Glencore, der unterschätzte Rohstoffgigant (Teil I)

Glencore mit weltweiter Präsenz und flexibel bei ändernden Rahmenbedingungen

Neider nagen oft an erfolgreichen Unternehmen wie Glencore (GLEN). Diese müssen oft an unerwarteten Fronten eingreifen um ihren Erfolg

Copyright: glencore com – Murrin Murrin Cobalt Nickel Mine, Australia

zu verteidigen.

Das weltweit grösste Rohstoffunternehmen agiert auch als Rohstoffhändler eigener und fremder Commodities. Soeben musste sich der Konzern wegen den US-Sanktionen aus dem rentablen Ölgeschäft mit dem Iran Geschäft zurückziehen. Doch bereits drohte wieder Ungemach: Das amerikanische Department of Justice (DoJ) eröffnete eine Untersuchung wegen mutmasslichem Bruch der Geldwäscherei- und Antikorruptionsgesetze sowohl in Nigeria, dem Kongo als auch in Venezuela. In der Folge schlossen Glencore’s Aktien am Dienstag mit einem Tagesverlust von -7,5 Prozent. Seit Jahresbeginn verloren die Papiere -16,1 Prozent. Die Straffung des Portefeuilles und Investitionen von GLEN, drückte leicht auf die kurzfristige Rentabilität, sollte jedoch das langfristige Wachstum sichern und ausbauen. Das Management reagierte sofort auf den Kurseinbruch vom Dienstag dieser Woche und plant, eigene Aktien im Umfang von USD 1,0 Mrd. zu erwerben. Bei einer Börsenkapitalisierung von USD 61,0 Mrd. entspricht dies rund 1,6 Prozent der ausstehenden Papiere.

Bergwerkunternehmen sind zyklisch und kapitalintensiv – der Ausnahmefall Glencore

Glencore unterscheidet sich erheblich von anderen Rohstoffgesellschaften. GLEN besitzt Minen, hält Beteiligungen an solchen oder betreibt Joint Ventures mit Minenunternehmen oder Produktionsgesellschaften. Glencore fördert die Rohstoffe, vermarktet diese und kann sie mit eigenen Schiffen transportieren. Auf diese Weise bleibt die Marge (Gewinnabschöpfung) durch Zwischenhandel und Transport bei Glencore selbst und sorgt für einem beachtlich hohen Selbstfinanzierungsgrad. Denn die Investitionskosten führen bei Bergbauunternehmen zwangsläufig zu einem ungünstigen Fremd-/Eigenkapital Verhältnis. Fallen nämlich die Preise der geförderten Commodities oder steigen die Marktzinsen beginnt für viele kleinere Branchenvertreter das grosse Zittern.

Glencore spielt jedoch in einer völlig anderen Liga. Mit einem Eigenkapitalisierungsgrad von 36,5 Prozent (Stand Ende 2017) ist sie solide finanziert. Aufgrund der branchenüblichen zyklischen Risiken muss auch Glencore für Fremdkapital tief in die Tasche greifen. Das Unternehmen hat Anleihen im Nominalbetrag von USD 12,5 Mrd. mit einem Coupon von 2,5 bis 6,0 Prozent ausstehend. Wobei USD 500 Mio. an Floating Rate Notes (FRN), als auch USD 1,5 Mrd. (Coupon 2,5 Prozent) im Januar 2019 fällig werden. Es ist davon auszugehen, dass die beiden Anleihen bei Fälligkeit durch neue Bonds refinanziert werden. Die tendenziell steigenden Zinsen am Kapitalmarkt werden deshalb zu höheren Fremdkapitalkosten führen.

Nachfragefokus der e-Autoindustrie nach Glencore Rohstoffen

Metalle für e-Autos machen bereits rund 50 Prozent der Bruttogewinns von Glencore aus. Im Zuge des Nachfragehungers der Autoindustrie profitierte der Rohstoffproduzent von steigenden Preisen von Kupfer, Lithium, Nickel und vor allem Kobalt. Denn die Produktion der neuesten Generation von Autobatterien, aber auch die eAutos selbst benötigen Unmengen an Kupfer, Nickel  Kobalt. Analysten gehen davon aus, dass nur schon am Beispiel von Tesla (TSLA), die Herstellung von Fahrzeugen und Batterien mangels Nachschub von genügend Kobalt oder starker Preiserhöhungen dieses Metalls in Kürze ins Stocken geraten. Sollte, wiederum am Beispiel von TSLA, das Unternehmen die hoch gesteckten Produktionsziele an eAutos und Batterien in den nächsten Monaten erreichen, dürfte bereits Ende des Jahres die Batterieproduktion mangels genügendem Kobalt ins Stocken geraten. Und TSLA steht stellvertretend für andere Batterie-Produzenten. Ein Stocken der Lieferkette (delivery on time) durch Zulieferer der eAuto Industrie wäre fatal.

Teil I / II
Text: Radovan Milanovic

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