Gold, neue Perspektiven dank Basel 3

Der Beschluss der BIZ (Bank für internationalen Zahlungsausgleich) zur Anwendung neuer Bilanzierungsrichtlinien, bekannt als Basel III (Basel 3), setzte die Eigenkapital- und Liquiditästregulierung westlicher Banken fest. Die Tragweite dieser Entscheidung ist  von Wirtschaft und Finanz kaum erkannt worden. Einzig die Zentralbanken (Notenbanken) haben die Chancen in Zeiten der Geldschwemme und Negativzinsen erkannt und sich 2018 bei tiefen Goldkursen eingedeckt. Zu einem Zeitpunkt, als das gelbe Metall totgeredet wurde (ein Schelm, welcher Böses denkt). Seit 1971, dem Zeitpunkt des Aufhebung des Goldstandards, erwarben sie nie mehr so viel Gold wie im vergangenen Jahr.

Basel 3 und ihre Bedeutung

Die hohen Eigenkapitalanforderungen für Privatbanken sollen die Risiken und Gefahren von Insolvenz und Illiquidität begrenzen und schliesslich die Guthaben von Bankkunden besser schützen. Aus diesem Grund sind die Aktiven der Banken in Klassen nach ihrer Risikoeinteilung eingeteilt.

Nach den Basel I-Richtlinien sind die Banken verpflichtet, 8 Prozent ihres Vermögens, inkl. des im Besitz der Banken befindlichen Goldes, nach einer bestimmten Formel abzusichern. Die Basel II-Beschlüsse sahen Gold als Tier 1- oder Tier 3-Kapital vor und gewichteten es als Bargeld. Ganz anders Basel 3, welche für das Gold vorsieht, den Liquiditätsabschlag von 50 Prozent auf 85 Prozent zu erhöhen. Diese Kennziffer ist von grosser Bedeutung, denn sie wird verwendet, um den Liquiditätspuffer (NSFR, Net Stable Funding Ratio) zu berechnen, den die Banken aufweisen müssen.

Banken werden ihre Goldbestände weiter aufstocken

Unter Basel 3 können die Zentralbanken im Rahmen der Eigenkapitalausstattung auch Edelmetalle wie Gold, Silber und Platin bis 20 Prozent ihrer Risikoabsicherung als Geld-, bzw. Devisen-Ersatz einsetzen. Die Zentralbanken haben im Gegenzug die tägliche Pflicht, die Bestände zu kontrollieren und ihre Tageswerte zu bestimmen.

Wie die Notenbanken können auch nationale Banken Gold als Sicherungsmittel einsetzen. Mit Gold-Borrowing und -Lending Geschäften, also mit der Goldleihe sowie der Ausgabe von Optionen und anderen derivativen Produkten auf eigenen Beständen können die Finanzhäuser ansehnliche Renditen erwirtschaften.

Unter Basel 3 kann Gold Teile der Devisenreserven ersetzen

Die neuen Regelungen der Eigenkapitalausstattung könnten auch dazu führen, dass die Banken Teile ihrer Devisenbestände wie den USD oder den EUR durch Gold – zumindest teilweise – ersetzen könnten. Vieles spricht dafür. Neben rentablen Kurssicherungsmöglichkeiten weist Gold, je nach gehaltener Art der Devisenreserve, neben tieferer Volatilität auch langfristiges Kurssteigerungspotenzial auf. Die Nachfrage nach physischem Gold dürfte somit weiter steigen. In Anbetracht der Eigeninteressen der Banken, dürften diese dafür sorgen, das Kurs-Rückschlagspotential ihrer Edelmetallbestände zu begrenzen.

Text: Radovan Milanovic
Bild: pixabay, Creator: hamiltonleen

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