Grossinvestor China setzt auf Europa

China: Europa im Fokus für Direktinvestitionen

Chinas riesige Aussenhandelsbilanzüberschüsse werden clever, zukunftssicher und meist in den Originalwährungen angelegt, um den Yuan – zur Förderung der Exporte – tief zu halten. Das Handelsministerium (MOFCOM) meldete soeben Chinas Direktinvestitionen in Form Firmenaufkäufen, der ersten sechs Monate dieses Jahres im Ausland. Offensichtlich geht Beijing hinsichtlich ihrer Direktinvestitionen (FDI) zu den USA auf Distanz und präferiert in grossem Masse Europa. Während die FDI von China im 1. Semester 2017 in Amerika bei USD 24,0 Mrd. lagen, betrugen sie in der gleichen Zeitperiode dieses Jahres wegen des Handelskrieges mit den Vereinigten Staaten nur noch USD 2,5 Mrd., was einem Rückgang von 97,3 Prozent entspricht. Ganz anders die Entwicklung in Europa: Die Direktinvestitionen stiegen von USD 16,63 auf USD 22,0 Mrd. ( +32,3 Prozent). Besonders grossen Investitionshunger zeigten die Chinesen in Schweden (ca USD 3,6 Mrd.), in Grossbritanien, Deutschland und Frankreich fanden Direktanlagen von je rund USD 1,5 Mrd. statt. Die Selektion chinesischer FDI umfasste Unternehmen mit langfristig positiven Wachstumsperspektiven.

Chinas Motive für Direktinvestitionen in Europa

  • Technologie: Investitionen in Firmen oder ganze Übernahmen kosten oft weniger als Forschung und Entwicklung zur Schaffung von Know-how
  • Schaffung von Marktzutritten, Eroberung neuer Absatzmärkte und Ausweitung bestehender Märkte für eigene Produkte
  • Erwerb bekannter Marken (hohe Gewinnmargen)
  • Investitionen, speziell in Vertreter von Schlüsselindustrien (wie Häfen: Piräus, Constantia, Valencia,… Flughäfen: Tirana, Toulouse,… Ölfelder in Grossbritanien,…) sorgen für politischen Einfluss und Sicherung der Infrastruktur des Handels (Transportwege) für chinesische Exporte nach Europa
  • Stabilisierung und Steuerung des Wertes der eigenen Währung zum Wohle des eigenen Wirtschaftswachstums und der Wirtschaft (in China)

China: Präferierte Investitionsziele in Europa

  • Deutschland: Mit dem Hunger nach Daimler AG, Kuka AG, Aixtron Se und 50Hertz Transmission GmbH… wird die Strategie klar: Nach den Schlüsselindustrien und   Zulieferbetrieben geht es um die Absicherung der Energieversorgung
  • Nahrungsmittelindustrie, Sicherung der Nahrungsmittelproduktion (Übernahme des schweizerischen Agrokonzerns Syngenta durch ChemChina)
  • Die neue Seidenstrasse mit der Direktverbindung China – Europa birgt ein Investitionsvolumen von mehr als USD 1 Bio. zum Bau / Ausbau von Bahnstrecken, Schienengeräten und Strassen. Schön, wenn ein grosser Teil der benötigten Logistik, Infrastruktur bereits in eigenen Händen oder durch eigene Produktion geschaffen werden kann

Text: Radovan Milanovic

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