Folgen der Neuorganisation der Wertpapierfirmen durch die EU-Kommission

Die Vorschläge, grosse Investmentfirmen wie “too-big-to-fail”-Banken unter die Aufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) zu stellen wird von Wertpapierfirmen kritisch beobachtet. Denn ein Beschluss der neuen Regelungen dürfte für die betroffenen Firmen einen Kostenschub und weitreichende Konsequenzen strategischer Art bedeuten. Die europäische Kommission betont jedoch, das Leben kleinerer Wertpapierfirmen zu erleichtern, indem nur die grössten systemrelevanten Firmen der Branche den gleichen Regelungen wie europäischen Banken zu unterwerfen sind. Die EU-Kommission weist auf die Wichtigkeit der Investmentfirmen mit ihren Aufgaben der Beratung ihrer Kunden, des Managen ihrer Vermögen und die Erschliessung der Kapitalmärkte für Unternehmen hin.

Statt Effizienz und Angebotsvielfalt droht der Finanzindustrie eine Konsolidierung

In Zukunft sollen die Wertpapierfirmen in zwei Gruppen eingeteilt werden. Was auf den ersten Blick wirtschaftsfreundlich aussieht, beinhaltet ein grosses Mass an Kalkül. Zu den Kernpunkten:

Nicht systemrelevante Wertpapierfirmen

  • Kleinere Wertpapierfirmen mit niedrigstem Risikoprofil: Das Eigenkapital soll “robust” sein, um die Risiken den Geschäftes abzudecken –> mehrheitlich höhere Kapitalerfordernisse, was kleinere Gesellschaften nicht aufbringen könnten. Geschäftsaufgaben oder Zusammenschlüsse kleinerer Firmen dürften die Folge sein
  • Grössere Wertpapierfirmen müssen ein Kapital nach Massgabe der Risiken ihrer Geschäfte aufweisen —> Online-Banken oder -Broker müssen im Durchschnitt erheblich höhere Eigenkapitalien aufbringen. Auch diesen drohen Zusammenschlüsse oder Spin-offs, indem die Unternehmen nach ihren Tätigkeitsgebieten aufgeteilt werden dürften. Z.B. Abtrennung der Vermögensverwaltung, der Kreditabteilung und des Brokergeschäftes zur Erreichung geringer Kapitalerfordernisse

Systemrelevante Wertpapierfirmen

Institute, welche bereits bankenähnliche Tätigkeiten wie Zeichnung und Handel auf eigene Rechnung sowie Vermögenswerten über EUR 30 Mrd. haben, möchte der Gesetzgeber als Kreditinstitute einstufen. In der Folge wären sie der direkten Aufsicht der EZB unterstellt. Aufteilungen von Firmenaktivitäten in unabhängige Gesellschaften, zur Begrenzung höherer Eigenkapitalerfordernisse wären die Folge. Trotzdem dürften die höheren Kosten zum Abbau von Personal führen.

Folgen bei Einführung des Gesetzes

Indem die Anzahl “too-big-to-fail” auf ein Rekordniveau gehievt und und unter Aufsicht der EZB gestellt wird, werden die Investitions- und Kapitalströme der Bankkunden – im Zeitalter anonymer und sich exposionsartig ausbreitendee Krypto-Währungen – noch genauer verfolgt und kontrolliert werden können. Offensichtich bezweckt die EZB die Wiedererlangung der Kontrolle der Geldflüsse solcher Transaktionen. Eine Kontrolle wäre der erste Schritt bezüglich einer Besteuerung  dieser Gelder.

Werden grössere Wertpapierfirmen als systemrelevante Banken eingestuft, zu denen bereits 120 wichtige Banken im EU-Verbund gehören, dürfte sich die Anzahl “schützenswerter” Institute der Bankenunion weit mehr als verdoppeln. Eine Finanzkrise breitet sich als Domino-Effekt aus. Anders als in 2007 / 2008, würde dieser aufgrund der weitaus dichteren globalen Vernetzung und der riesiger Anzahl systemrelevanter Institute weitaus grössere Ausmasse annehmen. Dem Financier, also dem dem Steuerzahler drohen gigantische Bürgschaftsverpflichtungen.

Text: Radovan Milanovic

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