Gold, wie lange noch totgesagt?

Begründungen für Gold-Preisrückgang nicht stichhaltig

Geliebt oder gehasst und dennoch faszinierend. Wie lässt sich der Kursrückgang von 6,6 Prozent der vergangenen 12 Monate erklären? Welche realistischen Erwartungen können in Gold gesetzt werden?

Heute fiel das Gold mit Tagesverlust von 0,35 Prozent (USD 4,50) auf den tiefsten Stand seit zwei Wochen. Der Handel lieferte mit der Unsicherheit über die künftige Führung des US-Fed eine dürftige Begründung. Eine wichtige Meldung, welche heute ebenfalls die Runde machte wurde nur am Rande erwähnt. Die Brisanz lässt jedoch aufhorchen: Ein goldgesicherter Swap der Deutschen Bank an Venezuela mit einer Sicherheit von USD 1,7 Mrd. in Gold lief aus und bescherte den deutschen Bankern über 41 Tonnen des Edelmetalls. Je nach Verwendungszweck dürfte diese Menge Einfluss aus die weitere Preisentwicklung haben. Auch dann, wenn das Gold häppchenweise auf den Markt geworfen wird. Oder wird es, was viel wahrscheinlicher ist, mittels Goldleihe durch die DB verzinsend bis zu einer Kurserholung gehalten?

Der Goldpreis reagiert nicht auf das Wechselspiel zwischen Angebot und Nachfrage

Es mehren sich die Gründe, dass die Kursrückgänge und erfolglosen Erholungsversuche des Edelmetalls nicht nur den freien Marktkräften zuzuschreiben sind. Das World Gold Council begründet den Preisrückgang im zweiten Quartal 2017 um 10 Prozent (auf 953,5 Tonnen) mit tieferen Geldflüssen in Gold-ETF (Exchange Traded Funds) gegenüber dem ersten Quartal. Aus Semesterbasis sei die Nachfrage gar um 14 Prozent auf 2.004,8 t gefallen. Diese Begründung erscheint wenig stichhaltig, denn ETFs sind aufgrund der Anlagevorschriften wohl gezwungen, die benötigte Golddeckung zu halten. Doch in den meisten Fällen wird das Gold nicht physisch erworben, sondern geliehen oder eigenes Metall zinsbringend verliehen. Beide Szenarien sind möglich.

Goldproduktion seit 1970 insgesamt kaum verändert

Der Chart zeigt sehr deutlich den massiven Rückgang der Goldproduktion durch Südafrika, den damals grössten Goldproduzenten ab 1970. Ab 1980 traten neue, bedeutende Födererstaaten auf. Mit den günstigen Manpower konnte sich China als Produzent an Spitze setzen. Die reine, globale Minenförderung veränderte sich seit 1980 wenig, da viele Minen in Südafrika und Australien ausgebeutet sind. Oder aber das Gestein nur einen tiefen Goldanteil enthält, dessen Produktion sehr teuer ist und sich ein Abbau nur bei einem höheren Goldpreis rechnen würde. Nachfragespitzen im Markt werden seither durch Abgaben von Gold-Beständen von Banken und durch das aufkommende Recycling, insbesondere von Edelmetallschrott, welches von PCs, Computern, Grossrechnern und technischen Geräten gewonnen wird, ausgeglichen.

Substanziell, preisrelevant und oft ein Trendindikator ist die Haltung der Notenbanken dem gelben Metall gegenüber. Kaufen sie Gold und bauen ihre Reserven auf oder geben sie es ab?

Grössere Käufe durch Zentralbanken
• Türkei +7 Prozent (im 2 Quartal 2017, im Vergleich zur Vorjahresperiode) auf 137,1 Tonnen
• Russland +6 Prozent (im ersten Semester 2017) auf 1.715,8 Tonnen
• China (gemäss verlässlichster Quelle unverändert im 2. Semester 2017 bei) 1.842.6 Tonnen
• Zentralbanken weltweit +20 Prozent (im 2. Quartal 2017 zur Vorjahresperiode) auf 94 Tonnen

Angebot im 2. Quartal 2017
• Minenproduktion – 0,40 Prozent (im Vergleich zur Vorjahresperiode) auf 791,2 Tonnen
• Recycling -18,40 Prozent auf 279,7 Tonnen

Institutionelle und private Nachfrage absorbieren das Angebot. Es besteht somit kein Angebotsüberhang, welcher Preisrückgänge begründet.

Text: Radovan Milanovic

Das könnte Sie auch interessieren: