Geldschöpfungs-Risiken durch die Banken ausser Kontrolle

Höheres Eigenkapital soll Kreditrisiken abfedern

Die Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) sorgt sich vermehrt um die Bankenrisiken. Seit Jahresbeginn hat sie bereits 14 Presseerklärungen veröffentlicht welche sich auf die Kreditrisiken der Finanzinstitute im Euro-Währungszone beziehen. Neben verantwortungsvollerem Kreditmanagement fordert die BIZ höhere Reserven zur Deckung von Marktrisiken. Die tiefen Zinsen brachten den Banken die Geldschwemme, welche sie als Kreditvergaben vor allem als Hypotheken und Konsumkredite verwendete. Mit dem Ansteigen der Börsen lockten günstige Kredite zur Fremdfinanzierung von Wertschriften. Denn mit der Hebelwirkung durch Lombardkredite kann die Kapitalrendite auf einfache Weise gesteigert werden. In Zeiten guter Konjunktur und boomender Märkte laufen die Kreditgeschäfte hervorragend. Doch wer denkt an steigende Risiken der Banksicherheiten. Sei es durch mögliche Börsen- aber auch Immobilienpreis-Korrekturen. Einer Gefahr, welche sich bei steigendenden Zinsen akzentuieren wird.

Geldschöpfung der Banken, die unterschätzten Bankenrisiken

Den Notenbanken steht die Aufgabe zu, Geld zu schöpfen, das Zentralbankengeld. Das Fiat-Money, bzw. das Papiergeld, wird durch die Notenbanken herausgegeben und geschöpft. Im Euro-Verbund ist dies die EZB, in der Schweiz die Schweizerische Nationalbank (SNB).

Zur Steigerung der Rentabilität nutzen die Geschäftsbanken die von den Notenbanken geschaffenen Geldbasis um wiederum Kredite an Unternehmen und Haushalte zu vergeben. Hält ein Kunde bei seiner Bank EUR 100,00 auf seinem Girokonto, vergibt die Bank theoretisch die EUR 100,00 für einen Kredit und vergrössert somit die Geldmenge um 100 Prozent. Sie schöpft somit EUR 100,00 an “neuem Geld.” Mit dem Kredit werden Güter gekauft, deren Erträge (EUR 100,00) – theoretisch – wiederum auf einem Konto bei der Bank gehalten werden… Da die Banken jedoch Liquidität halten müssen, um genügend Barmittel zur Hand zu haben, damit die Sparer (Teil-)Guthaben von den Konti beziehen können, schreiben die Zentralbanken den Privatbanken Mindestreserven der Kassaguthaben ihrer Kunden vor. Dieser “Bodensatz” kann beispielsweise 10 Prozent betragen. Mangels vollständiger Verfügbarkeit der Spargelder sind unsere “Bankguthaben” reine Zahlungsversprechen. Ein Beispiel unter Berücksichtigung eines Bodensatzes von 10 Prozent: Von der Ersteinlage von EUR 100,00 vergibt die Bank einen Kredit von EUR 90,00, welche wiederum angelegt zu einer neuen Kreditvergabe von EUR 81,00 führen…. Die Banken können somit (theoretisch) von den ursprünglich EUR 100,00 insgesamt EUR 900,00 an zusätzlichem Geld schaffen. Beim Faktor der Neugeldschaffung handelt es sich um den Geldschöpfungsmultiplikator.

Geldschöpfung der Banken ausser Kontrolle

Gegen 83 Prozent der umlaufenden Geldmenge der Euro-Währungsunion ist ein Produkt der Geldschöpfung durch private Banken. Somit beträgt die aktuelle Geldmenge (m1 + m2 + m3)  der EZB nur EUR 11,9 Bio. oder 13 Prozent der Umlaufmenge an Geld. Kaum vorstellbar, dass rund EUR 91,5 Bio. aus dem Nichts geschaffene Mittel zirkulieren, welche real (physisch) nicht existieren. Das Mengenwachstum angeschöpftem Geld steigt auch durch steigende Anwendung des eBankings aber auch durch die vermehrte Verwendung von Kartenzahlungen.

Initiative in der Schweiz fordert das alleinige Monpol der Geldschöpfung durch die Notenbank

Die “Vollgeld”-Initiative fordert das alleinige Geldschöpfungsmonopol durch die Schweizerische Nationalbank. Am 10. Juni 2018 stimmen die Schweizer an der Urne ab, ob private Banken weiterhin Geld schöpfen dürfen. Denn in der Schweiz werden gar 90 Prozent des Geldes durch private Finanzinstitute geschaffen. Die Initianten argumentieren, dass nur Vollgeld auf den Banken sicher ist. Es verhindere Spekulationsblasen und somit die Gefahr von Finanzkrisen. Zudem würden Geldschöpfungsgewinne der Allgemeinheit gehören.

Dass die Gefahren und mögliche Konsequenzen privater Geldschöpfung unterschätzt werden, zeigen die Umfragewerte vergangene Woche: Nur 37 Prozent der Schweizer befürworten die Idee des Vollgeldes.

Text: Radovan Milanovic

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