Gold mit kurzfristig technischem Ausbruch

Gemischte US-Wirtschaftsdaten lockten die Gold-Bullen

Tiefere als erwartete US-Inflationsraten (CPI) brachten den Trigger für den heutigen Ausbruch des Goldpreises. Da der Goldmarkt kurzfristig überverkauft war, benötigte es nur einen Funken, um Gold zu einer Richtungsänderung zu bewegen. Doch die Inflationsrate eines Monats als Entscheidungsmoment zu benennen, dürfte allzu kühn sein.

US-Inflation kann leicht ausser Kontrolle geraten

Ein Vergleich der realen Inflationsrate mit der Kernrate – zumindest kurzfristig – gibt ein völlig anderes Bild als heute interpretiert. Denn es muss mit einem Inflationsschub aus dem Energiebereich gerechnet werden. Die tiefen Lagerbestände an Erdöl und der Produktionsunterbruch in den USA aufgrund der Unwetter in Texas und Florida sowie der nahende Herbst und Winter, welche die Nachfrage fossiler Energieträger steigen lassen werden. Daneben dürften die Hilfe der Unwetter-, bzw Feuergeschädigten (in Kalifornien) zusätzlich mit weit mehr als USD 100 Mrd. an Ersthilfe (Texas USD 15 Mrd. (+ mind USD 50 Mrd.), Florida USD 15 Mrd.), Puerto Rico USD 36,5 Mrd., US Virgin Islands USD 4,9 Mrd., Kalifornien USD 36,5 Mrd.) zu Buche stehen, welche über zusätzliche Staatsanleihen finanziert werden müssen. Dies dürfte die Zinsspirale endgültig in Bewegung setzen.

Gemischte Einflüsse der US-Wirtschaftsdaten auf den Goldpreis

Steigende Retail-Sales (Detail-Handelsverkäufe) sprechen gegen das Gold, da US-Notenbank nicht mehr gefordert ist, die Wirtschaft – mittels tiefer Zinsen – anzukurbeln.

AktuellPrognoseVorperiodeKurzfristiger Einfluss auf
den Goldpreis
CPI (MoM) Sept. 0,5 % 0,6 % 0,4 % +
CPI (YoY) Sept. 2,2 % 2,3 % 1,9 % +
Kern-CPI (MoM) Sept.* 0,1 % 0,2 %0,2% +
Kern-CPI (YoY) Sept.* 1,7 % 1,8 % 1,7 % +
Detail-Handelsverkäufe (MoM) Sept. 1,6 % 1,7 % -0,1 % 
Detail-Handelsverkäufe ohne Autos (MoM) Sept. 1,0 % 0,3 % 0,5 % –

  • *Kern CPI (Inflationsrate ohne ohne Energie- und Lebensmittelpreise, da die Preise dieser Produkte volatilen Preisschwankungen unterwerfen sein können und den “konventionellen” Inflationstrend fälschlich beeinflussen können)
  • MoM (Monat zu Monat), YoY (Jahr zu Jahr)

Technische Indikatoren des Goldpreises

Gold Futures (Dezember) werden aktuell zu USD 1302.90 pro Unze gehandelt, was einem Kassakurs von USD 1300.35 entspricht. Die Handel und Investoren sehen somit einen eher neutralen Kursverlauf. Die fünf wichtigsten kurzfristigen Indikatoren bis zu einer Zeitperiode bis 5 Minuten (somit interesssant für Traders), stehen alle auf “grün”. Trotzdem verkaufen sieben von acht Tradern das Gold auf der Basis technischer Indikatoren. Auf der Basis der Durchschnittslinien sind je sechs auf der Käufer-, bzw. Verkäuferseite. Offensichtlich kann das Tageshoch von USD 1303.10 nicht mehr erreicht werden, was gegen einen weiteren Anstieg spricht.

Einzig ein Schlusskurs oberhalb des Tages-Höchstkurses von USD 1303.10 gäbe kurzfristig Hoffnung auf einen weiteren Anstieg des Goldes. Vorausgesetzt, dass echte, fundamentale Gründe einen positiven Kursverlauf unterstützen.

Alle erwähnten Kurse und technischen Faktoren sind Momentaufnahmen zum Zeitpunkt der Veröffentichung dieses Artikels.

Text: Radovan Milanovic

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