wachstum wurde im zweiten Quartal 2017 mit +2,6 Prozent ausgewiesen bei einem Konsumwachstum von 3,0 Prozent. Die positiven Auswirkungen der Wahleuphorie nehmen ab. Zudem wird Harvey seine Spuren hinterlassen. Noch kann das Ausmass der Schäden durch den Hurikan nicht abgeschätzt werden. Konservativ geschätzt, dürfte “Harvey” 0,2 bis 0,3 Prozent an BIP-Wachstum kosten.
  • Hurrikan Harvey ist bereits zur Kategorie 3 ausgerufen worden. Der schlimmsten Hurrikan seit 12 Jahren. Lokale Produktionsausfälle werden jetzt schon gemeldet. So ist in Texas bereits die Ölproduktion bereits um rund 20 Prozent gestoppt. Viel wichtiger: Knapp 50 Prozent aller US-Raffinieren befinden sich in der verkehrgünstigen Golfküste von Texas. Neuste Meldungen sprechen bereits davon, dass rund 20 der Raffinierieproduktion gestoppt worden ist. Der Ölpreis in USD dürfte in der nächsten Woche weiter anziehen. Seit dem 21. Juni 2017 ist der Barrel bereits um 15,9 Prozent auf USD 51,87 gestiegen. Anderseits fiel der USD zum EUR im gleichen Zeitraum um 7,07 Prozent. Der Wertverlust des USD zum EUR hatte somit für uns einen dämpfenden Preiseffekt
  • Verlierer an der Börse durch den Hurrikan sind bereits jetzt schon Sach- und Rückversicherer, Versorgerwerte wie Roya Dutch Shell (RDS.A), Exxon Mobil (XOM), aber auch Fluggesellschaften (Southwest Airlines Co. (LUV), American Airlines Group Inc. (AAL)) sowie Warenhäuser wie Home Depot (HD)
  • Die Landwirtschaft wird von Ernteausfällen gezeichnet werden. Für US-Farmer im Einzugsgebiet des Hurrikans eine Katastrophe, denn diese verkaufen mindestens Teile oder gar die erwartete Ernte auf Termin an den Warenterminbörsen um Saatgut zu vorfinanzieren. Können die Commodities (Weizen, Mais,…) zum Lieferzeitpunkt nicht zur Verfügung gestellt werden, muss das Fehlgut teuer am Markt gekauft werden.

Text: Radovan Milanovic

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