Grossbanken, Broker und Funds-Manager und ihre Börsen Prognosen

Massiver Einbruch der Bösenstimmung trotz neutraler technische Börsenindikatoren

Im vergangenen Dezember als die Märkte boomten wiesen klassische Trend-Indikatoren wie der RSI (Relative Strength Index), der MACD (Moving Average Convergence/Divergence) und vor allem der VIX (Volatility-Index) auf “höchste Gefahr” hin. Doch vorerst trübte nichts die euphorische Börsenstimmung. In der Zwischenzeit folgen die Börsen kaum mehr fundamental begründeten Gesetzmässigkeiten sondern externen Einflüssen was zu volatilen Stimmungsschwankungen an der Börse führten. Während die Kleinanleger auf der Suche nach Renditen weiterhin an den Börsen investieren, zeigt der Fear & Greed (Angst und Gier-) Index von CNNMoney eine “extreme Angstkonstellation”. In solchen Situationen versagen konventionelle Börsenindikatoren.

DAX mit hoher Korrelation zum S&P 500

Die Globalisierung betrifft nicht nur internationale Verflechtungen wie Gesellschaften, Institutionen und Staaten sondern auch Wertpapier-Börsen. Aus diesem Grund sind und bleiben US-Börsen ideale Börsenindikatoren. Allen voran ist der S&P 500 aufgrund der hohen Korrelation zu diversen ausländischen Börsen ist er das klassische Prognosetool. Insbesondere zum DAX, denn der deutsche Benchmark weist eine hohe Korrelation zum S&P 500 auf. Im Zeitraum 2000 bis 2017 lag die S&P 500 / DAX -Korrelation an 90 Prozent aller Handelstagen zwischen 61 und 99 Prozent, im Durchschnitt gar bei 93 Prozent. Somit eignet sich der S&P 500 ideal als Trend-Indikator für den DAX.

Weltgrösste Investment Banken sprechen von signifikanten Börsenkorrekturen

Die Worte des Fed-Präsidenten werden auf die Goldwaage gelegt und im Sinne der eigenen Erwartungen interpretiert. So geschehen beim ersten Fed-Meeting Ende Februar. Obwohl die Zielrichtung der US-Notenbank seit vergangenem Herbst bekannt ist (allmählich steigende Zinsen), wird sie fast täglich, je nach Sichtweise kommentiert.

Wenn jedoch einflussreiche Investmentbanken wie Bank of America Merrill Lynch (BAML), der bekannte Hedgefunds-Manager Bridgewater oder weltweit tätige Broker wie Goldman Sachs vor Korrekturen warnen, sollten die Anleger genau hinhören und ihre Strategie dem Börsenumfeld anpassen:

  • Bank of America Merrill Lynch (BofA) erwartet einen grossen Ausverkauf der Aktien, denn 1) steht und fällt der Markt je nach der Gewinnentwicklung der Unternehmen. 2) Das Ende der Tiefzinspolitik wird die Gewinne der Gesellschaften drücken und 3) die geplanten Handelsbeschränkungen mit Strafzöllen bergen Marktrisiken, welche noch nicht in den Kursen enthalten sind
  • Bridgewater spricht von einer Pre-Bubble Phase und einer kommenden Rezession. Der Hedge Funds-Manager, ein bedeutender Investment-Trendsetter, welcher ein Vermögen von USD 160 Mrd. verwaltet, befürchtet nach rekordtiefen Zinsen eine Rückkehr zu Marktzinsen. Die entstehende Inflation werde das Wirtschaftswachstum hemmen. Anders ausgedrückt, Bridgewater erwartet eine Rezession
  • Goldman Sachs geht von einem Börseneinbruch von 25 Prozent aus. Der Broker begründet seine Prognosen mit steigenden Kreditkosten welche die wirtschaftliche Aktivitäten dämpfen. Steigen die Zinsen auf ein Niveau, bei dem es sich lohnt, in risikolose US-Schatzscheine (US-Treasuries) zu investieren, fliessen die Gelder (Smart Money) aus dem Aktienmarkt

Haben sich die grossen Finanzhäuser bereits strategisch positioniert?

Wenn die sich Strategen einflussreichster Banken, Broker und Funds-Manager klare Aussagen über eine mögliche Kursentwicklung der Märkte machen, kann davon ausgegangen werden, dass es sich um die Investitions-Strategie des Instituts handelt. Und dass diese vor dem Gang an die Öffentlichkeit bereits “im Hause” und bei ihren Kunden appliziert worden ist. Sei es mittels Aufbau von Hedge-/Absicherungs- oder gar durch den Aufbau von Shortpositionen. Die finanzielle Potenz der drei Finanzdienstleister (und ihre Möglichkeiten…) sowie die breite Publizität ihrer “Prognosen” führen zur “Self Fullfilling Prophecy.” Bleibt die Frage nach dem “Wann”?

Text: Radovan Milanovic
Bild: pixabay

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